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Im Biotop der schönen Künste

Der Hochtaunuskreis gehört zu den reichsten Regionen der Republik. Das gilt allerdings nicht nur für die finanzielle Ausstattung, sondern auch für das kulturelle Angebot. Wir haben mit dem Fachbereichsleiter Kultur im Landratsamt, Gregor Maier, über Orchester, Popkultur und die Nähe zur Metropole gesprochen.
Die Hauptstadt des Cello: In Kronberg treffen sich alle zwei Jahre weltberühmte Künstler (hier Mischa Maisky vor der Rostropowitsch-Büste) zum Cello-Festival. Foto: JP Die Hauptstadt des Cello: In Kronberg treffen sich alle zwei Jahre weltberühmte Künstler (hier Mischa Maisky vor der Rostropowitsch-Büste) zum Cello-Festival. Foto: JP

Der Hochtaunuskreis gehört zu den reichsten Regionen der Republik. Das gilt allerdings nicht nur für die finanzielle Ausstattung, sondern auch für das kulturelle Angebot. Wir haben mit dem Fachbereichsleiter Kultur im Landratsamt, Gregor Maier, über Orchester, Popkultur und die Nähe zur Metropole gesprochen.

Herr Maier, der Kreis sucht derzeit junge Musiker für das Jugend-Sinfonieorchester. Gleichzeitig sind Sie dabei, einen Jugendchor aufzubauen. Welchen Stellenwert haben die beiden Projekte?

GREGOR MAIER: Das sind Kernprojekte. Das Jugend-Sinfonieorchester haben wir dieses Jahr gestartet. Wir wollen damit erreichen und haben erreicht, dass wir nach außen hin sichtbar machen, was in den Schulen, Musikschulen und Musikvereinen für hervorragende Arbeit geleistet wird. Das wird im nächsten Jahr wiederholt, und aufgrund des Erfolges suchen wir jetzt nicht nur Orchestermusiker, sondern auch junge Sänger für das begleitende Projekt des Jugendchors, den wir zusammen mit dem Sängerkreis Hochtaunus aufstellen.

Wie ist der Stand der Dinge beim Jugendchor?

MAIER: Aktuell laufen die Anmeldungen. Es gibt Anfang Februar ein Probe-Singen, dann wird ein Chor zusammengestellt. Die Zielvorstellung ist ein gemischter Chor mit 40 Sängern. Da gehen wir über die Schulen, die Gesangvereine und sprechen auch die Jugendlichen direkt an. Man kann sich sowohl beim Orchester als auch beim Chor noch bis zum 31. Januar anmelden. Der Chor wird geleitet von Jan Schumacher, das ist ein renommierter Chorleiter, der schon mit dem Landesjugendchor Rheinland-Pfalz gearbeitet hat. Dann gibt es im nächsten Jahr eine neue Runde. Es soll eine kontinuierliche Einrichtung der Jugendförderung werden für die die Kulturstiftung des Kreises, die Johann Isaak von Gerning-Stiftung, verantwortlich zeichnet.

Wie wichtig sind diese Projekte für die Kulturpolitik auf Kreisebene?

MAIER: Ich würde sie als Profil bildend für unsere Arbeit bezeichnen. Zum einen weil es gewissermaßen subsidiäre Projekte sind, die aufbauen auf der Arbeit, die vor Ort gemacht wird. Hier sehe ich auch ein Stück weit die Funktion des Kreises. Das heißt: Wir sind mit der Arbeit der Schulen, Vereine und Kommunen verzahnt und bauen darauf auf. Wie gut das funktioniert, zeigen die Anmeldungen für das Orchester im letzten Jahr: Wir haben tatsächlich Orchestermitglieder aus allen Kommunen des Hochtaunuskreises, ohne dass wir speziell darauf geachtet haben. Das zeigt auch, dass sich der Kreis als ganzes darin wiederfindet.

Wie breit ist der Hochtaunuskreis generell in der Kulturpolitik aufgestellt und wie steht man im Vergleich zu Nachbarkreisen da?

MAIER: Ohne uns jetzt zu sehr loben zu wollen: Soweit ich das überblicke, ist der Hochtaunuskreis hervorragend aufgestellt. Sowohl was das Engagement des Kreises angeht, als auch das kulturelle Leben, mit dem wir arbeiten können. Der Kreis könnte noch so gute Arbeit leisten, wenn nicht die Substanz da wäre. Und Kultur hat hier traditionell einen hohen Stellenwert – schon aus historischen Gründen. Immerhin haben wir mit Usingen, Königstein und Bad Homburg gleich drei ehemalige Residenzstädte, das sind historisch gesehen gewissermaßen Biotope, in denen kulturelles Leben wächst. Dazu gibt es das Weltkulturerbe Limes, viele Schlösser und Museen, die Hugenotten-Tradition, die Vereinsstrukturen mit allein an die 50 Geschichtsvereine. Das ist eine sehr lebendige Szene. Und es gibt die Nähe zu Frankfurt, die befruchtet.

Apropos Frankfurt: Ist die Nähe zur Großstadt nicht auch ein Standortnachteil für Kulturarbeit in der Region? Immerhin ist Frankfurt zwar nicht die Kulturmetropole schlechthin, hat aber ein großes Angebot und somit eine Sogwirkung für Kultur-Fans.

MAIER: Ich habe den Eindruck, dass das Verhältnis Hochtaunus–Frankfurt oft problematischer dargestellt wird als es ist. Wenn ich jetzt einmal als kulturell interessierter Mensch spreche, ist das ungemein spannend. Ich habe die Möglichkeit, zusätzlich zu dem Angebot vor Ort zum Beispiel in die Oper oder ins Museum Städel zu gehen. Ich sehe es daher als ergänzendes Angebot. Außerdem arbeiten wir mit etlichen Institutionen in Frankfurt gut zusammen – etwa mit dem Institut für Stadtgeschichte, dazu gibt es die Kulturregion und den Kulturfonds.

Der Kreis ist Mitglied im Kulturfonds, der 2007 ins Leben gerufen wurde, und der Kulturregion, die seit 2005 besteht. Was wird da konkret gemacht?

MAIER: Die Grundüberlegung dabei ist: Wenn ich mich als Bürger für Kultur interessiere, spielen kommunale Grenzen keine Rolle. Ich nutze dann sowohl das Angebot vor Ort als auch das in Frankfurt oder Wiesbaden. Mit den beiden Gesellschaften soll der unglaublich kulturelle Reichtum in der Region gemeinsam sichtbar gemacht und dem Bürger nahe gebracht werden. Der Kulturfonds ist dabei eher auf große Projekte zugeschnitten, die nationale oder internationale Ausstrahlungskraft haben. Aktuell wird in Bad Homburg darüber zum Beispiel die Christian-Rohlfs-Ausstellung im Sinclair-Haus gefördert. Die Kulturregion hat einen etwas anderen Ansatz. Da geht es mehr um die Vernetzung der Aktivitäten vor Ort. Ein Beispiel ist die Veranstaltungsreihe «Route der Industriekultur», die jedes Jahr stattfindet. Das ist regelmäßig ein großer Erfolg, da werden wir uns auch in Zukunft mit dem Hochtaunuskreis stärker beteiligen. Ähnlich wie in Friedrichsdorf wollen wir etwa Faltblätter auch für die anderen industriekulturellen Orte herausbringen. Die Route war bisher auf die Kernregion am Main konzentriert, weitet sich in der Fläche aus, und da sind wir dabei.

Sehen Sie denn noch Nachholbedarf für Kulturarbeit im Kreis – zum Beispiel bei Pop und Rock als Ergänzung etwa zum Kreismusikfest?

MAIER: Das ist ein ganz wichtiges Feld. Ich verweise darauf, dass es zum Beispiel in Kronberg ein spannendes neues Projekt gibt, das wir dieses Jahr unterstützt haben: «b(l)ackstage» im Kronberger Jugendhaus. Das ist ein Forum, bei dem alle 14 Tage Jugendbands aus dem Hochtaunus- und dem Maintaunus-Kreis auftreten. «b(l)ackstage» wird von jungen Leuten auf die Beine gestellt. Generell ist es ja nicht so, dass sich in dem Bereich der populären Kultur nichts tun würde. Und vielleicht ist das auch ein Feld, das ganz gut ohne uns funktioniert. Denken Sie an das Jugendhaus «cafe´portstrasse» in Oberursel, das tolle Konzerte macht, oder Rock auf der Burg in Königstein. Darüber hinaus werden immer wieder gute Ideen aus vielen Feldern der Kultur an mich herangetragen. Dies alles zeigt, wie lebendig das kulturelle Leben in der Region ist. Wo aber unbedingt Nachholbedarf besteht, ist die regionale Vernetzung. Ich bin auf so vielen spannenden Veranstaltungen, die es verdient hätten, dass nicht nur Besucher aus dem jeweiligen Ort kommen, sondern auch aus Nachbarorten und der näheren Umgebung. Es ist auf jeden Fall enorm, was im Hochtaunus alles in einer halbstündigen Autofahrt erreichbar und leider oft zu wenig bekannt ist.

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