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Operation Schneeball

Von Sie versprachen ihren Anlegern Traumrenditen und waren in der Szene bekannt für ihren luxuriösen Lebensstil. Nun hat die Staatsanwaltschaft die S&K-Chefs Jonas Köller und Stephan Schäfer wegen des dringenden Verdachts auf Anlagebetrug festgenommen. Doch wie funktionierte das Schneeball-System, bei dem mindestens 100 Millionen Euro verbrannt wurden?
Frankfurt.  Traumrenditen von jährlich 12 Prozent durch sichere Anlagen in Immobilien. Das versprach die S&K Holding jenen Anlegern, die einem der geschlossenen Fonds beitraten, die das Unternehmen offerierte. Immer eifriger akquirierten die Angestellten der S&K-Chefs Stephan Schäfer und Jonas Köller auf diese Weise frisches Kapital. Es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag. Auch IHK-zertifizierte Finanzberater sollen die S&K-Fonds auf Provisionsbasis an den Mann gebracht haben.

Immer mehr Anleger

Doch statt das Geld sicher und nachhaltig zu investieren, sollen die S&K-Macher mit Hilfe ihrer Mitstreiter ein komplexes Schneeballsystem aufgebaut haben, um sich letztlich selbst daran zu bereichern. Anders formuliert: "Es wurden immer neue Anleger geworben, um andere zu befriedigen. Weniger wahrscheinlich ist, dass die erforderten Gewinne tatsächlich erwirtschaftet wurden", sagt Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Tatsächlich erwarben die S&K Holding und deren unzähligen Tochterfirmen eine unüberschaubare Vielzahl an Immobilien. Gerne schlug man bei Zwangsversteigerungen zu und kaufte gleich ganze Immobilien-Pakete. Doch die von Stephan Schäfer in diversen Interviews versprochene exakte Werthaltigkeitsprüfung dürfte in vielen Fällen nicht ganz so gründlich wie versprochen ausgefallen sein. So ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem auch gegen einige Juristen und Gutachter, die im Verdacht stehen, dem Unternehmen mit Gefälligkeitsgutachten unter die Arme gegriffen und Schrott-Immobilien auf dem Papier zu Betongold umdeklariert zu haben. Neben der Frankfurter Gerbermühle kaufte die S&K auch Spitzenimmobilien wie eine Villa aus dem Besitz von Playboy Gunter Sachs oder ein stattliches Anwesen auf Mallorca – vorgeblich zu Schulungs- und Repräsentationszwecken.

Ladenzentrum liegt brach

Dumm nur, dass sich manch Immobilien-Erwerb eher als solide Fehlinvestitionen erwies. Etwa das Rödermarker Breidert City Center. Das Ladenzentrum wird laut S&K mit einem Verkehrswert von 6,34 Millionen Euro beziffert. Angesichts einer Leerstandsquote von 50 Prozent eine recht optimistische Kalkulation, sagen Fachleute.

"Ich kann mich gut an die Eröffnungszeremonie erinnern. Das war alles etwas komisch und hatte den Anschein unterentwickelter Professionalität", sagt Rödermarks Bürgermeister Roland Kern (Grüne), der hofft, dass das Ladenzentrum im Falle einer Zwangsversteigerung des beschlagnahmten S&K-Portfolios in seriösere Hände wechselt.

Indes bemühen sich bereits die ersten Opfer der vermeintlichen Betrüger um juristischen Beistand. Wie Ralf Plück von der Wiesbadener Kanzlei Doerr und Partner bestätigt, meldeten sich bei ihm am Mittwoch einige geprellte Anleger, darunter einer, der 45 000 Euro in S&K-Fonds investierte. Das juristische Vorgehen sei allerdings noch äußerst unklar, so lange die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft andauern. Plück: "Wenn es auf einen Prospektbetrug herausläuft, gibt es eine Sammelklage. Wenn es um vorsätzlichen Betrug geht, nicht."

Demnach drohen den S&K-Vorständen Schäfer und Köller direkte Schadensersatzforderungen, wenn sich der Verdacht eines betrügerischen Schneeballsystems erhärtet. Bis das wahre Ausmaß des entstandenen Schadens ermittelt ist, könne es laut Oberstaatsanwältin Möller-Scheu noch "Wochen, wenn nicht gar Monate" dauern.
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