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S&K-Skandal weitet sich aus

Von Während die Chefs des mutmaßlichen Anlagebetrüger-Rings in U-Haft sitzen, sucht die Staatsanwaltschaft nach weiteren Mittätern. Auch der S&K-Hausanwalt wurde festgenommen. Nun trat die "Finanzwelt"-Herausgeberin wegen der Ermittlungen gegen sie vorerst von ihrem Posten zurück.
Frankfurt. 
Die S&K-Chefs Jonas Köller und Stephan Schäfer zelebrierten ein Leben auf großem Fuße. Dazu gehörten freilich auch Geschäftsreisen mit dem Charterflugzeug. Bild-Zoom
Die S&K-Chefs Jonas Köller und Stephan Schäfer zelebrierten ein Leben auf großem Fuße. Dazu gehörten freilich auch Geschäftsreisen mit dem Charterflugzeug.
Fast jeder, der enger mit Stephan Schäfer und Jonas Köller, den Gründern und Chefs der S&KHolding zusammenarbeitete, ist ins Visier der Frankfurter Staatsanwaltschaft geraten. Neben Gutachtern, Juristen und Fonds-Managern sitzt inzwischen auch S&K-Hausanwalt P. hinter Gittern und benötigt nun selbst juristischen Beistand.

Ebenfalls ins Visier der Fahnder geriet Dorothee S., bis vorgestern Herausgeberin des Wiesbadener Wirtschaftsmagazins "Finanzwelt". Die Staatsanwaltschaft wirft S. vor, auf der S&K-Gehaltsliste gestanden und im Gegenzug wohlmeinende Artikel in ihrem Magazin lanciert zu haben. Per Anwalt bestreitet S. die Vorwürfe vehement.

Herausgeberin tritt zurück

Doch: "Im Interesse des Vertrauens in das Magazin tritt unsere Mandantin mit sofortiger Wirkung bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe als Herausgeberin zurück", lässt die Hamburger Kanzlei der Ex-"Finanzwelt"-Herausgeberin nun verlauten.

Indes meldet sich ein weiterer S&K-Weggefährte zu Wort, der ab 2000 einige Jahre als "Finanzwelt"-Chefredakteur tätig war. Die Rede ist vom PR-Berater Michael Oehme. "Wenn S. als Journalistin einen Beratervertrag mit S&K unterzeichnet hat, würde ich sagen, dass sie als Journalistin unbedacht gehandelt hat", sagt dieser.

Oehms eigenes Engagement bei S&K habe von 2010 bis Mitte 2012 angedauert: "Das exzessiv zelebrierte Luxusleben von Schäfer und Köller war ein Störfaktor für mich. Ich habe das zwar mehrfach angesprochen, man zeigte sich jedoch beratungsresistent", so Oehme. Aus diesem Grund habe er die Zusammenarbeit mit S&K ab Mitte 2012 einschlafen lassen .

Doch wer ist dieser Michael Oehme eigentlich? Der PR-Stratege ist als wahre Allzweckwaffe in der Branche bekannt. Bereits den in einem spektakulären Konkurs befindlichen Dubai Fonds der ACIAlternative Capital Invest aus Gütersloh half der freiberufliche Kommunikationsstratege zu vermarkten. Dort sei er aber "ein Jahr, bevor die Probleme anfingen", ausgestiegen. Das Hamburger Emissionshaus United Investors, dessen Chefs ebenso wie Schäfer und Köller inhaftiert sind, beriet Oehme bis zuletzt.

Damit nicht genug: Auch die Super-Pleite des Billig-Energielieferanten Teldafax begleitete Michael Oehme als Sprecher von Debi-Select aus nächster Nähe. "Mit Teldafax habe ich nichts am Hut. Bei Debi-Select waren wir letztlich alle überrascht. Wir sind aber auf einem guten Weg: Es sieht danach aus, dass die Anleger ihr über die Debi-Select-Fonds in Teldafax geflossenes Kapital zurückerlangen", so Oehme.

Gewaltiger Image-Schaden

Doch zurück zur S&KHolding: Im Internet finden sich zahlreiche Artikel und Interviews, in denen Stephan Schäfer das von ihm erdachte Geschäftssystem, den von Anlegern finanzierten An- und Verlauf von Immobilien, als sichere und ertragreiche Geschäftsidee preist. Michael Oehme, der ausdrücklich nicht im Visier der Staatsanwaltschaft steht, hat folgende Beobachtung gemacht: "Ich befürchte aus heutiger Sicht, dass es Schäfer und Köller immer mehr um die Finanzierung ihres exzessiven Lebenswandels und nicht um die sichere Rendite ihrer Anleger ging."

Auch fürchtet der PR-Stratege, unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen gegen die S&K-Macher, einen "unbezahlbaren Vertrauensschaden für die ganze Branche". Die immer wieder in Aussicht gestellten zwölf Prozent Zinsen seien im spekulativen Immobilienhandel zwar tatsächlich zu erzielen. "Geschlossene Fonds bieten die Chance auf attraktive Gewinne, dem stehen immer Risiken entgegen", so Oehme. Gleichwohl sei er trotz des offensiv zur Schau gestellten Luxuslebens seiner Kunden Schäfer und Köller bis Mitte 2012 nicht misstrauisch geworden. Er habe nie an einer Party der beiden teilgenommen und habe den TÜV-Zertifikaten Glauben geschenkt. "Als ich eine Leistungsbilanz einforderte, wurde diese trotz mehrmaliger Aufforderung nicht erstellt. Auch weitere belastbare Unterlagen habe ich nicht erhalten", moniert Oehme jetzt. Bezahlt habe man ihn, wie in der Branche üblich, per Umsatzbeteiligung. Da komme im Erfolgsfall schon etwas zusammen.
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