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Kommentar: Mehr Vorsicht!

Von Es ist immer wieder erschreckend, mit welcher Leichtgläubigkeit Investoren ihr Geld Anbietern am "grauen Kapitalmarkt" anvertrauen – wenn nur hohe Renditen locken.
Thomas Baumgartner Bild-Zoom Foto: fnp
Thomas Baumgartner
Jährliche Schäden in – laut Bundeskriminalamt zweistelliger – Milliardenhöhe schrecken offenbar nicht ab. Natürlich ist es im aktuellen Zinsumfeld fast unmöglich, ohne Risiko und nach Steuern wenigstens den Kapitalerhalt sicherzustellen. Und vor Aktien schrecken viele Anleger nach schlechten Erfahrungen am Neuen Markt oder mit der T-Aktie weiter zurück. Doch umso lauter sollten die Alarmglocken schrillen, wenn im Internet oder am Telefon Renditen von acht Prozent oder mehr auf vermeintlich sichere Geldanlagen versprochen werden.

Besonders den aktuellen Trend zu Sachwerten versuchen Firmen mit zwar nicht illegalen, aber unregulierten und nicht von der Finanzaufsicht kontrollierten Anlageprodukten auszunutzen. Da werden Investitionen in Gold, Immobilien, Solaranlagen oder Windparks angepriesen. Häufig sollen auch Steuervorteile locken – worauf keineswegs nur betrügerische Fondsanbieter abzielen. Doch egal, ob "Bauherren-Modell", "Sonderabschreibungen" in den neuen Bundesländern oder zuletzt die günstige "Tonnage-Steuer" bei Schiffsfonds – praktisch immer haben die Investoren später schmerzhafte Verluste erlitten. Der Steuerspartrieb sei in Deutschland stärker ausgeprägt als der Fortpflanzungstrieb, spotten Beobachter.

Ein Beispiel für (gelinde gesagt) umstrittene Firmen: der Genussrechte-Anbieter Prokon aus Itzehoe. Obwohl die Stiftung Warentest vor dessen "windiger Werbung" warnt und die Wirtschaftswoche rät "Stopp – bloß nicht investieren", trommelt das Unternehmen – das im Verdacht steht, Anleger mit Scheingewinnen zu bedienen – munter weiter um neue Kunden. Andere Beispiele aus der "Wirtschaftswoche" sind neben der nun ins Visier der Ermittler geratenen S&K dubiose Anbieter von Beteiligungen an Blockheizkraftwerken oder Raffinerien. Tatsächlich erwerben die Anleger meist keine Sachwerte, sondern geben ihr Geld für Provisionen aus und für Kredite, deren Rückzahlung sehr ungewiss scheint.

"Die Leute sind nicht blöd, sie werden verführt", meint zwar eine Expertin der Verbraucherzentralen. Doch so hart die Aussage ist: Wer in Zeiten, in denen allgemein mehr Regulierung der Finanzmärkte gefordert wird, freiwillig in den unregulierten Graumarkt ausweicht, dem ist nicht zu helfen.
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