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Eine enorme Kaufkraft

Von Der Hochtaunuskreis ist der reichste Landkreis in Deutschland. Mit einem Kaufkraft-Index von 145,1 liegt die Feldbergregion in diesem Jahr satte 45,1 Prozent über dem Durchschnitt und damit an der Spitze in Deutschland. Warum bloß stimmt der Einzelhandel in den hiesigen Städten und Gemeinden dennoch oft ein Klagelied an?

Der Hochtaunuskreis ist der reichste Landkreis in Deutschland. Mit einem Kaufkraft-Index von 145,1 liegt die Feldbergregion in diesem Jahr satte 45,1 Prozent über dem Durchschnitt und damit an der Spitze in Deutschland. Warum bloß stimmt der Einzelhandel in den hiesigen Städten und Gemeinden dennoch oft ein Klagelied an?

Hochtaunus. «Den Menschen im Hochtaunus stehen 1,46 Milliarden Euro zur Verfügung, die als Kaufkraft für den Einzelhandel relevant sind», nennt Hanns-Peter Laux, stellvertretender Geschäftsführer der IHK Frankfurt, eine erstaunliche Zahl. Und die gesamte Kaufkraft der 226 464 Einwohner des Kreises ist sogar noch um einiges höher, weil das Vermögen natürlich nicht nur im Einzelhandel ausgegeben wird. Kaum zu glauben: Trotzdem leben die Einzelhändler im Landkreis keinesfalls auf einer Insel der Glücksseligen. Die Sogwirkung anderer Einkaufszentren in der Nachbarschaft lässt nämlich reichlich Kaufkraft aus dem Hochtaunus abfließen.

Die IHK kann mit dem sogenannten Einzelhandelszentralitäts-Index sogar einen statistischen Wert für den Abfluss der Kaufkraft angeben. «Der Wert von 64,1 für den gesamten Landkreis besagt, dass 35,9 Prozent der für den Einzelhandel relevanten Kaufkraft abfließt», weiß der IHK-Vize Laux. Wohin genau das Geld fließt, lasse sich jedoch nicht ermitteln.

Selbst der starke Einzelhandel in Bad Homburg spürt die Konkurrenz aus den großen Einkaufszentren. Die Kunden erliegen oft dem Lockruf der Verheißungen aus dem Main-Taunus-Zentrum, dem Nordwestzentrum und der Frankfurter Innenstadt ebenso wie dem Angebot der Einkaufsmärkte im angrenzenden Eschborn. Selbst für Bad Homburg verzeichnet die IHK daher einen Abfluss der Kaufkraft von 11,3 Prozent.

Überraschenderweise weist die Statistik einzig für Usingen mit einem Wert von 131,6 einen Zufluss der Kaufkraft aus dem Umland aus. Dieser Wert besagt, dass in Usingen 31,6 Prozent mehr Umsatz im Einzelhandel getätigt wird, als den Usinger Bürgern für den Konsum zur Verfügung stehen würde.

Dieser Wert ist nach den Worten von Laux allerdings mit Vorsicht zu genießen: «Die Statistik verfälscht die Situation in Usingen. Der gemessene hohe Zufluss der Kaufkraft kommt durch das große Einzugsgebiet, die hohe Kundenfrequenz des Toom-Baumarktes und andere großflächige Betriebe zustande», so Laux. «Der traditionelle und kleinflächige Einzelhandel in der Innenstadt spürt von diesem Zufluss der Kaufkraft nur wenig und hat Probleme.»

Ein heterogener Kreis

Tendenziell befindet sich der Einzelhandel überall in einem strukturellen Wandel, der zulasten der Kleinen gehe. Die Schwierigkeit des Einzelhandels in den kleineren Kommunen sei es, dass sie nur begrenzte Möglichkeiten haben, sich zu entwickeln. Manche Standorte seien ohne Alternative, weil die Ladenlokale den Einzelhändlern selbst gehören.

«Der Hochtaunuskreis ist ein in der Einzelhandelsstruktur extrem heterogener Landkreis», meint Laux. «Es ist sehr viel Geld unterwegs, das sich aber sehr unterschiedlich verteilt.» In der Vergangenheit dominierten kleinflächige Ladengeschäfte die Ortszentren. Doch inzwischen entwickelten sich die Einkaufsmöglichkeiten «auf der grünen Wiese» sehr stark und werden immer mehr zur Konkurrenz der Innenstädte.

Nach Usingen, Neu-Anspach und Friedrichsdorf haben sich nun auch am Stadtrand von Oberursel großflächige Fachmärkte angesiedelt. Zugleich gibt es aber auch Beispiele für eine Stärkung der City. Das neue Louisen-Center auf dem Grundstück des ehemaligen Landratsamtes in Bad Homburg etwa ist mit seinen rund 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche gewiss ein neuer zugkräftiger Magnet für die dortige Innenstadt.

Überhaupt haben die Städte im Kampf gegen die «grüne Wiese» und die großen Einkaufszentren in den vergangenen Jahren nachgerüstet oder sind zumindest dabei. «Die Zentren lenken zwar die Nachfrage nach Sortimenten des mittel- und langfristigen Bedarfs aus dem Hochtaunus heraus. Sehr erfreulich ist aber, dass immer mehr Gemeinden reagieren und ihr Einzelhandelsangebot verbessern», sagt Laux und nennt neben dem Bad Homburger Beispiel auch die «Neue Mitte» in Wehrheim und die Pläne für das Friedrichsdorfer Milupa-Gelände, wo bekanntlich neue Geschäfte geplant sind.

Viel Kapital im Westen

Auch in der Stadtmitte von Königstein und Kronberg hat sich bereits in den vergangenen Jahren einiges getan. Während die schmucke Kurstadt ihre neue Stadtgalerie erhielt, wurde in Kronberg der Berliner Platz neugestaltet. Das Geld scheint gut investiert. Nach Angaben der Stadt Königstein beträgt die Kaufkraft der rund 15 800 Einwohner 570,4 Millionen Euro. Das sind satte 89,7 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Laut IHK stehen davon 121,9 Millionen zum Ausgeben in den Geschäften zur Verfügung. Ein Blick auf die Läden, Hotels und Restaurants in Königstein spiegelt den Wohlstand ebenso wider wie die Einkaufsmöglichkeiten in Kronberg, dessen Bürger in Sachen Kaufkraft immerhin noch 79,3 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen.

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