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Im Netz der Immobilienmafia

Von Je länger die Recherche der Staatsanwaltschaft im Umfeld der mutmaßlichen Anlagebetrüger der S&KHolding andauert, umso mehr brisante Details gelangen ans Tageslicht. Offenbar setzte man bewusst auf Nähe zu Prominenten und überzog Kritiker mit Drohungen und Gerichtsverfahren.
Frankfurt. 

Kaiser Franz Beckenbauer in Gesellschaft von S&K-Geschäftsführer Jonas Köller. Dieses Foto entstand während des "3. Finanzwelt Eagles CharityGolfCup2011" in Baden-Baden. Die S&KHolding warb auf ihrer Internetseite dafür, das Charity-Golfturnier als Sponsor unterstützt zu haben. Bild-Zoom
Kaiser Franz Beckenbauer in Gesellschaft von S&K-Geschäftsführer Jonas Köller. Dieses Foto entstand während des "3. Finanzwelt Eagles CharityGolfCup2011" in Baden-Baden. Die S&KHolding warb auf ihrer Internetseite dafür, das Charity-Golfturnier als Sponsor unterstützt zu haben.
Sachen gibt‘s, die gibt‘s nicht, möchte man meinen: Etwa, dass zwei Mittdreißiger wie aus dem Nichts mit dem Geld argloser Anleger ein gigantisches Immobilien-Imperium errichten, nur um sich auf unvorstellbar obszöne Art am steten Kapitalstrom immer neuer Investoren zu bereichern. Während Jonas Köller und sein Kompagnon Stephan Schäfer, die Gründer und Chefs der unlängst in Verruf geratenen S&KHolding, ihr auf fragwürdige Weise "erarbeitetes" Vermögen in Sportwagen, leichtbekleidete Frauen, Treffen mit Prominenten wie Franz Beckenbauer oder Paris Hilton investierten, hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft die mutmaßlichen Multi-Millionen-Euro-Hochstapler bereits seit Mitte 2012 im Visier.

Am Dienstag, 19. Februar, schlugen die Gesetzeshüter dann zu: 1200Beamte durchsuchten bundesweit 130 Objekte, beschlagnahmten Immobilien, Autos, Bargeld und Schmuck im Wert von über 100 Millionen Euro (wir berichteten). Seitdem sitzen Schäfer und Köller wegen des Verdachts auf Errichtung eines kriminellen Schneeballsystems sowie des dringenden Verdachts auf Flucht- und Verdunkelungsgefahr im Gefängnis. Auch gegen ihre Gefolgsleute, zu denen auch Anwälte und Architekten zählen, wird ermittelt. Selbst der wegen Betrugs verurteilte Ex-Baulöwe Jürgen Schneider gestand, S&K-Chef Schäfer zeitweise beraten zu haben.

Fühlten sie sich zu sicher?

Doch weshalb setzten sich Schäfer und Köller nicht sofort ins Ausland ab, nachdem die Wirtschaftswoche am 28. Januar umfangreich über ihren schillernden Lebensstil und die dazu führenden Machenschaften berichtete? Die einzig mögliche Antwort: Offenbar fühlte sich das Duo schlichtweg zu sicher. Denn bereits seit Mitte 2012 kursieren im Internet zahlreiche diskreditierende Insider-Informationen, die wohl von geschassten Mitarbeitern stammen.

Es dauerte nicht lange, bis das Online-Rechercheportal "Goldman Morgenstern & Partners" (kurz Gomopa) die kursierenden Informationen aufgriff und zu eigenen Artikeln verdichtete. So schrieb Gomopa im Artikel "S&K: Protz auf Pump und den Staatsanwalt im Nacken?", am 31. Juli 2012: "Am 29. August 2011 ließ sich S&K als Hauptsponsor des Finanzwelt Eagles Charity Golf Cup in Baden-Baden feiern. Stephan Schäfer durfte auf ein Foto mit Fußball-Ikone Franz Beckenbauer. Entertainer Ross Antony schwärmte mehr vom Vorprogramm: einem Ferrari-Sicherheitsfahrtraining."

Weitere brisante Veröffentlichungen folgten von nun an beinahe täglich. Es dauerte nicht lange, bis die S&K-Chefs den unliebsamen Rechercheuren nachstellten. "Im Übrigen darf ich Ihnen mitteilen, dass wir wegen unserer Berichterstattung mit insgesamt 36 Zivilverfahren überzogen wurden und es aus diesem Grunde zu einem Gespräch mit der S&K" kam, schrieb Gomopa-Chef Klaus Maurischat am 19. Oktober in einer E-Mail an einen FNP-Mitarbeiter. Wenige Wochen zuvor wurde Maurischat auf offener Straße von drei Unbekannten zusammengeschlagen und erlitt dabei schwere Gesichtsfrakturen. Daraufhin riss die Gomopa-Berichterstattung zu S&K bis vor wenigen Tagen ab.

Geld für Artikel bezahlt?

Am 21. Februar meldete sich Gomopa zurück und berichtete, wie sich Stephan Schäfer im persönlichen Gespräch mit dem Gomopa-Chef am 13. September 2012 damit brüstete, dass bislang keiner die Website-Angriffe von S&K überlebt habe. "Schäfer war bereit, an Gomopa zwei Millionen Euro zu zahlen, wenn er dafür im Gegenzug den Geschäftsführerposten des Nachrichtendienstes einnehmen dürfe", schreibt der Online-Nachrichtendienst. Und weiter: "Das Fachmagazin Finanzwelt und Finanzwelt.tv aus Wiesbaden dagegen erlag offensichtlich dem Charme des Geldes und ließen sich von Schäfer & Co. einnehmen. Auch hier wurden die Räume von Herausgeberin Dorothee S. durchsucht."

Laut Gomopa und anderen Quellen soll die Finanzwelt-Herausgeberin ein monatliches "Beraterhonorar" in Höhe von 6000 Euro von S&K erhalten haben, um im Gegenzug gefällige Artikel über das Unternehmen zu veröffentlichen. Tatsächlich fanden sich seit geraumer Zeit etliche Websites im Internet, die gezielt jene unliebsamen Informationen über die halbseidenen Geschäfte von S&K als unseriös verunglimpften. "Witzig" war auch die "Rohbau-Website"  http://xn--jonaskller-jcb.net  anzusehen, die erst vor einigen Tagen abstellt wurde. Hierauf wurden Artikel wie "VW-Konzern fährt weiter auf Erfolgskurs" oder Meldungen wie jene, laut denen die S&K "unter dem Vorstand von Stephan Schäfer, Jonas Köller und Daniel F. zurzeit die wohl gefragteste und erfolgreichste Unternehmensgruppe der ganzen Welt" sei, hochgeladen.

Mit der Online-Zeitmaschine http://www.archive.org lassen sich frühere Versionen der inzwischen vom Netz genommenen Website wiederherstellen. Es drängt sich förmlich der Verdacht auf, dass die S&K-Macher noch weitaus größere Expansionspläne hatten.
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