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Ein letzter Konzertbesuch in der S&K-Loge

Mitte der Woche füllte sich die VIP-Loge der S&K-Gruppe in der Commerzbank-Arena wohl zum letztem Mal mit Leben: Die Familie von Jonas Köller, einem der beiden mutmaßlichen Anlagebetrüger, sah sich das Konzert von Depeche Mode an. Die Konzertkarten wurden schon vor Monaten bezahlt.
Die Köllers entfernen die S&K-Schilder aus ihrer Loge.	Foto: Kammerer Die Köllers entfernen die S&K-Schilder aus ihrer Loge. Foto: Kammerer
Frankfurt. 

In und vor der VIP-Loge 3.25 in der Commerzbank-Arena war unter der Woche mächtig Stimmung: Depeche Mode gab auf der Bühne alles und von der Loge aus schauten Freunde und Familienmitglieder des seit Februar inhaftierten Immobilienspekulanten Jonas Köller gebannt zu. Seine Mutter R. nippte am Rotwein, während Bruder L. Firmenschilder der mit der Aufschrift „S&K“ von der Wand nahm.

Jonas Köller, sein Kompagnon Stephan Schäfer und sechs weitere Mitstreiter sitzen seit einer bundesweiten Großrazzia am 19. Februar in U-Haft (wir berichteten). Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft ihnen bandenmäßigen und vorsätzlichen Betrug vor. Genauer gesagt sollen die vorgeblichen Immobilien-Mogule aus der Kennedyallee 123 arglose Anleger mit einem Schneeballsystem übers Ohr gehauen haben, um die eingeworbenen Millionenbeträge für ihren exzessiven Lebenswandel zu verwenden. Der Schaden soll sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen, Tausende Opfer warten seither auf ihr Geld.

 

350 Euro pro Konzertkarte

 

Ungeachtet dieser gravierenden Vorwürfe ist die Stimmung in der „S&K“-Loge blendend. Schon eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn labt sich das gute Dutzend Logengäste am Buffet. Da stört es auch nicht, dass die Polizei die VIP-Pässe vor geraumer Zeit beschlagnahmte, die Loge zum Ende der Fußballsaison 2012/2013 gekündigt wurde. Denn die Karten für das Depeche Mode-Konzert wurden vor mehr als einem halben Jahr gekauft - das Geld ist auch bezahlt - zum Preis von rund 350 Euro pro Karte. Patrick Meyer, Geschäftsführer der Commerzbank-Arena bestätigt auf Nachfrage, dass die Köllers rund 4000 Euro für den Konzertbesuch bezahlten.

Auf dem Logen-Verzeichnis der Arena ist die „S&K“-Loge zwar noch gelistet. Doch es dürfte wohl der vorerst letzte Familienausflug in die Welt der Frankfurter Fußball-Schickeria gewesen sein. „Die Staatsanwaltschaft hat die Konzert-Karten offensichtlich nicht gefunden, sondern lediglich die Eintracht-Tickets einkassiert“, bestätigt ein Insider. Ob sie auch zu den nächsten Konzerten, die im Stadion über die Bühne gehen, dabei sein werde, konnte Jonas Köllers Mutter denn auch nicht bestätigen. Seit der spektakulären Verhaftung Köllers war die Firmen-Loge zumindest bei den Bundesliga-Heimspielen der Eintracht verwaist.

Die neuerlichen Aktivitäten in der „S&K“-Loge sind indes nicht unbeobachtet geblieben. So schaute auch Niko Iordanov, der unter anderem mit Kunstblumen und Kristall-verzierten Wodka-Flaschen handelt, in der Loge vorbei, um einige seiner in gewissen Kreisen äußert beliebten Totenkopf-Aufkleber unters Volk zu bringen. „Ich war mit Eintracht-Präsident Peter Fischer und meiner Freundin in der Audi-Loge und habe mal vorbeigeschaut“, sagt Iordanov.

 

Weitläufige Bekanntschaft

 

Die Familie Köller kenne er zwar nur weitläufig, doch „man hört immer mal so rein“, so Iordanov. Ihm zufolge versuche die Familie derzeit, die gegen Jonas Köller und seine Komplizen im Raum stehenden Anschuldigungen zu entkräften. Wie weit die Ermittlungen gegen die Macher der „S&K“-Holding fortgeschritten sind, mag Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht sagen. Um mit den Texten von Depeche Mode zu sprechen: Hieß es für Jonas Köller bis zu seiner Verhaftung noch „Just can’t get enough“ (ich bekomme nicht genug), so dürfte sein Gefängnis-Aufenthalt nun unter dem Motto „Enjoy the silence“ (genieß die Stille) stehen.

(es,mov)
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