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Schöne Aussichten im Usinger Land

Mit der FNP ins Usinger Land: Vom Hotel Erbismühle in Altweilnau wandern Sie 16 Kilometer auf einem der schönsten Wanderwege der Republik. Der Weiltalweg führt Sie durch das Finsterthal hinauf zum Pferdskopf.
Gerade im Sommer ist die eine Pracht, die Wildblumenwiese oberhalb von Finsternthal. Mit den bewaldeten Hängen des Taunus im Hintergrund zeigt sich hier das Mittelgebirge von seiner schönsten Seite. Foto: Jung Bilder > Gerade im Sommer ist die eine Pracht, die Wildblumenwiese oberhalb von Finsternthal. Mit den bewaldeten Hängen des Taunus im Hintergrund zeigt sich hier das Mittelgebirge von seiner schönsten Seite. Foto: Jung
Usingen. 

Willkommen auf dem Weiltalweg, einem der schönsten Wanderwege der Republik! Als solchen zumindest bewirbt der Naturpark Taunus jenen Vorzeigepfad, der das kleine Flüsschen Weil über 48 Kilometer von seiner Quelle im Taunushang bei Schmitten bis hinab zu seiner Mündung in die Lahn begleitet. Und die Macher des Naturparks nehmen den Mund damit sicher nicht zu voll. Eine sanft durchs Tal gleitende Trittfläche, sattgrüne Wiesen, dazu das romantische Rauschen des Wassers und des Waldes im Ohr - das klingt nach feinstem Futter für die Wanderstiefel.

Bilderstrecke Wanderserie Tour 3: Rauf zum Pferdskopf
Der dritte Teil unserer Wanderserie führt ins Weiltal. Ein wenig Kondition sollte mitbringen, wer einen der Höhepunkte des Usinger Landes ersteigen will. Fotos: Stefan Jung

Doch was macht der FNP-Scout? Der dreht dem Weiltalweg, kaum dass er an der Erbismühle und damit am Ausgangspunkt angekommen ist, schnöde den Rücken zu und schickt den Wanderer in entgegengesetzter Richtung: Raus aus dem grünen Tal, rein in den dunklen Wald und rauf an den Berg. Warum das? Die Antwort wartet auf 662 Metern Höhe!

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Wer nach dieser Ansage bereits versucht ist, die heutige Tour zum Pferdskopf gar nicht erst anzutreten, begeht einen Fehler. Ja, diese Wanderung wird für die Beine ein wenig arbeitsintensiver. Da führt im wahrsten Sinne des Wortes kein Weg dran vorbei. Doch es lohnt sich. Zudem wird es längst nicht so steil, wie ein Blick aus dem Tal hinauf zum Gipfel befürchten lässt. Der Wanderer kann also getrost darauf verzichten, sich im benachbarten Sporthotel Erbismühle, einem bekannten Trainings-Quartier für Bundesliga-Kicker, einzuquartieren.

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Für den Aufstieg, der hier angepeilt wird, bedarf es weder eines Basiscamps noch eines Höhentrainingslagers. Einzig ein bisschen Kondition und Durchhaltevermögen sind gefragt - dann geht das wie von selbst. Also los!

 

Die Weil wächst noch

 

Vom Parkplatz aus die Straßenseite wechseln und dann an der Erbismühle vorbei wieder ein Stück zurück in Richtung der Bundesstraße 275 wartet bereits der nicht übersehbare Abzweig in Richtung des Flusses. Nur um nicht gleich zu große Erwartungen zu wecken, sei gesagt: Die Weil wächst noch. Der gemeinhin wasserreichste Fluss des Taunus schleppt sich gerade an heißen Tagen hier eher mühevoll dahin, als dass er munter fließt.

Und dennoch kann der Wanderer froh sein, dass ihm eine Brücke ihre Dienste anträgt und ihn ans andere Ufer bringt. Dort angekommen, geht es leicht bergauf in Richtung des Ortsrands von Neuweilnau, um an der nächsten Gabelung scharf nach links abzubiegen und nun mit Macht dem Wald entgegen zu streben.

In Höhe des örtlichen Friedhofs noch kurz und mit gebotener Vorsicht über die B 275 - dann ist der Schutz der Bäume erreicht. Der Aufstieg zum Gipfel kann beginnen - stetig, aber noch gemächlich. Jetzt noch schnell ein Wanderzeichen finden, dass einem Geleit gibt - das ist hier der springende Punkt, und der wiederum ist schwarz.

 

Der Pferdskopf-Turm: Mit seinen 34 Metern bietet er Höhentauglichen einen tollen Blick über das Weiltal. Bild-Zoom
Der Pferdskopf-Turm: Mit seinen 34 Metern bietet er Höhentauglichen einen tollen Blick über das Weiltal.
An Bäume und Pfähle genagelt von den fleißigen Ehrenamtlern des Taunusklubs bleibt der schwarze Punkt für ein sehr langes Stück des Weges ein treuer Begleiter. Wie das wohl unsere Vorfahren vor einigen hundert Jahren gemacht haben mit der Orientierung im Wald? Schließlich war der damals doch noch um einiges dichter als heute.

Während sich der Wanderer weiter nach oben arbeitet, kann er sich ja mal die Wegzeichen wegdenken und sich den Wald ein wenig düsterer ausmalen. Dann bekommt er eine ganz gute Idee davon, warum sich auf der Karte Namen finden, die so auch in einen Schauerroman von Edgar Allan Poe passen könnten: Hexentisch, Wolfsküppel, Finsternthal.

Na, schleicht sich da ein mulmiges Gefühl von hinten heran? Wie wäre es mit ein bisschen pfeifen im Walde? Nein, keine Sorge. Der Weg im Zeichen des schwarzen Punktes hat heute nichts, aber auch gar nichts mehr von einer natürlich gewachsenen Geisterbahn. Einzig beim Verlassen des Waldes könnten zarte Seelen ein wenig Gänsehaut bekommen. Dann aber nicht aus Furcht, sondern ob ihrer Begeisterung.

Der Blick vom Waldrand aus über Felder, Wiesen und den Ort Finsternthal hinweg zu den dicht bewaldeten Hängen des Taunus hat schon etwas Erhebendes - im Mittelgebirgs-Maßstab versteht sich. Bitte stets daran denken: Wir stehen nicht am Fuße von Watzmann und Großglockner, sondern immer noch vor dem Pferdskopf.

 

Gäste aus den Anden

 

Der grüßt übrigens schon mal freundlich von links und gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Und das ist einiges. Wie gerne würde man jetzt mit den Vierbeinern tauschen, die gleich nebenan auf ihrer Weide stehen und vermutlich bis hinauf zum Pferdskopf spucken könnten. Die spitzlippigen Gäste aus den peruanischen Anden stehen jedoch in diesem Fall weder als Reit- noch als Packtier zur Verfügung. Der Wanderer ist auf die eigenen Beine angewiesen.

Leider bleibt dem Wanderer im Herbst an dieser Stelle ein echter Naturgenuss vorenthalten. Die Wildblumenwiese, die hier im Sommer ihre ganze Pracht entfaltet, hat doch bereits ihre Blütezeit hinter sich. Unabhängig von der Jahreszeit allerdings gilt hier die eherne Regel: Nur gucken, nicht abpflücken. Schließlich sollen sich möglichst viele Spaziergänger am Anblick erfreuen können.

 

Bild-Zoom
In Finsternthal angekommen, dürfte der Wanderer durchaus positiv überrascht sein. Wohl nur selten ist „Nomen“ weniger „Omen“. Von wegen finster. Der Weilroder Ortsteil präsentiert sich hübsch herausgeputzt, der kleine Dorfplatz mit Brunnen und Rathaus hat sogar Bilderbuch-Qualitäten. Allzu viele Seiten dürfte ein Bildband über Finsternthal allerdings nicht zum Blättern bieten. In diesem engen Tal, in das sich die Vorfahren der heute rund 200 Einwohner hineingezwängt haben, ist eben alles etwas überschaubarer, zierlicher. Dafür steht das Dorfgemeinschaftshaus, das beim Verlassen des Ortes passiert wird, geradezu exemplarisch. Wer hier von der „Gut Stubb“ spricht, ist bei den Abmessungen durchaus beim Wort zu nehmen.

Zunächst noch ein kurzes Stück auf der Schmitter Straße, springt der schwarze Punkt mit einem Mal nach links und den Berg hinauf. Jetzt beginnt er also: der eigentliche Aufstieg. Von hieran heißt es, Kräfte einteilen, dann anhalten und verschnaufen, wenn es erforderlich scheint und ansonsten einfach einen Schritt vor den nächsten setzen. Und das ist gar nicht so schwer. Der Weg nämlich ist gut ausgebaut, die Steigung durchaus verkraftbar und das Drumherum eine willkommene Ablenkung.

 

Lieber ein paar Meter mehr

 

Je höher es geht, desto eher stellt sich natürlich die Frage: Wie lange denn noch? Und damit steigt dann auch die Bereitschaft, auf der Karte und links im Hang nach Pfaden und Abkürzungen hin zum Gipfel zu suchen. Dass es die gibt, ist klar. Dass wir sie an dieser Stelle nicht gehen auch. Lieber eins, zwei Kilometer mehr - dafür aber auf einem Wanderweg, der diesen Namen verdient und etwas gemächlicher ansteigt. Denn auch der führt ans Ziel. Zunächst ist Abschied nehmen angesagt - vom schwarzen Punkt. Am „Weißen Stein“, einer großen Kreuzung samt Schutzhütte, wird umgesattelt. Ein blauer Schmetterling fliegt nach linksund zieht den Wanderer mit sich.

Der verlässt zumindest für einen Moment den Schutz des Waldes und passiert eine breite Lichtung, die ein Sturm offensichtlich freigeräumt hat, um Fingerhut und anderen Blumen ein wenig Platz zum Atmen und Blühen zu verschaffen. Kaum zurück im Wald, schließt sich der blickdichte Vorhang aus Stämmen und Blattwerk zu beiden Seiten des Weges wieder. Mit einer schönen Ausnahme zur Rechten, an der sich die Baumreihen eine Blöße geben. Blumen, Wiesen und Taunushöhen soweit das Auge reicht. Von hieraus sind es gerade mal noch 1200 Meter bis zum Pferdskopf. Gleich ist’s also geschafft. Doch sollten jetzt bei keinem die Gäule durchgehen.

Wer sich nicht im Zaum hält und voran prescht, dessen Temperament wird spätestens auf den letzten 500 Metern gezügelt. Am Abzweig zum Aussichtsturm geht es nämlich noch mal merklich bergan und in die Beine. Oben angekommen, wird der Wanderer dann aber auch belohnt. Vom 34 Meter hohen Turm aus soll man eine fantastische Fernsicht weit über das Weiltal hinweg bis hinauf zur Lahn haben. Das hat der höhenängstige FNP-Scout zumindest gehört.

 

Die Sache mit der Höhe

 

Damit auch die weniger Höhentauglichen noch zu ihrem Panorama-Blick kommen, gilt es, wieder den Abstieg einzuläuten. Dem Lockruf des schwarzen Andreaskreuzes, das unweit des Turms seine Reize ausspielt, sollte aber nur folgen, wer trittsicher ist. Zu hakelig ist der schmale Pfad an feuchten Herbsttagen.

Wer es sicherer mag, verlässt den Gipfel auf dem Weg, auf dem er hinaufgekommen ist, biegt dann nach links ab und kann mit Verlassen des Waldes dann auch wieder problemlos die Spur des Andreaskreuzes aufnehmen, das bis auf Weiteres den Weg vorgibt. Vorher noch ein letzter kurzer Blick in die Ferne, dann geht es hinein nach Treisberg, das St. Moritz des Weiltals.

Nun gut, der Vergleich war dann vielleicht doch ein wenig zu hoch angesetzt. Aber immerhin gibt es hier im Winter Schnee, einen Ski-Lift und außerdem einige Einkehrmöglichkeiten. Vielleicht eine willkommene Gelegenheit für eine kurze Rast? Wie sich der Wanderer auch entscheidet, ob er mit vollem Bauch oder leerem Magen die Tour fortsetzt - es geht auf jeden Fall mit ihm Berg ab.

 

Der Weg der Wege

 

Immer der Nase und dem Andreaskreuz nach geht es zurück in den Wald, schwingt der Wanderer wie auf Skiern zu Tal. Dort beinahe angekommen - links sind bereits das Forsthaus Landstein und die Kreisstraße 750 zu erkennen - weht der Herbstwind mit einem Mal eine ganz besondere Markierung in den Weg: Blauer Fluss auf grünem Eichenblatt - da ist er jetzt also doch noch: der Weiltalweg. Ihn gar nicht zu beschreiten, wäre nun wirklich ein Sakrileg gewesen, ihm gleich und blind zu folgen aber auch.

Erst nämlich muss noch ein Schlenker zur Landsteiner Mühle eingebaut werden. Und das nicht nur, weil in deren Mauern das weltweit einzige ApfelWeinBistrorant zu Hause ist, sondern auch weil nebenan die Mauern der alten Landsteiner Kirche zu sehen sind.

Viel haben die mordlüsternen Banden, die den Taunus während des Dreißigjährigen Krieges unsicher machten, nicht vom einstmaligen Gotteshaus übrig gelassen. Was blieb, ist der Turmstumpf und, so erzählt es eine Info-Tafel, eine eiserne Jungfrau namens „Susanne“. Was es mit der auf sich hat und warum sie heute in Oberursel zu Hause sein soll? Die Antwort erfährt, wer vorbeischaut.

Auch wenn dem glücklichen Wanderer keine Stunde schlägt, wird es dann doch mal Zeit, an den Rückweg zu denken. Dazu geht es wieder zurück zu der Stelle, an der das Zeichen des Weiltalweges wartet, dann hinüber über die Kreisstraße und immer an der Weil entlang zurück in Richtung des Ausgangspunktes. Ein Kinderspiel. Und doch wartet noch eine nicht ganz einfache Entscheidung auf den Wanderer. Das lässt ein Blick auf die Karte erahnen. Spätestens mit Erreichen des TaunusMobilCamps stellt sich die Frage: Noch mal richtig rauf oder einfach weiter geradeaus?

 

Noch ein „Höhepunkt“

 

Denn mit den Resten der Burg von Altweilnau und dem alten Torturm wartet eigentlich noch ein Höhepunkt, der diese Bezeichnung durchaus im doppelten Sinn verdient hat. Denn der Weg bis dahin zieht sich noch einmal ansehnlich. Also Hand aufs Herz: Wer hat noch Kraft in den Beinen und ausreichend Puste? Der überquert die Bundesstraße und marschiert rechts an der Weilnauer Straße entlang nach oben, schaut sich Altweilnau an und beendet die Tour über den Erbismühler Weg so, wie in der Karte vorgegeben.

Wem das jedoch dann doch eine Spur zu weit geht, der lässt sich weiter mit dem Eichenblatt des Weiltalweges treiben und kehrt am Ende auf dem Pfad, auf dem die Tour auch begonnen hat, zur Erbismühle zurück. Das ist an dieser Stelle wahrlich keine Schande.

Schade wäre es jedoch, auf den Besuch in Altweilnau und eine kurze Stippvisite in Neuweilnau ganz zu verzichten. Warum also nicht noch ein kurzer Zwischenstopp mit dem Auto, bevor es an die Heimfahrt geht.

 

Aufsatteln und rauf zum Pferdskopf

Man muss weder Hufe haben noch eine große Lunge, um den Pferdskopf zu erklimmen. Ein wenig Kondition sollte aber schon mitbringen, wer einen der Höhepunkte des Usinger Landes ersteigen will.

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Eine Stadt für neun Tage

Knapp 700 Einwohner, eine größere Kreuzung, an der sich eine Landes- und eine Kreisstraße treffen, dazu ein Rathaus ohne Bürgermeister - gemeinhin ist das der Stoff, aus dem die Dörfer der Gegenwart sind.

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