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Limes: Die Tour für Grenzgänger

Für Grenzgänger mit einem Faible fürs alte Rom ist der Limeserlebnispfad wie geschaffen. Vom Roten Kreuz über Feldberg und Sandplacken bis zur Saalburg führt der Qualitätswanderweg quer durch den Taunus und hinein in die Antike.
Die Saalburg – rekonstruiert auf Befehl Kaiser Wilhelms II. ist eines der meistbesuchten Ausflugsziele im Taunus. Foto: Saalburg Die Saalburg – rekonstruiert auf Befehl Kaiser Wilhelms II. ist eines der meistbesuchten Ausflugsziele im Taunus. Foto: Saalburg
Weltkulturerbe wie das schon klingt, nach Pracht, nach Geschichte, nach den großen Errungenschaften der Menschheit. Vor dem geistigen Auge tauchen die mächtigen Pyramiden von Gizeh auf, bringen sich die schneeweißen Kuppeln des Taj Mahal in Erinnerung. Wie passt dazu dieser bemooste Mauerrest, der sich rechts in den Taunuswald duckt, wie der Erdwall, auf dem sich schon Pioniergehölze und Unkraut breit gemacht haben? Kurze Antwort: Bestens!
 

Man mag es auf den ersten Blick nicht so recht glauben, aber dass der Obergermanisch-Rätische-Limes (ORL) 2005 in den Stand eines Weltkulturerbes erhoben wurde, hat durchaus seine Berechtigung. Der antike Grenzwall, der vom Ende des 1. bis Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus das Römische Reich vom kalten, wilden, aber freien Germanien trennte, muss rückblickend als aus Stein, Holz und Erde geschaffene Zäsur in der Menschheitsgeschichte gesehen werden mit epochaler Wirkkraft.
 
Beispiele dafür finden sich einige entlang des rund 30 Kilometer langen Limeserlebnispfades. 2008 aus der Taufe gehoben, führt der den passionierten Grenzgänger auf seinem Weg über den Taunuskamm hinweg mitten hinein in die Geschichte des römischen Imperiums. Ein anspruchsvolles Stück Historie, das schwerlich in einem Rutsch zu schaffen ist.
 
Da gilt es, sich eine besonders schöne wie auch exemplarische Wanderung herauszupicken. Und welche Tour könnte sich da besser eignen, als die, die mit dem Großen Feldberg wie auch der Saalburg gleich zwei der größten Sehenswürdigkeiten des Taunus vereint und darüber hinaus dem Spaziergänger einen Weg zu Füßen legt, der hohen Anforderungen gerecht wird? Anfang des Jahres mit dem Prädikat Qualitätswanderweg bedacht, ist der Pfad offiziell der einzige dieser Güte im Naturpark Hochtaunus.
 
Doch genug der Vorrede. Auf geht es in medias res, wie der Lateiner sagt. Startpunkt ist das Rote Kreuz eine Straßenkreuzung am Fuße des Feldbergs, die schon in der Antike als Passstraße von hoher Bedeutung in den unwirtlichen Höhen des Taunus war. Davon zeugen die Reste des Feldbergkastells, der einst höchstgelegenen Garnison, die das Imperium Romanum entlang des 550 Kilometer langen und vom Rhein bei Bonn bis zur Donau reichenden Obergermanisch-Rätischen-Limes unterhielt.
 
Verfehlen kann man die ersten Zeugnisse der antiken Grenzanlage entlang des Weges auf keinen Fall. Dafür sorgt schon ein kleiner schwarzer Turm, dem der Wanderer überall auf dem Limeserlebnispfad begegnet. Das Piktogramm eines römischen Wachturms ist das Markenzeichen des Pfades, gibt perfekt den Weg vor.
 
Römischer Baukasten
 
Im konkreten Fall führt der vom Wanderparkplatz Heidenkirche nur wenige hundert Meter nach oben und zu den Fundamenten des Feldbergkastells. Info-Tafeln erzählen hier von der Geschichte des Militärlagers, das in seinem Aufbau mehr als typisch ist, für die Art, wie die Römer die Anlagen am Limes sukzessive ausbauten. Man kann schon sagen, dass die alten Lateiner einer Art Baukastensystem folgten, das sie an die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Region anpassten.
 
In dem Numeruskastell im Taunus waren es rund 160 Soldaten aus dem heutigen Ungarn, die am Limes Dienst taten. Aus Ungarn? Was paradox erscheint, hatte im Römischen Reich gleichermaßen System wie der Baukasten. Der zur Weltmacht aufgestiegene Stadtstaat am Tiber übertrug die Kontrolle seiner Grenzen gerade in Germanien an Hilfstruppen, die in anderen Teilen des Imperiums rekrutiert worden waren. Ohne diese sogenannten Auxiliar-Einheiten hätten die Römer nie ihr riesiges Reich beherrschen können.
 
Die Soldaten an der Grenze hatten in den vielen Wachtürmen entlang des Limes zwar ein eher karges Dasein zu fristen. In den größeren Lagern jedoch hatten sie es sich durchaus behaglich eingerichtet sogar am Fuße des Feldbergs. Davon zeugen die Hinweise auf das Vicus, das Lagerdorf, wie auch die Reste der römischen Badeanlagen, die nicht nur in kalten Taunus-Wintertagen Wärme und Wohlgefühl garantierten.
 
Gespeist wurden die Bäder und vieles mehr mit Wasser aus der Quelle der Weil, die nur ein paar Schritte oberhalb des Kastells im Steilhang des Großen Feldbergs entspringt und das nächste Zwischenziel auf dieser Tour ist.
 
Vorausgesetzt, man wagt den Sturm auf den mit 881 Metern höchsten Gipfel des Taunus. Zu empfehlen ist das auf jeden Fall, ist die Aussicht von dort oben doch fantastisch. Wer allerdings doch lieber einen Bogen um den mächtigen Kerl machen möchte, der marschiert vom Feldbergkastell aus einfach immer weiter dem schwarzen Turm hinterher und um den Berg herum.
 
Für diejenigen, die den Feldberg bezwingen wollen, gilt dagegen, kurz Abschied zu nehmen vom Erlebnispfad und dem Plateau entgegenzusteigen. Vorbei an der von hölzernen Wassergeistern bewachten Weilquelle und stetig bergauf übernimmt in der Folge ein blaues Andreaskreuz die Führung. Das Wegzeichen des Europäischen Fernwanderwegs E3 geleitet den Gipfelstürmer zielsicher durch dichten Wald hinauf.
 
Frankfurts Hausberg
 
Oben angekommen, wird der Wanderer mit allem belohnt, was den Frankfurter Hausberg zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in Rhein-Main macht: Falknerei, Gastronomie und Aussichtstürme. Statistiken weisen aus, dass jährlich etwa eine Million Menschen hinauf zum Feldberg kommen mit dem Auto, dem Bus, dem Motor- oder Fahrrad, aber eben auch zu Fuß. Letzteres schon seit Jahrhunderten, ja vielleicht sogar Jahrtausenden.
 
Zumindest könnte das der sogenannte Brunhildisfels vermuten lassen. Am Rande des Plateaus gelegen und mit einem herrlichen Fernblick gesegnet, geht die Sage, dass Brünhild, die widerborstige Gattin des Burgunderkönigs Gunter, unter dem Fels ein Schläfchen gehalten hat. Ob es so war wer weiß?
 
Was man auf jeden Fall weiß, ist, dass Goethe schon hier oben war. Bekannt ist auch, dass einige Frankfurter Frischluft-Freunde hier oben 1868 den Taunusklub aus der Taufe gehoben haben. Als ältester deutscher Wanderverein mit eigenem Aussichtsturm auf dem Feldberg haben es sich seine Mitglieder unter anderem zur Aufgabe gemacht, die Wanderwege so auszuschildern, dass sich auch weniger erfahrene Spaziergänger problemlos orientieren können. Eine anspruchsvolle Aufgabe, bedenkt man, wie viele Wege allein auf und um den Feldberg führen.
 
Entsprechend groß ist auch die Zahl der Wanderzeichen, die auf dem Gipfel ihre Dienste anbieten. Den Zuschlag erhält neuerlich das blaue Andreaskreuz, das den Wanderer im Schatten des mächtigen Funkturms am Rande des Plateaus entlang und vom Gipfel steil, aber nicht zu steil hinunterführt.
 
Der Wall als Richtschnur
 
An der ersten großen Kreuzung unterhalb des Taunus-Riesen angekommen, meldet sich dann auch schon wieder der schwarze Turm zurück, stößt der Wanderer schon wieder auf den Limeserlebnispfad, den er von hieran nicht mehr verlassen wird. Parallel zur Landesstraße 3024 geht es voran und das ganz entspannt.
 
Eine Grundhaltung, die der Wanderer bis zum Ziel weitgehend beibehalten kann. Durch dichten Wald kann der Wanderer dabei den Verlauf des Limes noch recht gut nachvollziehen. Nach über 1800 Jahren ist der alte Erdwall immer noch gut zur Rechten zu erkennen. Er wird bis zum Ziel steter Begleiter und imposante Richtschnur auf dem Weg zur Saalburg sein.
 
Graben und Palisadenwand, die ebenfalls zur letzten Ausbaustufe des Limes zählten, sind im Unterschied zum Wall zwar nicht mehr zu entdecken. In Gemarkungsnamen jedoch ist die Geschichte erhalten geblieben. Pfahlgraben heißt zum Beispiel der Parkplatz, den der Wanderer auf seinem Weg zum Sandplacken passiert.
 
Hat man den erreicht, ist die Frage durchaus angebracht, ob man sich eine kurze Rast gönnt. Denn bis zum Ziel sind die beiden Ausflugslokale links und rechts der im Volksmund Kanonenstraße genannten Landesstraße 3004 die letzten Einkehrmöglichkeiten.
 
Was folgt, ist eine schöne und zudem überaus geradlinige Tour durch den typischen Taunus-Mischwald mit mal mehr mal minder deutlichen Hinweisen auf die römische Vergangenheit. Das gilt für die konservierten Fundamente des Kleinkastells Altes Jagdhaus ebenso wie für den Limeswall, der zunächst noch treu zur Seite liegt, dann aber doch mit einem Mal verschwindet. Warum?
 
Professor Egon Schallmayer, ausgewiesener Limes-Kenner, Chef der Saalburg und Hessens Landesarchäologe geht davon aus, dass die Limespassage zwischen Jagdhaus und Klingenkopf die einzige im ganzen Taunus war, an der es keine Kombination aus Wall und Graben gab, sondern eine steinerne Mauer. Die Römer, so Schallmayer, hatten sich am harten Taunusquarzit im Boden an dieser Stelle schlicht die Zähne ausgebissen und auf das Ausheben eines Grabens verzichtet.
 
Vorbei an den Resten des Kleinkastells Heidenstock will der Limeserlebnispfad in der Folge dann doch noch einmal zeigen, dass er auch Steigung kann. Es geht beständig, aber keineswegs beängstigend hinauf zum Rosskopf, einer mit 632,40 Metern recht ansehnlichen Erhebung.
 
Duckt sich der Limeswall entlang dieser Passage wieder ab, schimmert dafür zur Linken das Usinger Land durch die Baumreihen. Dem malerischen Gang durch den Buchenwald folgt ein ansehnlicher Abstieg, der an feuchten Tagen schon mal glitschig werden kann. Da heißt es, achtsam immer einen Fuß vor den anderen setzen.
 
Ist man sicher unten angekommen, zieht es den Wanderer jetzt mit aller Macht weiter in Richtung Saalburg. Ein Ziel, das was nicht überrascht auch der Limeswall hat. Er hat längst wieder Anschluss an den Limeserlebnispfad gefunden und geleitet den Wanderer zu einer Lichtung und vorbei an Himbeer- und Brombeerhecken wieder in den dunklen Nadelwald hinein. Was jetzt noch kommt, ist rasch erzählt, geht es doch steil und schnell der Saalburg entgegen.
 
Wie zu Kaisers Zeiten
 
Am Rande der Bundesstraße 456 gelegen, rufen die mächtigen Mauern des einstigen Kohortenkastells noch heute die große Bedeutung in Erinnerung, die die alte Passstraße bereits in der Antike für die Menschen hatte. Sind es heute die Pendler aus dem Usinger Land, die über die Saalburg fahren, um zu ihren Arbeitsplätzen in Frankfurt zu gelangen, so waren es zur Römerzeit nicht zuletzt germanische Händler und Bauern, die den Durchgang nutzten, um ihre Waren auf der römischen Seite des Limes feilzubieten.
 
Übrigens: Dass die Saalburg so aussieht, als habe sie die Stürme der Zeit unbeschadet überstanden, ist einem Mann zu verdanken, dessen Platz in der jüngeren deutschen Geschichte durchaus umstritten ist: Kaiser Wilhelm II. Auf Anregung des Bad Homburger Architekten Louis Jacobi hatte der Ende des 19. Jahrhunderts den Befehl gegeben, das Kastell, in dem einst rund 500 Grenzsoldaten einkaserniert waren, nach antikem Vorbild wieder aufzubauen. Der Imperator der Neuzeit legte damit den Grundstein für das, was heute eines der beliebtesten und lehrreichsten Ausflugsziele Hessens ist. Alljährlich pilgern rund 130 000 Zeitreisende hinauf auf den Taunuskamm und hinein in die Antike. Groß und Klein finden hier Antworten auf viele Fragen rund um die Römerzeit, bekommen das Leben und Dienen am Grenzwall zu fassen und zum Anfassen.
 
Eine Frage, aber muss jeder Wanderer sich an dieser Stelle selbst beantworten: Wie geht es jetzt weiter, und vor allem nach Hause? Vertraut man, was empfehlenswert ist, auf den ÖPNV, bieten sich zwei Optionen: Entweder besteigt man direkt an der Saalburg einen Bus nach Bad Homburg oder aber man steuert den Bahnhof Saalburg an.
 
Für den Fall stehen zwei, drei gut zu bewältigende Extra-Kilometer an. Von der Saalburg aus mittels der Fußgängerbrücke über die Bundesstraße hinweg, führt der schwarze Turm des Limeserlebnispfades problemlos zunächst parallel zur Straße Richtung Usinger Land und dann nach rechts durch den Wald hinunter ins Köpperner Tal. Hat man hier die Landesstraße 3041 dank einer Unterführung gefahrlos passiert, geht es am Freizeitpark Lochmühle vorbei und justament zum Haltepunkt der Taunusbahn, die den Wanderer zwischen den Welten aus der Antike wieder zurück in die Gegenwart befördert.

Streckenverlauf:

Schwierigkeit: leicht bis mittel
Dauer: 4,24 Std.
Strecke: 15,3 km
Aufstieg: 263 m
Abstieg: 656 m
Höchster Punkt: 874 m
Tiefster Punkt: 287 m
Startpunkt der Tour: Rotes Kreuz Glashütten
Ziel der Tour: Saalburg Bad Homburg

Wegbeschreibung
Gut ausgebauter Wanderweg. Malerische Pfade durch grüne Täler und teils recht steiler Anstieg.
Ausrüstung
Rucksack, feste Wanderschuhe, Proviant und Getränke. Genügend Einkehrmöglichkeit.
Anfahrt
Mit dem Auto: Aus Richtung Frankfurt kommend über die A 5 oder B 3 in den Taunus.
Parken
Am Roten Kreuz.
Öffentliche Verkehrsmittel
Mehrere Buslinien von Königstein (Bahnhof) nach Schmitten-Niederreifenberg, Rotes Kreuz.
Von Frankfurt aus mit der S4 nach Kronberg, dort weiter mit dem Bus 261 nach Königstein und vor dort aus mit dem Bus 57 zum Roten Kreuz. Von Frankfurt-Höchst mit der Hessischen Landesbahn nach Königstein, dann weiter mit dem Bus zum Roten Kreuz.
Alle Touren online: www.fnp.de/tourenplaner/


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