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Kronberg ist am sportlichsten

Von Sportlich geht‘s zu im Taunus, zumal viele Trendsportarten schnell im Angebot von Vereinen und Studios ihren Niederschlag finden. Manche einst sehr gefragte Sportart allerdings hat sich im Laufe der Zeit auch selbst überlebt.

Sportlich geht‘s zu im Taunus, zumal viele Trendsportarten schnell im Angebot von Vereinen und Studios ihren Niederschlag finden. Manche einst sehr gefragte Sportart allerdings hat sich im Laufe der Zeit auch selbst überlebt.

Hochtaunus. Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als wären die Taunusbürger sportlicher als der Durchschnitt Hessens oder gar der Bundesrepublik. Immerhin haben die 262 Sportvereine des Kreises rein rechnerisch 35,7 Prozent der 226 464 Einwohner (Stand 31. März 2010) in ihren Mitgliederverzeichnissen stehen – das sind dann annähernd 82 000.

Damit liegt die Zahl der sporttreibenden Hochtaunusbürger deutlich über dem vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) veröffentlichten Bundesdurchschnitt. Der lag im Jahr 2009 nämlich bei 33,6 Prozent, in Hessen bei 34,2 Prozent.

Kinder und Jugendliche bilden mit 36,3 Prozent der Mitgliedschaften den Hauptanteil der Sporttreibenden. Aber auch bei den Senioren (der Gruppe ab 60 Jahren) verzeichnet der Sportkreis Hochtaunus stete Zuwächse. Ihr Anteil an den Mitgliedschaften beträgt immerhin 17,2 Prozent.

Aktiv und passiv

Sind denn die Taunusbürger so viel sportlicher als ihre Nachbarn? Die jüngsten Zahlen des Sportkreises Hochtaunus scheinen dies zu belegen. Doch sind Zahlen mit Vorsicht zu genießen. So lasse die Statistik beispielsweise keine Differenzierung zwischen aktiven und passiven Mitgliedern zu, bedauert Hannelore Molitor vom Sportkreis Hochtaunus.

Hinzu kommt ein anderer Faktor, der das Bild verzerren könnte: «Sporttreibende orientieren sich weniger danach, was am eigenen Wohnort angeboten wird, sondern vielmehr an der gewünschten Sportart», erklärt Martin Schreck. So schätzt der Geschäftsführer des größten Sportvereins im Kreis, des MTV Kronberg mit annähernd 4000 Mitgliedern, den Anteil an Kronbergern in seinem Verein auf etwa 70 Prozent. «Die anderen kommen aus anderen Orten der Region, davon das Gros aus Königstein.» Aber auch Oberurseler, Steinbacher und sogar Menschen aus Frankfurt stehen im Mitgliederverzeichnis des MTV Kronberg.

Damit wird der Eindruck, die Kronberger seien die Sportlichsten im Taunus, etwas revidiert. Allerdings steht der MTV damit nicht allein, auch andere Turn- und Sportvereine im Kreis haben einen Mitgliederzulauf aus einem größeren Einzugsgebiet, das sich auch bei anderen Clubs bis Frankfurt erstreckt.

Steigende Nachfrage

Die Anziehungskraft des MTV basiert laut Schreck auf der breiten Palette an Sportmöglichkeiten, die das Interesse der Bewegungshungrigen schürt – weniger an dem Standort Kronberg. «Immerhin haben wir 17 Abteilungen. Von Badminton bis Volleyball ist für jeden etwas dabei», sagt der MTV-Mann

Dass der Erfolg maßgeblich vom Angebot abhängt, ist unstrittig. Mehr als 110 Sportarten von A wie Aerobic bis Z wie Zumba stehen den Bürgern im Hochtaunuskreis schon jetzt zur Verfügung. «Und wir versuchen ständig, neue Kurse unterzubringen», sagt Schreck. Denn die Nachfrage nach Bewegungsangeboten nehme laufend zu. So wächst laut Schreck beispielsweise die Judo-Abteilung der Bad Homburger Turngemeinde zurzeit sehr stark, obwohl diese Sportart auch in Kronberg und Oberursel angeboten wird.

Nicht alle Bedürfnisse der Taunusbürger jedoch können von bestehenden Vereinen befriedigt werden. Manche Interessenlagen führen daher zu Neugründungen von Sportvereinen. So entstand vor zwei Jahren der Friedrichsdorfer Yachtclub. Seine Mitglieder segeln zwar auf der Ostsee, haben aber ihren «Heimathafen» am Wohnort Friedrichsdorf.

Doch es ist nicht nur das Neue, was das Vereinsleben bereichert – manch eine traditionelle Sportart ist im Kreis fest verankert. So können einige Schützenvereine im Kreis auf eine hunderte Jahre alte Geschichte zurückblicken. Die Homburger Schützengesellschaft entstand 1390, die Cronberger 1398. Die Schützenvereine in Usingen, Oberursel und Seulberg sind nur wenige Jahrzehnte jünger.

Lange Tradition

Die großen Turnvereine in Usingen, Homburg, Oberursel, Wehrheim, Kronberg und Anspach wurden zwischen 1846 und 1862 gegründet und haben noch heute Bestand. Der Bad Homburger Tennisclub 1876 rühmt sich, der älteste Tennisverein auf dem europäischen Festland zu sein. Und der erste Golfplatz Deutschlands geht auf entsprechende Aktivitäten des Homburger Golf-Clubs 1899 zurück. Sogar beim Karatesport war Bad Homburg innovativ – der Budokan Bad Homburg, gegründet 1957, ist der älteste Karateclub der Bundesrepublik.

Nicht jede einmal beliebte Sportart hat die Zeiten überdauert. Prellball zum Beispiel. Gab es laut Kreissportwart Klaus Lenz vor zehn, fünfzehn Jahren noch Meisterschaftsaustragungen im Kreis, so ist Prellball heute offenbar in Vergessenheit geraten. «Auch Faustball war früher sehr verbreitet. Aber der wurde schon in den 1960er-Jahren von Volleyball abgelöst.»

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