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Vom Luxusleben in den Knast

Von Nachdem die Staatsanwaltschaft das Multi-Millionen-Euro-Schneeballsystem von Stephan Schäfer und Jonas Köller knackte, macht sich in deren Umfeld Verwunderung breit. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem der umfangreichsten Fälle der zurückliegenden Jahrzehnte.
Frankfurt.  Noch vor wenigen Tagen saßen die mutmaßlichen Anlagebetrüger Jonas Köller und Stephan Schäfer hinter dem Steuer ihrer sündhaft teuren Luxuswagen oder hinter den Schreibtischen ihrer extravaganten und nicht minder gewöhnungsbedürftig eingerichteten Villen. Von diamantenbesetzten Hunde-Fressnäpfen und Geld-Bädern im Stil von Dagobert Duck ist die Rede. Von nun an müssen die Chefs der S&KHolding auf diese Annehmlichkeiten verzichten und bis auf weiteres mit einer engen Zelle in der Preungesheimer Justizvollzugsanstalt vorlieb nehmen.

"Ich habe solch ein Verfahren in meiner 15-jährigen Karriere noch nicht erlebt. Auch Organe der Rechtspflege sind involviert. Die Ermittlungen laufen bereits seit Mitte 2012", sagt Andreas Hohmann, Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Auch wenn die Auswertung der bei der bundesweiten Großrazzia beschlagnahmten Dokumente noch Monate dauern könne, sei aufgrund der "sehr langen und gewissenhaften" Vorarbeit der Fahnder bereits jetzt davon auszugehen, dass sich der dringende Verdacht auf den mutwilligen Aufbau eines betrügerischen Schneeballsystems erhärten werde, so der Oberstaatsanwalt.

Dicke Autos, große Häuser

Jonas Köller (31), einer der beiden Hauptverdächtigen, wuchs im bayerischen Großheubach auf. Bis zu seiner Festnahme sei er dort regelmäßig gesichtet worden. Auch sein Bruder L. sowie deren Eltern hätten von den Geschäften des umtriebigen Finanzjongleurs profitiert, heißt es immer wieder. "Ich lebe seit 25 Jahren in Deutschland und habe nie von solch einer Aktion mit 1200 Polizisten gehört. Ich muss 70 Jahre lang arbeiten, um eine Million Euro zu verdienen", sagt ein Nachbar der Familie Köller. Die Eltern des mutmaßlichen Anlagebetrügers seien vor einigen Monaten in eine stattliche Villa in Klingenberg umgezogen. Seitdem sei der Kontakt abgerissen.

"Wir sind erschüttert. Jonas war ein Junge aus sehr gutem Elternhaus", äußert sich Großheubachs Bürgermeister Günther Oettinger (CSU) überrascht über die medienwirksame Festnahme des nun wohl endgültig berühmtesten Sohnes der Stadt. "Wir haben zwar ab und zu die Autos gesehen. Aber die wenigsten von uns beschäftigen sich mit Immobilienfonds", so Oettinger.

Dem Bürgermeister zufolge komme das Thema Köller im Ort derzeit "überall zur Sprache, allein schon wegen des enormen Einsatzes der Staatsanwaltschaft". Am Tag nach Köllers spektakulärer Festnahme sei die "Bild"-Zeitung im ganzen Ort ausverkauft gewesen, sagt eine Großheubacher Bäckersfrau. Nun heiße es aber erst einmal abwarten, ob sich der schwerwiegende Verdacht der Staatsanwaltschaft auf Untreue im dreistelligen Millionenbereich tatsächlich erhärte.

Weiterhin ungeklärt ist auch, auf welchem Weg Jonas Köller zu seinem Doktortitel gelangte, mit dem er sich lange Zeit schmückte. Wegbegleiter Köllers sagen jedoch hinter vorgehaltener Hand, er habe diesen "am Freitag bestellt und am Montag erhalten". Darauf deutet auch eine erste Hausdurchsuchung der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg im Sommer 2012 hin. Unklar ist auch, ob Köller jemals an einer Universität eingeschrieben war. Sein schulischer Werdegang liest sich jedoch nicht schlecht: So soll Köller 2002 als Jahrgangsbester das Fachabitur in Obernburg absolviert haben. Ein Jahr zuvor habe er bereits sein Talent für Geldspekulationen unter Beweis gestellt: Beim Planspiel Börse der Sparkasse Miltenberg-Obernburg belegte er den ersten Platz auf Landkreisebene.

Ebenso lückenhaft wie die Informationen zum weiteren Werdegang von Köller und seinem Kompagnon Schäfer ist bisher auch die Informationslage zu den tatsächlichen Besitzverhältnissen der S&KHolding. Zwar stellte die Staatsanwaltschaft Immobilien und Wertgegenstände im Wert von 105Millionen Euro sowie 2,5 Millionen Euro Bargeld sicher. Doch ähnlich wie beim Verfahren gegen den PhoenixKapitaldienst vor rund sieben Jahren rechnet Oberstaatsanwalt Andreas Hohmann damit, dass die vollständige Durchleuchtung des Unternehmens einige Jahre dauern könne. Gestern wurde außerdem bekannt, dass der wegen Betrugs verurteilte Baulöwe Jürgen Schneider S&K-Chef Stephan Schäfer in Immobilienfragen beriet. Wie Schneider laut Spiegel-Online berichtet, habe er Schäfer vor fünf Jahren kennengelernt und diesen seither regelmäßig getroffen. Während über das wahre Schadensausmaß nur gemutmaßt werden kann, haben sich bereits Hunderte Opfer des Unternehmens gemeldet.

800 Opfer meldeten sich

Rund 800 Betroffene riefen seit Mittwoch bei der von der Polizei geschalteten Opfer-Hotline 75557555 an. Die Nummer wird heute abgeschaltet. Danach kann man sich aber immer noch bei der Polizei melden.
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