E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

ZING. Entdeckungstour im Spitzbunker

Gemeinsam mit NNP-Redakteur Johannes Laubach und NNP-Mitarbeiter Volker Thies erforschten die Kinder den Spitzbunker auf dem WERKStadt-Gelände.
Johannes Laubach und Volker Thies helfen den Kindern der Klasse 4b aus Offheim beim Einstieg in den Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.	Foto: Klasse 4b Johannes Laubach und Volker Thies helfen den Kindern der Klasse 4b aus Offheim beim Einstieg in den Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Klasse 4b
Limburg. 

Es riecht ein bisschen muffig und staubig. Wenn man den Spitzbunker auf dem WERKStadt-Gelände betritt, sieht es innen so aus, als wäre es ein seit langer Zeit nicht mehr betretener Keller. Der Bunker wurde im Jahr 1940 aus Beton und Stahlmatten gebaut. Er ist also inzwischen 71 Jahre alt und von wildem Wein überwuchert, dessen Blätter sich schon rot verfärbt haben.

Der Bunker wird wegen seiner Form auch "Zuckerhut" genannt. Sein Durchmesser ist am Boden acht Meter, und er ragt 20 Meter in die Höhe. Die Wände sind unten unglaubliche 1,10 Meter dick, nach oben hin werden sie etwas dünner. Ab einer Höhe von zehn Metern sind sie noch 80 Zentimeter dick.

Unter dem Bunkerboden befinden sich Eisenspäne oder Sand, genau weiß man das nicht mehr. Auch in Köln, Frankfurt, Berlin und anderen deutschen Städten gibt es noch solche Bunker, die auch "Winkel-Bunker" genannt werden, weil der Architekt Leo Winkel sie erfunden hat.

Im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) boten Bunker den Menschen Schutz vor Bombenangriffen. In den Limburger Spitzbunker passten 500 Personen. Damals arbeiteten im Bahnausbesserungswerk über 1500 Menschen. 500 von ihnen konnten also bei Bombenalarm in den Spitzbunker flüchten, die anderen mussten zu anderen Bunkern laufen, die in der Nähe waren. Wenn in dem Werk nicht gearbeitet wurde, durften auch Bewohner der angrenzenden Straßen den Bunker benutzen.

Für jeden einzelnen Sitzplatz im Bunker wurde ein Lkw voll Beton verbaut! Eigentlich ist der Spitzbunker ein Treppenhaus mit breiten Treppen, das nach oben immer enger wird und oben eine Spitze hat. Er hat acht Halbgeschosse, 113 breite, flache Betontreppenstufen führen hinauf. Außerdem gibt es auch noch elf Holztreppenstufen. Im Bunker kann man noch einige Bänke sehen, auf denen die Menschen bei einem Bombenangriff sitzen konnten. Die Bänke standen damals auf den Treppenstufen und an den Wänden entlang. Alle Plätze sind vorne an der Sitzfläche nummeriert. Die Zahl 500 findet man noch auf der Bank oben in der Spitze des Bunkers.

Der Bunker hat zwei gegenüberliegende Eingänge, die ein ganzes Stück über dem Boden liegen. Als er noch benutzt wurde, führten von beiden Seiten Holztreppen zu den Eingängen, über die die Menschen in den Bunker gelangen konnten. Da die Holztreppen nicht mehr da sind, klettern die Kinder der Klasse 4b über eine extra für sie aufgebaute Alu-Leiter in den Bunker. Das ist sehr aufregend!

Im Inneren ist es sehr dunkel, so dass Johannes Laubach und Volker Thies von der NNP extra für die Besucher Leuchtstrahler aufgebaut haben. Das Licht reicht aber nicht so weit, deshalb können die Jungen und Mädchen ihre Taschenlampen gut gebrauchen. Früher gab es auch Strom im Bunker.

Wenn die Leute im Bunker saßen, bekamen sie Luft durch die kleinen Luftöffnungen in der Wand. Durch sie kann man jetzt auch noch den Lärm der Baustelle auf dem Nachbargelände hören. Wenn es einen Gasangriff gab, konnte man die Luftöffnungen verschließen. Um trotzdem Luft zu bekommen, kamen dann die Belüfteranlagen zum Einsatz, die noch in jedem Stockwerk stehen.

Nur ganz wenige wurden mit Strom betrieben. Wenn der Strom ausgefallen war, mussten die Menschen die Pumpen mit der Hand betätigen, um frische Luft zu bekommen. Das dürfen einige Kinder auch ausprobieren, es ist anstrengend, funktioniert aber noch!

In einem Schacht in der Mitte des Bunkers gibt es sogar Toiletten, die man immer noch sehen kann.

Am besten gefällt den meisten Kindern der Balkon, von dem aus man einen schönen Ausblick auf den Parkplatz der WERKStadt hat. Hier konnten die Menschen früher auch nach draußen sehen. Schaut man von draußen auf den Bunker, sieht der Balkon aus wie zwei Fensteröffnungen in der Wand.

Limburg wurde in den Jahren 1944/45 14 Mal von Flugzeugen angegriffen, die Bomben abwarfen. Der schlimmste Angriff war an Palmsonntag 1945 auf das Bahnausbesserungswerk, bei dem sehr viel zerstört wurde. Obwohl auch einmal eine Bombe auf den Bunker fiel, ist er nicht kaputtgegangen, sondern es wurde nur die Spitze etwas verformt. Würde heute eine moderne Bombe auf den Bunker fallen, würde er dadurch aber zerstört werden.

Nach dem Krieg haben die Amerikaner versucht, den Bunker abzureißen. Da er aber noch sehr stabil ist, haben sie es nicht geschafft und deshalb steht er heute noch da. Inzwischen ist er ein Industriedenkmal und darf nicht mehr abgerissen werden. Heute ist der Spitzbunker in Privatbesitz, er gehört der Feuerwerk GmbH. Nur wenige dürfen überhaupt in den Bunker. Zum Glück haben die Kinder aus Offheim es erlaubt bekommen!

Die Autoren und Fotografen der Klasse 4b: Adelisa, Marie, Olaf, Dalila, Leonard, Mert, Maximilian, Étienne, Marie-Claire, Leoni, Luisa, Noah, Lukas

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen