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Strom aus dem Kerkerbach

Die Klasse 4b der Senckenberg-Schule Runkel berichtet über Stromerzeugung aus Wasserkraft.
Runkel-Hofen. 

Das Wandern ist des Müllers Lust, dachten sich die 22 Schüler der Klasse 4b und machten sich neugierig auf den Weg zur Hofener Mühle, um Interessantes über die 300 Jahre alte Getreidemühle zu erfahren. Die Sachunterrichtsthemen Getreide und Strom konnten hier an Ort und Stelle erlebt werden und die Fragesteller, Protokollanten, Beobachter und Fotografen hielten alles genau fest.

Der Besitzer der Mühle, Gernot Dorn, begrüßte sie bereits am Mühlentor. Bei einer Führung und in einem Interview erklärte er freundlich und geduldig viele Einzelheiten über Geschichte, Arbeit und Nutzung der Mühle heute. Hier wurden 264 Jahre lang Hafer, Weizen, Gerste und Roggen zu Mehl und Schrot gemahlen. Heute wird nicht mehr gemahlen, aber das Tolle ist: Es wird noch Strom produziert – und das seit fast 100 Jahren.

Wasser marsch

«Wer von euch kennt einen Fahrraddynamo?», fragte Gernot Dorn: Denn die Turbine, die mit Wasserkraft in einem Nebenraum der Mühle Strom erzeugt, treibt ein Riesendynamo an. Seit zirka 100 Jahren wird nebenbei in der Hofener Mühle Strom erzeugt. Die Kraft kommt aus dem Wasser des Kerkerbachs. Gernot Dorn zeigte den Kindern, wie das Wasser vom Mühlbach, der vom Kerkerbach künstlich abgeleitet wurde, in die Mühle fließt und dort die Turbine antreibt. Die Turbine arbeitet wie ein kleines Wasserrad und schafft 1000 Umdrehungen pro Minute. Durch das Gefälle hat das strömende Wasser eine enorme Kraft und treibt so einen Generator an, der den elektrischen Strom erzeugt. Die Kinder waren überrascht, dass auf diese Weise Strom für 15 Haushalte produziert wird. Gernot Dorn erklärte, dass ein Teil des Stromes für den Strombedarf der Mühle selbst verwendet wird, z.B. für Licht und Heizung. Der Rest wird über Erdkabel ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Im Sommer ist die Stromerzeugung geringer als im Winter, weil sie von der Wassermenge des Kerkerbachs abhängig ist.

Erstaunt waren die jungen Reporter, als Gernot Dorn ihnen erzählte, dass schon seine Großeltern vor 100 Jahren die Idee hatten, Strom mit Wasserkraft zu erzeugen und diesen auch zu verkaufen. Sie belieferten schon damals die Nachbarorte. Es gab Stromleitungen nach Schadeck und Hofen. Alles fing mit einer kleinen Glühbirne in den Häusern an, aber schnell wurde der Strombedarf größer, und deshalb reichte die Menge für die Stromlieferung bald nicht mehr aus. Aus dieser Zeit stammt aber noch der Transformatorturm der Mühle, der heute zwar nicht mehr genutzt wird. Doch Gernot Dorn hat den Wunsch, in den alten Turm eine Wendeltreppe einzubauen und ihn als Aussichtsturm für das Kerkerbachtal zu nutzen. Alle Kinder wollen dann wiederkommen und den Turm besteigen.

Gernot Dorn hob hervor, dass die Stromerzeugung mit Wasserkraft eine saubere Form der Energiegewinnung ist: Kein Rohstoff wird verbraucht, das Wasser der Turbinenanlage fließt wieder in den Kerkerbach. Umweltfreundlichkeit konkret umgesetzt!

Draußen am Mühlbach zeigte Gernot Dorn den Rechenreiniger. Das war besonders spannend und interessant für alle. Der Rechen fängt die Blätter und Äste aus dem Mühlbach auf, damit das Wasser gereinigt in die Turbinenanlage gelangt. Auf Knopfdruck wurden die Blätter und Äste seitlich weggespült, rauschende Mengen von Wasser schossen unter den Holzbrücken durch und landeten im Kerkerbach. Das war für die Kinder sehr beeindruckend.

Die Mühle heute

Gernot Dorn ist der heutige Besitzer der Mühle. Er wurde in der Mühle geboren und ist dort aufgewachsen. Trotz der vielen Arbeit macht es ihm Spaß dort zu wohnen und zu arbeiten. Sein Vater war der letzte Müller. Vor etwa 35 Jahren hat er die Mühle stillgestellt. Gernot Dorn hat die Mühle später renoviert, und heute ist die Hofener Mühle ein beliebtes Ausflugsziel. Es kommen Gäste zum Übernachten, und man kann im Café guten Kuchen essen und Kaffee trinken. In der Scheune kann man Familienfeste oder Hochzeiten feiern. In einem Jahr sind es etwa 800 Übernachtungsgäste, 2000 Feiergäste und noch 1500 Cafégäste. Frieren muss man in der Mühle nicht, denn es gibt eine elektrische Heizung. Wenn Sie der Mühle mal einen Besuch abstatten wollen, sie hat an Samstagen, Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr geöffnet.

Die Mühle früher

Gernot Dorn erzählte den jungen Reportern auch von früher. Die Mühle wurde 1710 von Friedrich Müller aus Schadeck erbaut. Seit 1786 befindet sich die Mühle im Familienbesitz. Im alten Mühlengebäude sind noch alle Maschinen und Anlagen vollständig erhalten. Gernot Dorn sagte: «Alles ist noch so, wie mein Vater es damals ausgeschaltet hat.» Deshalb wurde die Mühle auch 1990 unter Denkmalschutz gestellt und gilt als Kulturdenkmal. Die Kinder fanden die Führung mit Gernot Dorn sehr spannend, denn die Geräte konnten angeschaut und angefasst werden. Scheuermaschine, Quetschstuhl, Walzenstuhl, Schrotgang und Mehlmischmaschine – die Kinder wissen jetzt, wie der Mahlvorgang funktionierte. Nachdem das Korn in große Trichter gefüllt worden war, wurde zwischen zwei Walzen Mehl gemahlen oder zwischen zwei Mahlsteinen meist aus Gerste Schrot hergestellt. Es gibt auch Wandtafeln, auf denen die Arbeitsschritte genau beschrieben sind. Der Müller musste schwer arbeiten, bis aus den Getreidekörnern Mehl oder Schrot gemahlen war und in die Säcke gefüllt werden konnte. Die Bauern und manchmal auch der Müller selbst transportierten es dann auf Pferdegespannen in die Ortschaften.

Autoren: Kevin Biehl, Pauline Blank, Paul Bräutigam, Vivien Eller, Johanna Endries, Natalie Jagnjic, Alina Jost, Jaqueline Jung, Jennifer Knögel, Vanessa Krylow, Marie Kuhmann, Natascha Menk, Jannik Merkel, Alexandra Pertsch, Teresa Ruster, Franziska Schneider, Denniz Steinhauer, Jannis Ternka, Alexander Vetter, Fidel Winter, Joshua Zacherl, Christian Ziegler. Klassenlehrerin: Susanne Peise

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