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«Nicht sinnlos miteinander diskutieren»

Im Hochtaunuskreis sind rund 3400 Menschen von Altersdemenz betroffen. Tendenz steigend. Margaretha Leuwer von der Fachstelle Demenz wünscht sich, dass Angehörige nicht erst zu ihr kommen, wenn die Grenze der Belastung bereits überschritten ist.

Im Hochtaunuskreis sind rund 3400 Menschen von Altersdemenz betroffen. Tendenz steigend. Margaretha Leuwer von der Fachstelle Demenz wünscht sich, dass Angehörige nicht erst zu ihr kommen, wenn die Grenze der Belastung bereits überschritten ist.

Welche Angebote gibt es im Hochtaunuskreis für Demenzkranke und deren Angehörigen?

MARGARETHA LEUWER: So viele, dass wir einen eigenen «Wegweiser Demenz» herausgegeben haben, in dem alle Angebote aufgelistet sind. Beispielsweise gibt es kreisweit sieben Betreuungsgruppen für Demenzkranke, jeweils drei Stunden nachmittags, und zwei Tagespflegeeinrichtungen, das Haus Bornberg in Friedrichsdorf-Köppern und «Geta» in Usingen. Es gibt Gesprächsgruppen für Angehörige, Schulungen und zwei Beratungsstellen. Wir stehen als erste Anlaufstelle für Menschen, die zu diesem Thema Fragen haben, zur Verfügung. Allein bis Oktober habe ich dieses Jahr in der Fachstelle etwa 250 Beratungsgespräche geführt. Diese sind kostenlos und können auf Wunsch auch zu Hause geführt werden.

Wo drückt der Schuh am meisten?

LEUWER: Ich vermittele Kontakte zu speziellen Einrichtungen. Es passiert auch, dass Demenzkranke selbst die Angebote aufgrund ihrer Erkrankung nicht annehmen können. Ich merke immer wieder, dass es in den Familien große Hemmungen gibt, über die Krankheit zu sprechen. Dann versuche ich zu vermitteln, begleite die Angehörigen und führe lange Gespräche.

Führt das immer zu einer Lösung?

LEUWER: Nicht immer, aber in den Gesprächen gelingt es den Betroffenen meist, die eigenen Situation klarer zu sehen und Schritt für Schritt einer Lösung näher zu kommen. Das allein hilft schon. Die meisten sind gut informiert, was Pflege und Betreuung angeht. Aber in der psychischen Belastung gehen viele Familien an ihre Grenzen, ehe sie sich Hilfe holen. Die Krankheit ist persönlichkeitsverändernd. Der Umgang miteinander muss sich dem jeweiligen Stadium der Erkrankung anpassen, dann geht es leichter. Das wissen viele nicht und diskutieren mit den Demenzkranken sinnlos. Sie wollen Probleme lösen, die sie gar nicht lösen können. Das ist kräftezehrend und frustrierend. Wenn sie früher zu mir kommen, kann ich dabei helfen, dass sie nicht in diese Falle tappen.

Zum Wegweiser Demenz kommen Sie im Internet über www.taunuszeitung.de/demenz. Es gibt ihm zudem kostenlos im Bürgerservice des Landratsamtes, in den Rathäusern der Kommunen und in Krankenhäusern. Margaretha Leuwer ist unter der Telefonnummer (0 61 72) 9 99 51 61 zu erreichen.

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