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Immer an der Lahn lang

Die perfekte Runde für Einsteiger. Auf gerade mal zehn Kilometern wird der Ausflügler entlang der Lahn zwischen Runkel und Villmar mit allem verwöhnt, was das Wandern zum Erlebnis macht. Eine Reise in die Erdgeschichte inklusive.
Immer an der Lahn entlang führt diese Wandertour mit Taunuszeitung-Redakteur Stefan Jung. Immer an der Lahn entlang führt diese Wandertour mit Taunuszeitung-Redakteur Stefan Jung.
Paddeln, Rudern, Motorboot fahren: die Lahn genießt bei Wassersportlern schon lange einen ausgezeichneten Ruf. Aber Tauchen? Heutzutage mag das bei einer Wassertiefe von wenigen Metern zwar wenig reizvoll erscheinen. Es gab aber eine Zeit, da wäre die Lahn womöglich schon ein reizvolles Habitat für Schnorchler gewesen mit karibischen Korallenriffen, 24 Grad warmem Wasser, äquatorialem Klima einzig die damals allgegenwärtigen Feuerspucker hätten das Badevergnügen wohl doch empfindlich gestört.
 

 

 

 

Wann diese Zeit war und was heute vom Tauchrevier Lahn noch übrig ist, diesen Fragen geht der FNP-Scout bei dieser Tour auf den Grund. Allerdings nicht in Badehosen und mit Taucherflossen, sondern wie nicht anders zu erwarten im Wanderoutfit mit entsprechendem Schuhwerk. Denn, auch wenn die bevorstehende Runde von Runkel nach Villmar und wieder zurück mit rund 10 Kilometern die kürzeste in dieser Serie sein wird, so gibt es entlang des Weges doch Auf- und Abstiege auf schmalen Pfaden, bei denen ein fester Tritt von Vorteil ist.
 
Vom Startpunkt am Bahnhof Runkel geht es mit Erreichen der Schadecker Straße zunächst nach rechts und ein kleines Stück bergan. Aber wirklich nur ein kleines Stück. Deshalb heißt es auch: Augen auf, sonst läuft man Gefahr, zwischen den Häuserreihen den schmalen Treppenaufgang zu übersehen, der den Wanderer nach rechts und an den Amtsgärten vorbei aus Runkel hinausführt. Schon früh und danach immer wieder und in großer Zahl machen sich ein rotes S und das LW als Zeichen des Lahnwanderweges bemerkbar. Verlaufen ausgeschlossen. Die Ausschilderung ist zumindest bis Villmar perfekt. Zudem gibt es da ja rechter Hand noch einen anderen, unübersehbaren Orientierungspunkt: die Lahn.
 
Während der Wanderer in Höhe der katholischen Kirche in den schmalen Pfad einsteigt und sich im stetigen Wechsel von auf und ab voranbringt, mäandert der Strom ganz beschaulich am Fuße des Steilhangs entlang, begleitet von den Gleisen der Lahntalbahn und dem Leinpfad. Diente der in früheren Zeiten dazu, Lastkähne an der straffen Leine stromaufwärts zu ziehen, sind es heute Radler und Nordic-Walker, die hier ihre Muskeln spielen lassen.
 
Das alles lässt sich im entspannten Spazierschritt bestens beobachten. Schließlich ist der Weg nicht nur angenehm zu gehen, sondern bietet überdies noch eine Reihe reizvoller Aussichtspunkte, darunter der Dr.-Otto-Bruchhäuser-Tempel, der schon kurz hinter Runkel wartet.
 
Für ein Päuschen ist es hier natürlich noch zu früh. Zumal der Weg auch in der Folge dem Wanderer keine Höchstleistungen abverlangt. Zunächst noch an der Lahn entlang, weisen die Markierungen nach einer Weile nach links und hangaufwärts vom Flusslauf weg. Die Strecke verändert hier vollends ihr Gesicht. Weite Felder und Äcker kommen in den Blick, an deren Saum es voran- und in ein Waldstück hineingeht. So dicht der Baumbestand, so überraschend ist der Ausblick, der sich dem Spaziergänger bietet, wenn er ein kleines Stück vom Weg abweicht und geradeaus ein Felsplateau ansteuert.
 
Hoch über der Lahn und mit perfekter Sicht auf das König-Konrad-Denkmal am gegenüberliegenden Ufer der Lahn, bietet eine Bank alles, was noch fehlt, um die Beine auszustrecken und die Seele baumeln zu lassen. So aufgelockert, kehrt der Wanderer zurück auf den Pfad und der Hanglage anschließend den Rücken.
 
Es geht bergab nach Villmar und geradewegs vor ein Hindernis, das sich so nur noch sehr selten an Bahngleisen aufbaut. Eine Anrufschranke legt sich als Schutz vor allzu unbedachten Versuchen, die Trasse der Lahntalbahn zu kreuzen, vehement quer. Sie aus dem Weg zu räumen, bedarf es allerdings nur eines Knopfdrucks. Schranke geht auf kündigt eine Stimme aus dem Lautsprecher knarrend an und soll Recht behalten.
 
Abtauchen ins Devon
 
Am Ufer der Lahn entlang und an der Schleuse vorbei, kommt auf der anderen Seite schon bald Villmar in Sicht. Bevor die Lahn jedoch überquert wird, steht erst noch das bereits angekündigte Abtauchen an. Es geht am kleinen Bahnhof vorbei, eine schmale Straße links nach oben und dann mit jedem Schritt in Richtung des Unica-Bruchs tiefer hinab in die Erdgeschichte und hinein in das Devon.
 
Vor rund 380 Millionen Jahren nämlich also in einer Zeit, in der die Kontinente noch eifrig damit beschäftigt waren, ihren gegenwärtigen Platz auf dem Globus zu finden lag die Region, die heute das Lahntal bildet, in Äquatornähe und so tief unter Wasser, dass sich hier tropische Korallen- und Schwammriffe bilden konnten.
 
Vom stark kalkhaltigen Wasser des Devonmeeres gestärkt und den unterseeischen Vulkanen kräftig angeheizt und rötlich eingefärbt, wurde hier der Grundstein für einen Luxus-Baustoff gelegt, der bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein weltweit große Nachfrage fand: der Lahn-Marmor.
 
Zugegeben folgt man der reinen Lehre, darf sich der Marmor von der Lahn nicht mit dem Namensvetter aus dem italienischen Carrara vergleichen, ist der Kollege aus Hessen doch nur ein polierfähiger Kalkstein. Doch wen kümmerts, da er doch so schön aussieht. Das dachten sich auch Bildhauer und Architekten zu Beginn des 20. Jahrhunderts und deshalb fand der Lahn-Marmor nicht nur Eingang in repräsentativen Bauten der Region, wie dem Weilburger Schloss, sondern wurde sogar zum globalen Exportschlager. Ob im Empire-State-Building in New York, im Kreml in Moskau oder im Palast des Maharadschas von Tagore überall dort und noch an vielen anderen Orten findet sich das Prunkstück.
 
Exportschlager Lahn-Marmor
 
Zwar sind die Glanzzeiten des Lahn-Marmors lange vorbei, wurde der Abbau auch in Villmar eingestellt. Der Steinbruch Unica wurde jedoch aufgelassen und lässt noch heute als Teil des Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus tief blicken in die Erdgeschichte. Dass der heimische Baustein auch darüber hinaus in der Umgebung noch immer höchste Wertschätzung genießt, merkt der Wanderer in der Folge auf Schritt und Tritt. Es geht über die Marmorbrücke, in den Ort hinein und hinauf zum Brunnenplatz, wo sich seit 2004 in einem schmucken Fachwerkhaus das Lahn-Marmor-Museum befindet.
 
In Villmar angekommen, empfiehlt sich ein kurzer Spaziergang durch den Marktflecken. Der Ort ist heute noch hübsch, überschaubar und früher offensichtlich kreuzkatholisch gewesen. Dafür sprechen die prächtige Pfarrkirche St. Peter und Paul und die Reste des alten Klosters, die nach wie vor daran erinnern, dass hier bis 1803 der Kurfürst von Trier und die Mönche von St. Euchar-Matthias das Sagen hatten.
 
Aus dem Ort hinaus und an der Lahn entlang führt der Rückweg nach Runkel auf die Spur eines Mannes, der an der Lahn und später dann auch im ganzen Land einiges zu sagen haben sollte: König Konrad. Wie hoch der ehemalige Graf des Lahngaus und spätere König des Ostfrankenreichs (911 bis 918) noch heute in seiner alten Heimat geschätzt wird, belegen die Widmungen. Da gibt es die König-Konrad-Halle, die gleichnamige Straße und vor allem natürlich das Denkmal. Das erreicht der Wanderer problemlos, wenn er am Parkplatz hinter der Veranstaltungshalle die Straßenseite wechselt und sich, dem roten S folgend den Hang hinaufkämpft. Oben angekommen, immer weiter geradeaus führt der Weg direkt zum Denkmal, das von Ludwig Cauer geschaffen 1894 auf dem Bodenstein eingeweiht wurde. Von hier oben genießt die stattliche Herrschergestalt, dessen Regierungsbilanz vor über 1000 Jahren weit weniger prächtig ausfiel, eine herrliche Aussicht über die Lahn.
 
In memoriam: König Konrad
 
Die verschwindet danach allerdings aus dem Blick. Im Gefolge des S geht es ein kurzes Stück am Rande der L 3063 weiter, in einer großen Kurve dann mit Bedacht über die Straße hinweg, einen Hang hinauf und weiter durch die Felder. Vorausgesetzt, man möchte von den starren Vorgaben der Markierung mal etwas abweichen. Die nämlich weisen den Kurs am Waldrand vorbei. Letztlich sind beide Varianten gangbar führen sie doch zum gleichen Zwischenziel, einem Waldstück durch das hindurch und hinunter der Wanderer sich wieder der Lahn annähert. In Sichtweite des Ufers zieht der Weg dann aber doch noch mal an und nach links einen letzten Steilhang hinauf.
 
Was jetzt noch kommt, ist entspanntes Auspendeln. Erst ein gemütlicher Spaziergang durch das Runkeler Neubaugebiet bis zur Kreisstraße und dort dann nach links Kurs auf den Ortsrand nehmen, bleibt auf dem folgenden Waldweg ausreichend Gelegenheit, durchzuschnaufen und sich auf den abschließenden Höhepunkt der Tour, die Burg Runkel, einzustimmen.
 
Einst Sitz der Grafen und späteren Fürsten zu Wied-Runkel haben die alten Mauern schon viele Blaublüter und illustre Besucher kommen und gehen sehen. Von einigen dieser Damen und Herren, von ihrem Leben, aber auch von ihrem nicht immer ganz freiwilligen Ende man denke nur an den 1706 von seinem Vetter im Streit erschossenen Grafen Maximilian-Heinrich erzählt das burgeigene Museum.
 
Wie so oft gilt auch hier: Die malerisch an den Stromschnellen der Lahn gelegene Feste mit ihren Kammern und Kemenaten, ihren labyrinthartigen Gängen und dem ersteigenswerten Bergfried lohnt an sich schon einen Besuch und ganz sicher die Rückkehr nach Runkel.

Strecken-Info:

Schwierigkeit: leicht
Strecke: 10,4 Kilometer
Aufstieg: 252 Meter
Abstieg: 253 Meter
Dauer: ca. 2:50 Stunden
Niedrigster Punkt: 114 Meter
Höchster Punkt: 171Meter
Start- und Zielpunkt der Tour:
Bahnhof Runkel
Wegbeschreibung
Leichte Wanderstrecke familien- und kindgerecht mit wenigen Steigungen, etwa 10 Kilometer an der Lahn entlang, mit Erlebnischarakter.
Ausrüstung
Leichter Rucksack mit leichtem Proviant. Einkehrmöglichkeiten in Runkel und Villmar.
Anfahrt
Mit dem Auto: Über die Autobahn 3 aus Richtung Frankfurt nach Norden bis Limburg oder Limburg-Süd und weiter nach Runkel.
Parken
Rund um den Bahnhof Runkel.
Öffentliche Verkehrsmittel
Mit der Bahn: Mit der Hessischen Landesbahn von Frankfurt aus direkt nach Runkel. Oder von Frankfurt aus mit der Regionalbahn nach Gießen und von dort aus mit der Hessischen Landesbahn nach Runkel. Fahrplanauskunft über www.rmv.de. Informationen zu dieser Tour online auf www.fnp.de/tourenplaner/
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