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Koalitionäre in Hessen: Fragezeichen hinter Terminal 3

Nach dem Willen der künftigen Koalitionäre in Hessen soll der Bau des dritten Terminals am Frankfurter Flughafen noch einmal hinterfragt werden. Fraport reagiert zurückhaltend auf den Wunsch der Politiker. Wir präsentieren die Ausbaupläne.
Das geplante dritte Terminal (rot markiert) liegt südlich der Landebahnen. Die bestehenden Terminals eins und zwei gruppieren sich im Norden aneinander.
Frankfurt. 

An der Zukunft des Frankfurter Flughafens entzündeten sich am Tag eins der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und Grünen heftige Diskussionen. Ministerpräsident Bouffier habe den Ausbau in Frage gestellt, warnt die SPD. Vergrätzt darüber, dass die CDU nun mit den Grünen ein Regierungsbündnis aushandeln will und nicht mit der SPD, haben die Sozialdemokraten schon gestern die Weichen auf Opposition gestellt. „Gemessen an den bisherigen Äußerungen der CDU stellt sich schon die Frage, ob die CDU sich aus machtpolitischen Gründen von ihrer bisherigen Linie verabschiedet oder ob das eine Finte ist, um die grüne Basis einzulullen“, erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Günter Rudolph.

 

FDP kritisiert CDU

 

Besorgt um die Zukunft des Flughafens zeigte sich gestern auch die in Hessen noch mitregierende FDP. „Wir erwarten, dass das stets klare Bekenntnis der hessischen Landesregierung zur Zukunft des Flughafens weder während der Koalitionsverhandlungen noch in der kommenden Legislaturperiode auch nur ansatzweise auf dem Opferaltar der angestrebten Koalition landet“, betonte FDP-Fraktionschef Wolfgang Greilich. Hierzu gehöre auch der Bau des Terminals 3. Die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt dieser Investition in die Zukunft müsse Fraport überlassen bleiben.

Der Flughafenbetreiber hat zwar gestern seine Bereitschaft erklärt, „die wirtschaftliche Begründung für den Bau des dritten Terminals einer aktuellen Überprüfung zu unterziehen, wenn dies von der Politik gewünscht wird“, sagte Fraport-Sprecher Christopher Holschier im Gespräch mit dieser Zeitung. „Unsere Pläne basieren aber weiterhin auf der Annahme, dass wir in Frankfurt ein nachhaltiges Passagierwachstum haben werden“, ergänzte Holschier. Mit genau dieser Begründung hatte Fraport im September den Bauantrag für das neue Terminal eingereicht. Bleibt nun abzuwarten, ob Fraport seine Meinung zwei Monate später unter politischem Druck aus Wiesbaden ändern wird.

Bislang hat Fraport geplant, 2015 mit dem Bau des Terminals 3 zu beginnen – in Modulen. Schritt für Schritt. Der erste Bauabschnitt soll 2020 fertiggestellt sein, um nach einer einjährigen Testphase 2021 in Betrieb zu gehen. Wann weitere Module folgen, weiß man noch nicht. Fest steht aber: Zu Beginn sollen 14 Millionen, zum Ende des Ausbaus dann 25 Millionen Passagiere durch das Terminal geschleust werden. Damit würde sich die Kapazität des Airports auf jährlich 88 Millionen Fluggäste erhöhen. Im vergangenen Jahr zählte der Flughafenbetreiber 57,5 Millionen Passagiere. In den bestehenden Terminals könnten bis zu 68 Millionen Passagiere abgefertigt werden.

Da wundert es nicht, dass sich Fraport selten so unsicher war wie mit dem Bau dieses umstrittenen Terminals, denn die Entwicklung der Fluggastzahlen ist nur schwer absehbar.

So war der Termin für den Baubeginn auch schon unzählige Male verschoben worden. Hieß es anfangs, dass das neue Gebäude im Zuge des Ausbaus bereits in diesem Jahr in Betrieb gehen soll, ruderte das Fraport-Management im Herbst 2009 zurück und sprach von einer Fertigstellung im Jahr 2015. Es folgten die Daten 2016 und 2017. Grund waren die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der ausbleibende Anstieg der Passagierzahlen.

Nun sollen also ab 2015 die Bagger anrollen. Zwar sind die Passagierzahlen wieder leicht gestiegen. Aber die Flugbewegungen gehen zurück – nicht nur in Frankfurt, europaweit. Wurden am Main 2011 noch 487 162 Starts und Landungen gezählt, waren es 2012 nur noch 482 242. In München, Deutschlands zweitgrößtem Flughafen, gingen die Flugbewegungen im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent auf 398 000 zurück. Und in London, Europas größtem Flughafen mit 70 Millionen Passagieren, sank die Zahl der Starts und Landungen von 476 197 auf 471 341.

Fraport zeigte sich im Sommer dennoch sicher, dass der Luftverkehr wachsen werde. Das sagte Ulrich Kipper, Leiter des zentralen Infrastrukturmanagements und Chefplaner für das Terminal 3, im Juli gegenüber dieser Zeitung. Entgegen der Aussagen von Klaus-Dieter Scheuerle, Chef der Deutschen Flugsicherung, der von einer Stagnation des Luftverkehrsaufkommens in den nächsten zehn Jahren sprach, glaubt der 52-Jährige daran nicht. Auch der Airport Council International (ACI), der führende internationale Dachverband der Flughafenbetreiber, rechnet in Europa bis 2031 mit einem Wachstum von 2,9 Prozent pro Jahr.
 

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(Christiane Warnecke, Julia Lorenz)
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