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Öko-Punkte: Die Spargroschen der Natur

Mit Öko-Punkten können Kommunen ihre Eingriffe in die Natur «bezahlen» – eine Währung, die es nur für gute Taten gibt.
Mit der Renaturierung des Bizzenbachs, bei der die Mitglieder des Nabu kräftig anpackten, hat Wehrheim Öko-Punkte gesammelt.	Archivfoto: Mai Mit der Renaturierung des Bizzenbachs, bei der die Mitglieder des Nabu kräftig anpackten, hat Wehrheim Öko-Punkte gesammelt. Archivfoto: Mai

Mit Öko-Punkten können Kommunen ihre Eingriffe in die Natur «bezahlen» – eine Währung, die es nur für gute Taten gibt.

Hochtaunus. Punkte sammeln ist in. Nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei den Städten und Gemeinden. Letztere sammeln fleißig Biotopwertpunkte – oder kurz Öko-Punkte. Hintergrund ist der Flächenausgleich, den Kommunen vornehmen müssen, sobald sie in die Natur eingreifen. Konkret heißt das: Wer ein Stück Natur bebaut und versiegelt, muss an anderer Stelle einen Ausgleich schaffen.

Doch ganz so einfach ist das in dicht besiedelten Kommunen nicht. Um dennoch den Ausgleich in der Natur vornehmen zu können, gibt es in Hessen bereits seit 2006 die sogenannten Öko-Konten. Und die werden wie folgt gefüllt: Für die ökologische Aufwertung von Flächen können Öko-Punkte gutgeschrieben werden, die im Gegenzug bei Baumaßnahmen, bei denen Natur zerstört wird, einzusetzen sind. Dazu werden die Flächen vorher und nachher bewertet und die Differenz ermittelt, die an die Natur «zurückgezahlt» werden muss – in direkter Form durch eine Ausgleichsfläche oder eben durch die besagten Punkte.

Viele Verfahren enthalten ergänzende Vorschriften, die eine individuelle Auf- oder Abwertung der Flächen zulassen. «Die Flächenbewertung ist aber verfahrensabhängig, und es lassen sich je nach Rechenweg unterschiedliche Ergebnisse erzielen», kritisiert Tilmann Kluge, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, das System.

Was ist Umwelt wert?

Der Vorteil ist, dass Flächen ein finanzieller Wert zugewiesen wird, der aber nicht den ideellen Wert beziffert. Den tatsächlichen Preis der Öko-Punkte bestimmen Angebot und Nachfrage. Wer viel punktet, hat zwar die Natur aufgewertet, doch gesammelt wird nicht für den guten Zweck, sondern um die Punkte entweder auszugeben oder zu verkaufen.

Die Möglichkeit, auch Punkte bei der Hessischen Landgesellschaft zu beziehen, machte sich Steinbach zunutze, das selbst kein Öko-Konto führt. Punkte braucht die Stadt nämlich für die Bebauungspläne Taubenzehnten und am Eschborner Weg.

Ein wahrer Punktebolide ist die Stadt Bad Homburg, die mit 2,5 Millionen zu den fleißigsten Sammlern im Kreis gehört. Die jüngsten Punkte hat die Kurstadt mit der Umwandlung einer Fichten-Monokultur im Wald generiert, die zum Teil im Baugebiet Ober-Erlenbach «Am Hühnerstein» eingesetzt werden.

Eine Streuobstwiese in Rod am Berg mehrte den Stand von Neu-Anspach auf 330 000 Punkte – womit die Stadt eher im Mittelfeld der Sammler ist. Die Punkte werden für das Baugebiet Westerfeld West ausgegeben. Ebenfalls eine Umwandlung einer Fichten-Monokultur ließ den Kontostand in Usingen auf 230 188 Punkte anwachsen, die zum Teil für den Bau des Kindergartens Eiskaut eingesetzt werden.

Kleine Konten

Die gleiche Maßnahme stockte das Konto in Oberursel auf 270 000 Punkte auf, für deren Einsatz es aber derzeit noch keine Pläne gibt. Über die ersten und bislang einzigen 144 690 Punkte aus einer Renaturierung am Erlenbach verfügt Friedrichsdorf. Die Stadt setzte bislang immer auf den Direktausgleich. Auch Weilrod will die 44 280 Punkte erst einmal stehen lassen, die zuletzt aus einer Maßnahme am Weiherboden generiert wurden. Die mageren 37 300 Punkte von Wehrheim stammen aus einer Renaturierung am Bizzenbach und sollen gespart werden.

In Grävenwiesbach wurden die ehemaligen 100 000 Punkte komplett für das Baugebiet «Seifen» verwandt, so dass die Gemeinde nun auf einem leeren Konto sitzt. «Wir gleichen auch künftig lieber direkt aus», sagte Bürgermeister Hellwig Herber (FWG) dazu. In Schmitten sind 195 908 Punkte auf dem Konto, die zuletzt ebenfalls mit der Umwandlung einer Fichten-Monokultur in einen Auwald in Arnoldshain entstanden. Eine Ausgabe ist derzeit nicht geplant.

In Kronberg stehen 362 428 Punkte auf dem Konto, von denen einige zuletzt in Oberhöchstadt mit der Bachrenaturierung gewonnen wurden. Eingesetzt werden sie unter anderem für den derzeit diskutierten B-Plan «Am Henker».

In dem FFH-reichsten Gebiet in Königstein setzte man bislang viel auf den direkten Ausgleich beim Bauen, weshalb der Kontostand derzeit rund 13 500 Punkte beträgt. Aufgefüllt wurde dieser mit Streuobstwiesen in Mammolshain. Eingesetzt werden die Punkte dann wiederum für Projekte am Königsteiner Kreisel. tas

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