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Der Nachhall der Millionenpleite

Von Nach der spektakulären Festnahme der S&K-Chefs Stephan Schäfer und Jonas Köller haben sämtliche Fonds der mutmaßlichen Millionenbetrüger Insolvenz angemeldet. Experten befürchten, dass die geprellten Kleinanleger mit einem Totalverlust ihrer Einlagen rechnen müssen. Doch auch andere Gläubiger warten auf ihr Geld.
Frankfurt. 

Hans Glassl (63), Chef der Frankfurter Firma Wertschutz GmbH, hat gut lachen: Seit Juli 2012 ist er bereits hinter Stephan Schäfer und Jonas Köller, den beiden mutmaßlichen Multimillionen-Betrügern und Chefs der S&K Gruppe mit Sitz in der Kennedyallee 123, her. Seit die Frankfurter Staatsanwaltschaft den beiden Lebemännern und ihren Gefolgsleuten bei einer bundesweiten Großrazzia am 19. Februar das Handwerk legte, sitzen Schäfer und Köller sowie sechs weitere Personen in Haft. Sie sollen ein betrügerisches Schneeballsystem aufgebaut und Tausende arglose Kleinanleger um einen dreistelligen Millionenbetrag geprellt haben, um ihren exzessiven Lebenswandel zu finanzieren (wir berichteten). Für Glassl die Bestätigung eines lange gehegten Verdachts.

Hans Glassl lacht gerne und ist eigentlich ein netter Kerl. Aber wer beruflich mit ihm zu tun hat, der hat eine offene Rechnung zu begleichen. So wie die Pensionskasse der Höchst AG, der die Villa in der Kennedyallee gehört. Vor gut zwei Wochen tauschte Glassl im Auftrag der Pensionskasse die Türschlösser der Villa aus, schraubte die Klingelschilder der S&K Gruppe ab und verriegelte die Zufahrten mit schweren Vorhängeschlössern.

Seit Schäfer und Köller in Untersuchungshaft sitzen und ihre Konten von der Staatsanwaltschaft eingefroren wurden, wartet die Pensionskasse vergeblich auf Mietzahlungen in Höhe von 17 000 Euro im Monat. „Miete bekommen wir derzeit gar nicht. Unser Bestreben ist es, so schnell wie möglich wieder in den Besitzstand des Gebäudes zu gelangen. Ich erwarte nicht, dass die Geschäftsaktivitäten von S&K wieder aufgenommen werden“, sagt Jörg Blaurock, der Vorstand der Pensionskasse auf Nachfrage der FNP.

 

Gerbermühle zahlt weiter

 

Während also die Pensionskasse der Höchst AG bis auf Weiteres auf rund 50 000 Euro Mietschulden sitzen bleibt, sieht es bei den Immobilien, die zur S&K Gruppe gehören, anders aus. Ein prominentes Beispiel ist die Sachsenhäuser Gerbermühle, eine der Anlaufstellen von Frankfurts Schickeria. „Wir zahlen weiterhin ganz normal unsere Miete“, sagt Alex Urseanu, der gemeinsam mit Micky Rosen ein Restaurant in der Gerbermühle unterhält.

Obwohl also die Geschäftskonten der S&K Gruppe weiter mit Mieteinnahmen geflutet werden, haben die geprellten Kleinanleger wohl nur sehr geringe Chancen, ihre Einlagen zurückzuerhalten. So haben inzwischen die fünf Immobilienfonds Deutsche S&K Sachwerte (rund 38,7 Millionen Euro Anlegergelder), Deutsche S&K Sachwerte 2 (rund 28,2 Millionen Euro), S&K Investment (4,8 Millionen Euro), S&K Investment Plan (50 000 Euro), S&K Real Estate Value Added (rund 34 Millionen Euro) Insolvenz beantragt.

Ebenfalls pleite sind die Fonds Asset Trust und die Deutsche Sachwert Emissionshaus. „Formell sind diese Fonds keine S&K-Unternehmen, sondern lediglich zum Umfeld der Unternehmensgruppe gehörig“, sagt Insolvenzverwalter Dr. Jochen Zaremba von der Kanzlei Schwartz. Zaremba taxiert das Gesamtvolumen der beiden Gesellschaften „nach bislang ungesicherten Erkenntnissen durchaus auf einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe“. Der Insolvenzverwalter schätzt, dass rund 1700 Geschädigte in die beiden Fonds investierten. Die exakte Zahl der Anleger kennt er aber nicht, da die Staatsanwaltschaft ihre Akten noch unter Verschluss hält.

 

Kleinanleger nachrangig

 

Bis Freitag vergangener Woche hätten sich erst 190 Anleger bei der Kanzlei gemeldet. In nur zwei Fällen seien die Verträge so gestaltet, dass die Forderungen der Anleger nicht als nachrangig gelistet sind. Das heißt, dass die große Mehrzahl der geprellten Kleinanleger bei der Aufteilung der Insolvenzmasse ganz hinten anstehen müssen und mit hoher Wahrscheinlichkeit leer ausgehen, da zuerst die vorrangigen Gläubiger bedient werden, bis vom sichergestellten Vermögen nichts mehr übrig ist.

Doch nebenbei gibt es noch andere im Zuge der S&K-Festnahmen verschollene Sachwerte. So sucht Hans Glassl im Auftrag der BMW-Bank nach zehn geleasten BMW aus der Autoflotte von Stephan Schäfer und Jonas Köller. Einer der gesuchten Wagen, ein weißer 5er-BMW, steht keine 200 Meter von der Kennedyallee 123, in der nahen Waidmannstraße. Die zehn verschollenen BMW sind für die Staatsanwaltschaft in Anbetracht der weitläufigen Ermittlungen aber noch das geringste Problem: „Wir hoffen, in den nächsten Monaten alles so weit auseinander zu sortieren, dass wir die Sachen abwickeln können“, sagt Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Betroffen seien knapp 100 Gesellschaften und Hunderte gepfändete Konten. Doris Möller-Scheu geht aufgrund der bisherigen Ermittlungen nicht davon aus, dass der Anfangsverdacht gegen die mutmaßlichen Millionenbetrüger in sich zusammenfällt.

Bis zur Eröffnung des Verfahrens gegen Köller und Schäfer werden noch Monate vergehen. Bis dahin sei nicht damit zu rechnen, dass die Beschuldigten aus der U-Haft entlassen werden. Zudem bestätigt Oberstaatsanwältin Möller-Scheu, dass es auf dem Grundstück der Erlenbacher Privatvilla von Jonas Köller eine zweite Grabungsaktion gegeben habe. Was die Beamten dort suchten und ob sie fündig wurden, will die Oberstaatsanwältin hingegen nicht verraten.

Hinweise, laut denen Schäfer und Köller Teile des veruntreuten Vermögens sowie Immobilien, an Familienmitglieder überschrieben, kommentiert Doris Möller-Scheu ebenfalls nicht. Doch: „Wenn Dritte Eigentum erworben haben, das aus einer Straftat erlangt wurde, können wir auch darauf zugreifen“, so die Oberstaatsanwältin. Gegebenenfalls werde der neue Eigentümer auch in das Verfahren einbezogen werden.

Holte Glassl aus der Villa: Eine Tafel, auf der die S&K ihre Strategie schrieb. Bild-Zoom
Holte Glassl aus der Villa: Eine Tafel, auf der die S&K ihre Strategie schrieb.
Hans Glassl hat im Auftrag der Pensionskasse die Türschlösser der Villa ausgebaut, schraubte die Klingelschilder der S&K Gruppe ab und verriegelte die Zufahrten mit schweren Vorhängeschlössern.	Fotos: Holger Menzel Bild-Zoom Foto: Photographer: Holger Menzel
Hans Glassl hat im Auftrag der Pensionskasse die Türschlösser der Villa ausgebaut, schraubte die Klingelschilder der S&K Gruppe ab und verriegelte die Zufahrten mit schweren Vorhängeschlössern. Fotos: Holger Menzel

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