Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Der schöne Schein der S&K-Holding

Von Glamourös inszenierte Partys, gute Kontakte zu gewogenen Journalisten und großzügige Spenden für soziale Zwecke: So schafften es die S&K-Macher, deutschlandweit von sich reden zu machen und trotz ihres exaltierten Lebensstils jahrelang den Anschein seriöser Kaufleute zu wahren.
Frankfurt. 
Zum 30. Geburtstag von Jonas Köller ließ sich sein Partner Stephan Schäfer mit einem Helikopter einfliegen. Als Geschenk gab es für Köller eine teure Harley Davidson, filmreif überreicht von einem Schwarzenegger-Double. Bild-Zoom
Zum 30. Geburtstag von Jonas Köller ließ sich sein Partner Stephan Schäfer mit einem Helikopter einfliegen. Als Geschenk gab es für Köller eine teure Harley Davidson, filmreif überreicht von einem Schwarzenegger-Double.
Stephan Schäfer und Jonas Köller, die Macher der S&KHolding, gaben sich stets großzügig: Für verdiente Mitarbeiter gab es Autos, Kinder in Not wurden mit Spenden bedacht und in Vergessenheit geratene Prominente mit Lücken im Terminkalender durften bei den luxuriösen Festen der Firmengründer vorbeischauen. Was zählte, war nicht zuletzt der äußere Eindruck.

Wie es wirklich um das weit verzweigte Innenleben und die Vermögensverhältnisse der Dutzende Sub-Unternehmen zählenden Firmengruppe von Schäfer und Köller stand, das versucht die Staatsanwaltschaft nun mit Hilfe der beschlagnahmten Dokumente zu eruieren. Doch bereits bei näherem Hinschauen bilden sich Risse in der so sorgsam errichteten Fassade selbstloser Großzügigkeit.

Hauptsitz bloß gemietet

Die Spurensuche beginnt am inzwischen verwaisten S&K-Hauptsitz in der Kennedyallee123. Ausgerechnet die neoklassizistische Villa mit einer Nutzfläche von rund 1000 Quadratmetern gehörte dem auf Immobilienkäufe spezialisierten Investoren-Duo nicht. "Das Gebäude gehört uns. Eigentlich muss man sagen, das waren Mieter, die ihren Vertrag zufriedenstellend erfüllt haben", erklärt Jörg Blaurock vom Vorstand der Pensionskasse der HoechstAG. Blaurock zufolge hätten Schäfer und Köller das Objekt vor gut drei Jahren bezogen, die Monatsmiete von 16000 Euro stets überwiesen und viele der Sanierungsarbeiten aus eigener Tasche bezahlt.

Die filmreife Verhaftung der beiden Fonds-Jongleure sei "kein rühmenswertes Ereignis" für die Pensionskasse. "Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, müssen wir abwarten, bis ein Insolvenzverwalter bestellt wird", sagt Blaurock. Der Immobilienfachmann wundert sich, dass das Geschäftsmodell der S&K nicht schon früher aufflog. "Auch wenn man immer mal etwas günstiger einkauft, sind solche Wertsprünge, dass eine Immobilie am nächsten Tag doppelt so viel wert ist, nicht zu realisieren", sagt Blaurock, der ein Immobilienportfolio im Wert von rund einer halben Milliarde Euro verwaltet und durch Vermietung pro Jahr rund vier Prozent Zinsen erwirtschaftet.

Verwundert über die Selbstinszenierung der S&K-Macher Köller und Schäfer ist auch Frank Fleschenberg, Präsident des "Eagles Charity Golf Club": "Vor Jahren habe ich die beiden bei einem Turnier kennengelernt. Das hat mir gereicht. So tritt man nicht auf, wenn man tatsächlich erfolgreich ist", sagt Fleschenberg, dessen Golf- Club seit 1993 17 Millionen Euro für hilfsbedürftige Kinder einsammelte. Seit vier Jahren richtet das Fachmagazin "Finanzwelt" den "Finanzwelt Eagles Charity Cup" aus. "Finanzwelt"-Chefin Dorothee S. überreichte mehrmals hochdotierte Schecks an die "Eagles" und nahm Köller und Schäfer mit zu den Golf-Turnieren. Vor einigen Tagen durchsuchte die Staatsanwaltschaft auch ihre Wohnung. Dorothee S. soll im Verdacht stehen, gegen Bezahlung wohlmeinende Artikel über die S&KHolding lanciert zu haben. Sie weist diese Behauptungen über ihre Anwälte zurück, ist laut des Branchenmagazins kress.de aber als Herausgeberin der "Finanzwelt" zurückgetreten. Auch als Geschäftsführerin des Verlags will sich Schöneich zurückziehen. "Wenn Frau S. da mitgemacht hat, habe ich dafür kein Verständnis. Wir können es uns als Club nicht leisten, so weiterzumachen", droht Fleschenberg mit dem Ende des Finanzwelt-Cups, falls sich der Verdacht erhärten sollte.

Trotz ihres hochriskanten AnlageModells konnten Schäfer und Köller etliche wohlmeinende Interviews in den Medien platzieren. Zudem schmückte sich das Unternehmen mit einer Analyse des TÜV Süd. "Die S&K-Gruppe hat zum Stichtag 1. Juli 2011 Immobilien mit einem Verkehrswert von 101,413 Millionen Euro im Bestand. Die Einkaufspreise dieser Immobilien betrugen 53,444 Millionen", attestierte ein TÜV-Gutachter im August 2011. Fortan warb das Unternehmen offensiv mit dem vermeintlichen TÜV-Zertifikat. "Wir haben aber nicht das Unternehmen als Ganzes zertifiziert, sondern lediglich die An- und Verkäufe bis 2011 überprüft", sagt TÜV-Sprecherin Heidi Atzler. Dass die S&K auch seine Kunden auf das vermeintliche Zertifikat hinwies, wurde mehrfach vom TÜV bemängelt. Rechtliche Schritte seien jedoch nicht eingeleitet worden.
Zur Startseite Mehr aus Special: Der S&K-Skandal

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse