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Sportabzeichen damals und heute

Von Als Herausforderung für Hobbysportler gibt es seit 100 Jahren das Deutsche Sportabzeichen. Im Jubel-Jahr wurden die Voraussetzungen für die Fitness-Medaillen neu aufgestellt.
Vivian (links) und Juliette Arnold beim Seilspringen. Heinz Kockrick und Christa Heise schauen zu und bewundern die Leistung der Mädchen. Foto: Dieter Deul Vivian (links) und Juliette Arnold beim Seilspringen. Heinz Kockrick und Christa Heise schauen zu und bewundern die Leistung der Mädchen. Foto: Dieter Deul
Bad Vilbel. 

„Du hast nur noch 30 Meter zu laufen“, erklärt Prüfer Gerhard Finger seinem Vereinskameraden Heinz Kockrick. Der 79-Jährige hat schon 20 Jahre lang hintereinander das Sportabzeichen abgelegt, aber jetzt hat er eigentlich keine Lust mehr. „Mir ist das jetzt zu kompliziert“, sagt er - und erntet gleich Widerspruch von Finger: „Das Komplizierte ist doch für uns das Abnehmen!“ Und er wirbt weiter: „Du musst 25 Meter schwimmen!“. Als Vivian (10) und Juliette Arnold (8) das hören, müssen sie unweigerlich kichern. Nur 25 Meter! Dafür gibt es in Kockricks Altersgruppe schon mit 66 Sekunden eine Bronze-Note.

Prüfer Gerhard Finger mit den neuen Vorgaben für die Disziplinen. Bild-Zoom
Prüfer Gerhard Finger mit den neuen Vorgaben für die Disziplinen.
Bronze - das ist für die Senioren schon eine gravierende Neuerung. Als Kockrick anfing, konnte er vom Alter her gleich mit der Gold-Medaille starten. Und alle fünf Jahre seien die Anforderungen, dem Alter entsprechend, reduziert worden. Den Fünf-Jahres-Rhythmus gibt es auch heute noch, doch jetzt, so Finger, wird bei der Wiederholung der Prüfungen stets von Neuem gewertet - und nur die Leistung entscheidet, ob es Gold, Silber oder Bronze wird. Christa Heise (76) erinnert sich an ihre Anfänge mit dem Abzeichen. Weil sie Gymnastiklehrerin werden wollte, konnte sie die Auszeichnung schon in der Ausbildung brauchen. Noch immer leitet sie beim TV Gymnastikkurse. Das Sportabzeichen sei nicht mit Höchstleistungen gleichzusetzen, sagt sie: „Im Sportunterricht entspricht das der Note 3.“

Im Gegensatz zu früher sei das System aber flexibler geworden, findet Finger: „Man kann sich mehr zusammensuchen“. Es gibt vier Kategorien: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Aus den vier Gruppen können über 20 Disziplinen gewählt werden - seit diesem Jahr auch das Seilspringen. Auf jeden Fall muss man schwimmen können. Das wird aber nicht, wie früher, mit abgeprüft, es genügen ein Leistungsabzeichen oder auch 15 Minuten Dauerschwimmen.

 

Spaß an Bewegung

 

Was auf keinen Fall fehlen darf, ist der Spaß am Sport, betonen die Senioren und die Frischlinge unisono. „Ein Freund hat mich 1993 überredet“, erinnert sich Kockrick. Seitdem macht er die Prüfungen, ist seit 1975 auch Mitglied im TV. Ob es auch schwere Übungen gebe? „Ich hab’s einfach probiert“, entgegnet Kockrick. Und man muss ja auch nicht alles machen, wie das Seilspringen mit dem Doppeldurchsprung: zwei Sprünge auf einen Seilschlag,

Juliette findet das gut. Jetzt, mit acht, macht sie erstmals bei der Sportabzeichenprüfung mit, „weil mir Sport Spaß macht“. Leichtathletik ist das, was sie im Verein trainiert. Die anderen Prüfungsdisziplinen schrecken sie nicht: „Ich kann alles ein bisschen gut“, meint sie. Ab diesem Jahr dürfen aber auch schon Sechsjährige starten. Ihre Schwester Juliette hat schon zwei Silber-Auszeichnungen. „Das ist nicht so schwer“, meint sie auch. Sie kam über ihre Mutter Jeanette Rennekampf-Arnold zum Sport.

 

Nicht genau gemessen

 

Früher, erinnert sich Finger, konnten die Kinder auch Leistungen bei Sportfesten von Vereinen anrechnen lassen, „jetzt nur noch die Bundesjugendspiele - aber da wird nicht so genau gemessen“, meint er kritisch. Die Umstellung beim Abzeichen hat ihm bereits viel Aufwand bereitet, alles musste neu gelernt werden. Mit der Abnahme des Sportabzeichens hat er beim TV 1996 angefangen, zuvor nahm der frühere Lehrer Walter Heil die Prüfungen ab. Damals, 1996, hieß es noch „Mach mit - bleib fit“. 98 bis 140 Teilnehmer machten anfangs mit. Im Jahr 2012 haben beim TV Bad Vilbel und dem TV Massenheim 25 Schüler und Jugendliche (17 Mädchen, acht Jungen) sowie 51 Erwachsene (14 Frauen, 37 Männer) das Sportabzeichen erworben.

Extra: Hier kann man die Prüfungen ablegen

Das Sportabzeichen können auch jene ablegen, die nicht Mitglied in einem Sportverein sind. Es gibt zwei Anlaufstellen.

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