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Auge in Auge mit dem Messeturm

Ein alter Hörsaal im Gebäude des physikalischen Vereins der Universität Frankfurt: Ihre Reporterblöcke gezückt, bereit, den Experten über die Weiten des Alls zu befragen, so erschien die Klasse 4b der Friedrich- Ebert-Schule beim Besuch der Volkssternwarte Frankfurt.
Frankfurt. 

«Puh, war das anstrengend!», bemerkt Moritz (9), als er endlich die Plattform im Gebälk der Volkssternwarte erklommen hat. Viele Treppenstufen führen hinauf zur alten Holzkuppel. Mit lautem Knarren öffnet sich langsam die Dachluke, und der Himmel über Frankfurt wird sichtbar. Plötzlich bewegt sich die Kuppel, dreht sich in Richtung Südost und kommt dann zum Stillstand. «Schönes Wetter ist nötig, vielleicht haben wir nach diesem Regentag Glück und erwischen eine Wolkenlücke!», hat Volker Heinrich (48), der Hobbyastronom, noch vor einer Viertelstunde gemeint.

Seit 1835 gibt es in Frankfurt schon eine Sternwarte. Die erste entstand in der Kuppel der Paulskirche und diente dazu, alle Turmuhren der Stadt täglich um 12 Uhr auf ein Signal hin wieder richtig zu stellen. Die Volkssternwarte wurde 1907 in Frankfurt auf 9000 Quadratmeter direkt neben dem heutigen Senckenbergmuseum zu Forschungszwecken erbaut. «Heute forschen wir aber nicht mehr, dazu ist der Platz inmitten der Großstadt zu schlecht», erklärt Volker Heinrich und erläutert, dass die vielen Stadtlichter und die Schatten der großen Gebäude die Sicht zu sehr beeinflussen. Dann endlich beginnt er, das riesige Teleskop und die Beobachtertreppe auszurichten. «Jetzt stehen wir Auge in Auge mit dem Messeturm!», stellt Tom währenddessen fest.

Der erste Mensch, der durch ein Teleskop den Sternenhimmel betrachtete, war Galileo Galilei. Heute hat man bereits viele hundert Millionen Sterne erblickt. «Das größte Teleskop mit 21 Meter Länge ist das Linsenfernrohr der Lick-Sternwarte in den USA, ein anderes großes steht auf der Insel La Palma», berichtet Heinrich. «Unseres hier ist nur 3 Meter lang, hat aber eine Linse mit einem Durchmesser von 21 Zentimetern. Das spricht für die Qualität unseres Teleskops», fügt er stolz hinzu.

Und dann ist es soweit: Durch das Teleskop darf jeder in den Nachthimmel schauen. Der Jupiter taucht vor der Linse auf. Links neben ihm sind seine vier hellsten Monde deutlich zu erkennen. «Der dunkle Streifen über dem Planeten sind Wolkenzonen, die heute besonders toll zu sehen sind!», freut sich der Astronom.

Keine Heizung

Und wieder ein Knarren. Von Hand dreht Qais (10) auf Anweisung die Kuppel weiter in Richtung Westen, weil der Jupiter gewandert ist. Bitterkalt ist es auf der Plattform, denn die Sternwarte darf nicht geheizt werden. «Weil warmes Licht einen anderen Brechungsindex hat und man sonst nichts sehen könnte. Das kann man mit dem Flimmern auf einer Straße im Sommer vergleichen», erklärt Heinrich noch. Dann stellt er das Teleskop wieder gerade und dreht die Kuppel in Richtung Osten, «denn das schlechte Wetter kommt in Frankfurt meist von Westen her, und es soll ja kein Wasser durch das Dach eindringen». Ein letztes Knarren, und langsam rollt die Treppe in ihre Ausgangsposition zurück.

Benedikt Slusny, Moritz Sadtler, Robert Koegel, Tom Kettner, Sara Krämer, Noemie Klein,

Josephine Steindlberger

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