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Viel Verkehr – und es wird noch mehr

Von Hochtaunus. Es ist wieder mal eine Menge los auf der Saalburgchaussee. Unzählige Pendler fahren in ihren Autos über die Taunus-Kuppe, bevor es dann kurz vor Bad

Hochtaunus. Es ist wieder mal eine Menge los auf der Saalburgchaussee. Unzählige Pendler fahren in ihren Autos über die Taunus-Kuppe, bevor es dann kurz vor Bad Homburg in der Nähe der Gartenfeldsiedlung vorbei an hohen begrünten Lärmschutzwänden in den 630 Meter langen Tunnel unter der Peters-Pneu-Kreuzung geht. Die Fahrt verläuft einigermaßen zügig trotz der rund 35 000 Autos, die über die Tangente zwischen dem Usinger Land und dem Vordertaunus strömen.

Aber seit im Jahr 2018 die Bundesstraße 456 zwischen der Kurstadt und Wehrheim nach langer kontroverser Diskussion ausgebaut und die unterirdische Verbindung in Dornholzhausen dem Verkehr übergeben wurde, halten sich die Staus im Berufsverkehr auf der Nord-Süd-Strecke in Grenzen.

Täglich 40 000 Autos

Ob dieses fiktive Szenario aus dem Jahr 2020 tatsächlich irgendwann Realität wird, lässt sich im Moment noch nicht sagen. Am ehesten könnte der Tunnel an der PPR-Kreuzung kommen, während eine vierspurige Saalburgchaussee wohl Utopie bleiben wird. Wie auch immer – die Zeitreise in die Zukunft des Hochtaunuskreises soll nur eine der verkehrspolitischen Besonderheiten und Problemzonen der Region verdeutlichen.

Welchen Stellenwert die Saalburgchaussee hat, bekommen heute schon die Anwohner und die Fahrer der insgesamt rund 25 000 Fahrzeuge zu spüren, die täglich auf einer der neuralgischsten Straßenverbindungen des Hochtaunus verkehren. Und damit steht die B 456 noch nicht einmal auf dem ersten Platz in der Hitparade der am meisten frequentierten Straßen, weiß Thomas Dietrich, Unfallexperte und Statistiker der Polizeidirektion Hochtaunus.

«Am Königsteiner Kreisel etwa verkehren täglich bis zu 40 000 Fahrzeuge, und auf der Urseler Straße in Bad Homburg sind es an die 30 000», sagt Dietrich. Auch die Verbindung durchs Köpperner Tal sei mit täglich etwa 11 000 Autos stark befahren. Die Zahl der Unfälle ist dabei kreisweit von 4886 im Jahr 2005 auf 4432 im Jahr 2009 zurückgegangen (siehe Info-Box).

Wie aber wird sich der Verkehr in der Region weiterentwickeln? «Insgesamt ist mit einer weiteren Zunahme des Individualverkehrs zu rechnen – vor allem des Schwerverkehrs», sagt Pamela Ruppert, Sprecherin des Hochtaunuskreises, die für 92,545 Kilometer Kreisstraßen in der Region zuständig ist. Diese Prognose ergibt sich aus den Verkehrserhebungen. Auch das Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) Frankfurt, das die insgesamt 61 Kilometer Bundes- und etwa 120 Kilometer Landesstraßen im Kreis betreut, sagt für die kommenden Jahren eine weitere Zunahme des Verkehrs voraus.

Wie stark die Straßen in der Region belastet sind, zeigen auch die Zulassungszahlen in den vergangenen Jahren. Laut der Kfz-Zulassungsstelle des Landratsamts sind mit Stand 1. November 2010 insgesamt 167 733 Pkw im Kreis gemeldet (siehe Grafik). Das sind knapp 3200 mehr als im Vergleichsmonat 2009. Insgesamt kommen auf 1000 Einwohner im Hochtaunus rund 750 Autos – 50 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt.

Die meisten sind in Bad Homburg gemeldet, nämlich 37 102 bei insgesamt 51 887 Einwohnern. Die wenigsten rollen in Glashütten mit 4128. Im Usinger Land ist die Fahrzeugdichte je Einwohner etwas höher als im Vordertaunus. Generell hat der Hochtaunus eine «hohe Auto-Verfügbarkeit», wie das Verkehrsplaner Thomas Novotny vom Ingenieurbüro Habermehl und Follmann aus Rodgau nennt (siehe auch Interview auf dieser Seite). Gründe sind zum einen das insgesamt gehobene Einkommensniveau im Taunus und zum anderen der ländliche Charakter des Usinger Landes.

Angesichts der Entwicklungen in den vergangenen Jahren und der Prognosen machen sich viele Kommunen im Hochtaunus Gedanken über die Verkehrsströme der Zukunft. «Bis 2020 wird der Verkehr rund um Bad Homburg um bis zu 30 Prozent zunehmen», sagen Thomas Novotny und sein Kollege Markus Hofmann voraus.

Zu ihren Schlüssen kommen die beiden Planer angesichts eines neuen Verkehrskonzeptes. Dieses haben sie im Auftrag der Bad Homburg Verwaltung für die Zeppelinstraße erstellt, eines der Einfallstore in die Stadt. Grund: Die schon jetzt vielbefahrene Umgehungsstraße wird in Zukunft noch mehr Verkehr anziehen, was am Neubau der Hochtaunus-Kliniken neben dem Kronenhof liegt, der 2012 beginnen und 2014 abgeschlossen sein soll.

Neben der Kreisstadt stellen auch andere Taunus-Kommunen die Weichen Richtung Zukunft. In Friedrichsdorf etwa gab es vor kurzem den Spatenstich für die langersehnte Verlängerung der Umgehungsstraße zwischen Köppern und Seulberg. 2012 soll die neue Straße fertig sein und in erster Linie die dringende Entlastung für den Stadtteil Köppern bringen. Auf die Hugenottenstadt kommen in den nächsten Jahren aber noch einige andere Baustellen zu. Grund ist vor allem das Einkaufszentrumsprojekt auf dem Milupa-Areal.

Umgehungsstraßen

In Oberursel und Steinbach hoffen viele, die entlang von hoch belasteten Verbindungen wie der Kurmainzer Straße in Weißkirchen wohnen, seit Jahrzehnten auf die Südumgehung (siehe Bericht unten). Voraussichtlich dieses Jahr wird die Umgehung in den regionalen Flächennutzungsplan aufgenommen. Ob und wann sie gebaut wird, entscheidet dann die Landesregierung.

Während Oberursel und Steinbach noch «guter Hoffnung» sind, hat Königstein seine Westumgehung «beerdigt», wie es Bürgermeister Leonard Helm (CDU) ausdrückt. Das Regierungspräsidium Darmstadt sah laut Helm bei dem umstrittenen Projekt «erhebliche ökologische Risiken bei relativ geringem Nutzen».

Anders in Usingen: Die Buchfinkenstadt setzt weiter auf den Bau der sogenannten Nordost-Umgehung. «Der Verkehr hat drastisch zugenommen», sagt Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (parteilos) mit Blick auf das regelmäßige Chaos im Ortskern – vor allem wegen des Schwerlastverkehrs.

Mehr Radwege

Handlungsbedarf sieht auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hochtaunus. Innerörtlich mangele es an wichtigen Elementen wie abgesetzten Bordsteinkanten, freigegebenen Einbahnstraßen oder ebene Wegoberflächen, sagt Stefan Pohl. Auch außerhalb der Ortschaften seien noch straßenbegleitende Radwege nötig. «Hier fehlt es an vielen Stellen – im ländlichen Bereich mehr als im städtischen. Aber richtig gut ist in dieser Hinsicht keine Kommune.»

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