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Gar nicht feine Gesellschaft

Von Jahrelang versprach ein Frankfurter Immobilienhändler-Duo seinen Anlegern Traumrenditen. Die beiden Selfmade-Millionäre fielen vor allem durch einen ausschweifenden Lebenswandel auf. Nun hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit einer bundesweiten Razzia reagiert – den angerichteten Schaden beziffern die Behörden auf einen dreistelligen Millionenbetrag.
Frankfurt. 

Gestern ließ die Frankfurter Staatsanwaltschaft das S&K-Hauptquartier in der Kennedyallee 123 sowie über 100 weitere Objekte in Hessen, Hamburg und Bayern durchsuchen. Insgesamt waren rund 1200 Ermittler und 15 Staatsanwälte involviert. (Foto: Google Streetview) Bild-Zoom
Gestern ließ die Frankfurter Staatsanwaltschaft das S&K-Hauptquartier in der Kennedyallee 123 sowie über 100 weitere Objekte in Hessen, Hamburg und Bayern durchsuchen. Insgesamt waren rund 1200 Ermittler und 15 Staatsanwälte involviert. (Foto: Google Streetview)
Imposante Luxus-Karossen, großes Geld, beeindruckende Immobilien und ausschweifende Partys: Bis zum Sommer 2012 sah es so aus, als hätten Jonas Köller (31) und sein Kompagnon Stephan Schäfer (33) eine bombensichere Geschäftsidee, die einer Gelddruckmaschine gleicht, marktgängig gemacht: Als die beiden späteren Geschäftsführer der S&K-Holding mit Hauptsitz an der Sachsenhäuser Kennedyallee 123 während einer Zwangsversteigerung eine Wohnung ergatterten, kam ihnen die Idee, künftig Häuser zu ersteigern, diese in Reihenhäuser umzuwandeln und weit über dem Einkaufspreis weiterzuverkaufen.

Gesagt, getan: 2000 gründeten die beiden angeblichen Finanzgenies die Deutsche S&K Sachwert AG und arbeiteten zunächst im Auftrag eines Investors, ab 2007 dann für sich allein. Als Köller und Schäfer 2010 von einem Hamburger Emissionshaus einen Kredit in Höhe von 15 Millionen Euro erhielten, legten sie richtig los und begannen, quer durch die Republik bei Zwangsversteigerungen mitzubieten.

Fonds mit Traumrendite

Doch damit nicht genug. Damit noch mehr Geld für den Kauf von Autos und Immobilien zur Verfügung steht, brachte das Unternehmer-Duo 2008 den Fonds "S&K Investment GmbH & Co. KG" an den Start. Anleger konnten dem Fonds mit einer Laufzeit von fünf Jahren ab einer Summe von 10 000 Euro beitreten. Im Gegenzug wurden Traumrenditen von bis zu 12 Prozent pro Jahr versprochen.

2012 folgte ein zweiter Fonds mit einer Laufzeit bis 2016. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt vermutet, dass das eingeworbene Neu-Kapital dazu genutzt wurde, ein "umfassendes Schneeballsystem" aufzubauen und die im Portfolio genannten Immobilien mit teils deutlich überhöhten Verkehrswerten angegeben wurden. Um die Eigenkapitaldecke weiter zu erhöhen, kaufte man zeitweise auch Lebensversicherungen von in Finanznot geratenen Privatpersonen auf. Wofür die Gelder wirklich verwendet wurden, ist nach wie vor unklar. Denn die S&K Holding ist Herrin über rund drei Dutzend weitere Firmen, zwischen denen die Gelder munter hin und hergeschoben werden konnten.

Erste Risse in der Fassade

Problematisch wurde es erstmals, als sich das Unternehmen 2012 von Vertriebschef Petro D. und Chefbuchhalterin Diana S. (angeblich wegen einer Affäre) trennte. Seitdem existieren im Internet zahlreiche Foren mit brisanten Informationen und Bildern, die das zwielichtige Geschäftssystem der S&K Holding entlarven sollen. Wenig später wurde der üppige Fuhrpark, bestehend aus Bentleys und Lamborghinis zugunsten weniger auffälliger Fabrikate einer schwäbischen Rennwagenschmiede eingedampft. Auch veröffentlichte das Unternehmen auf seiner Website Artikel über Spenden an afrikanische Hilfseinrichtungen.

Kurze Zeit nach Veröffentlichung der "persönlichen Schnappschüsse" und weiterer Unternehmens-Interna ließ die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg am 5. Juni 2012 das Anwesen in der Kennedyallee durchsuchen. Die offizielle Begründung: Jonas Köller soll unter dubiosen Umständen einen Doktortitel erworben haben.

Gestern ließ die Frankfurter Staatsanwaltschaft bundesweit 130 Objekte untersuchen, um dem Unternehmen, das sich zwischenzeitlich damit brüstete, über einen Immobilienpool von 1,7 Milliarden Euro zu verfügen, auf die Schliche zu kommen. Neben Köller und Schäfer wird gegen 48 weitere Personen ermittelt. "Wir haben den Verdacht, dass man Anleger geworben hat, andere im Schneeballsystem vorab befriedigt wurden und die Gelder privat abgezweigt oder in neue Firmen gesteckt wurden, ohne mit den Anlegern gesprochen zu haben", sagt Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Zudem hätten einige der Personen, die der S&K ihre Lebensversicherung verkauft haben, den Verdacht geäußert, "übers Ohr gehauen worden zu sein", so Möller-Scheu.

Die Dimension dieses Betrugs wird an der Anzahl der gestern eingesetzten Beamten ersichtlich: 1200 Ermittler und 15 Staatsanwälte rückten aus.
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