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Wandern im Lahntal

Die Frankfurter Neue Presse wandert mit Ihnen durch das Lahntal. Die 13,3 Kilometer lange Strecke führt Sie vom Mühlengrund nach Braunfels.
Schloss Braunfels - einfach märchenhaft. Foto: Jung Bilder > Schloss Braunfels - einfach märchenhaft. Foto: Jung
Lahntal. 

Wie der Prinz im Märchen muss auch der Wanderer sich den Einlass ins Schloss und damit seine Belohnung erst erarbeiten. Doch im Vergleich zu Drachen und Hexen ist unsere heutige Tour ein Spaziergang.



Als hätten die Gebrüder Grimm die Bauskizze geliefert, thront Schloss Braunfels hoch auf seinem Felsen. Zinnen bewehrt und über und über mit Türmen und Türmchen bestückt, hätte die verzweifelt der Rettung harrende Rapunzel hier die Qual der Wahl gehabt. Bergfried oder Erker, erster oder vierter Stock - sie hätte sich auf der Suche nach dem perfekten Platz wohl erst die Haare gerauft und sie dann heruntergelassen. Er ist aber einfach auch zu märchenhaft, dieser Traum von einem Schloss.

Und doch kehren wir auf der heutigen Tour der stolzen Feste erst einmal ganz nonchalant den Rücken zu - Rapunzel hin, Haare her.

Bilderstrecke Wanderserie Tour 9: Mühlengrund - Philippstein - Braunfels
Die neunte Tour unserer Wanderserie führt durch das Lahntal. Fotos: Stefan JungVom Mühlengrund geht es über Philippstein und Tiergarten bis nach Braunfels.In Braunfels scheint die Zeit auf ansprechende Weise vor 200 Jahren stehen geblieben zu sein. Das Schloss wie auch die Fachwerkkulisse der Altstadt sind auf dieser Tour ebenso sehenswert wie der Blick von der Ruine Philippstein.

Wie der Prinz im Märchen muss auch der Wanderer sich den Einlass ins Schloss und damit seine Belohnung erst erarbeiten. Während sich Grimms royale Lebensretter allerdings auf ihrem Weg zum Ziel schon mal mit Dornenhecken, Drachen und Hexen herumschlagen müssen, wird das, was hier wartet ein Spaziergang.

Und für den wird weder Schwert noch weißes Ross benötigt. Einzig festes Schuhwerk, ein wenig Zeit wie Kondition und etwas Orientierungssinn sind erforderlich, um sich den Weg zum Schloss freizukämpfen.

Vom Wander-Parkplatz an der Obermühle aus nach rechts, gibt ein grünes Eichenblatt den Weg vor. Vom Herbstwind getrieben, wirbelt es zunächst ein kurzes Stück an der K380 entlang in Richtung Tiefenbach. Doch schon am nächsten Abzweig bläst es das Blatt nach links. Also nichts wie hinterher. Vorbei an einem Hochbehälter zur Rechten breiten sich linker Hand die Teiche des Mühlengrundes aus.

 

Petri Schlaf!

 

Allein von zehn Betrieben am mittleren und unteren Lauf des Iserbachs sind heute noch die Namen bekannt. Gemahlen wird in ihnen aber schon lange nicht mehr. Es ist ruhig geworden im Mühlengrund. Genau das richtige Ambiente für die Fans des Fischens.

Getreu der alten Angler-Weisheit: „Morgens beißen die Fische am besten“, stehen viele von ihnen schon vor dem Wachwerden auf, fahren zum Großen Weiher, werfen ihre Ruten aus und mummeln sich anschließend in ihre Campingstühle ein. Als Wanderer mit Manieren stellt man sich da schon die Frage, welchen Gruß man entbietet: „Petri Heil“ oder doch besser „Schlaf schön“.

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Mit ihren bereiften Einzimmer-Wohnungen haben sich gleich nebenan die Camper an der Weihermühle aufgebaut und bilden die Kulisse für den nächsten Rechtsschwenk im Zeichen des grünen Eichenblatts. Es geht raus aus dem Mühlengrund und rauf in den Wald.

Die asphaltierte Lauffläche dafür bildet der Weiherstieg, der den Wanderer nach kurzer Bergetappe auch schon an die erste Weggabel und damit vor die erste Gewissensfrage stellt: Kinderleicht oder lieber etwas komplexer - wie hätten Sie’s denn gerne?

 

Leicht oder komplex

 

Lieber leicht - dann bleiben Sie einfach auf dem Weiherstieg. Stellen Sie sich in den Schutz des Heiligen Jakob, dessen Muschel von hieran ihr Zeichen sein wird, gehen sie am Waldrand parallel zur Landesstraße 3451 entlang und seien Sie versichert: Wir sehen uns schon bald wieder!

Tor für Tor geht es vom Schloss in die Braunfelser Alstadt.
Vom steinernen Bollwerk zum Vorzeige-Schloss

Wie aus einem Guss steht es da auf seiner Basaltkuppe, das Braunfelser Schloss. Der perfekte Wurf eines genialen Architekten - von wegen.

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Wer es dagegen mit dem FNP-Scout hält und ein wenig die Herausforderung sucht, der hält an diesem Abzweig dem Eichenblatt die Treue, biegt nach rechts ab und spaziert tiefer in den Wald hinein. Kurzer Stopp am Waldlehrpfad-Memorie - klar, das Blatt passt zur Buche, das zur Eiche, aber wie um alles in der Welt sieht das Blatt der Sal-Weide aus? Während man sich im Weitergehen die botanische Seite des Großhirns zermartert, darf man den einige hundert Meter wartenden Abzweig nicht verpassen.

In einer Kurve, in der das grüne Eichenblatt sich nach rechts wendet, wendet sich der Wanderer nicht mit Grausen, aber doch mit Verve nach links ab und steigt einen nicht markierten, aber gut zu erkennenden Waldpfad ein Stück hinauf. So weit, so klar. Doch an der nächsten, etwas oberhalb gelegenen Weggabel wird es schon undurchsichtiger. Welche der drei Möglichkeiten - rechts, links oder geradeaus -, die sich dort bieten, den Zuschlag bekommt?

 

Halt in der Hallstatt-Zeit

 

Moment - zunächst gilt es, an dieser Stelle den Lese- und Wanderfluss kurz zu unterbrechen, um in gebotener Kürze auf die „Steinsetzung“ einzugehen, die ein Schild in wenigen Metern voraus avisiert. Die grob behauene Visitenkarte lässt erkennen, dass rund um das heutige Braunfels schon zur Hallstattzeit (also vor über 2600 Jahren) Menschen lebten und starben. Von Letzterem zeugen die Hügelgräber, die ebenfalls in den hiesigen Wäldern zu finden sind.

So viel dazu. Jetzt aber die Auflösung der wegweisenden Zwischenfrage: Zunächst einmal bekommt die linke Alternative den Zuschlag. Das aber nur, um sie schon an der nächsten, nur ein paar Schritte entfernten Wegscheide wieder gegen einen Rechtsknick einzutauschen. Das liest sich jetzt allerdings doch etwas schwieriger als es in der bewaldeten Realität aussieht.

Ist der Richtungswechsel vollbracht, steuert der Wanderer eine große Kreuzung an, in deren Mitte im Schatten eines Baumes sich ein Ort des stillen Gedenkens findet. Ob es in Ermangelung einer Wegemarkierung zielführend ist, ein Stoßgebet gen Himmel zu schicken? Nicht nötig!

 

Besuch bei Florentine

 

Links an dem Baum vorbei und auf einem breiten Waldweg voran, ist die Rückkehr der Wanderzeichen und das Wiedersehen mit all denen, die sich für die weniger komplexe Wegeoption entschieden haben, nur noch eine Frage von ein paar hundert Metern. Dort, wo der Weg in einen asphaltierten Wirtschaftsweg mündet, warten bereits „Jakobsmuschel“ und „Schinderhannes“, um die Führung anzudienen. Der Wanderer entscheidet sich jedoch für einen weniger pittoresken Kollegen der beiden: LW - das Zeichen des Lahnwanderweges. Das hatte zwar schon zwei Mal entlang des Weges angeklopft und seine Dienste offeriert. Jetzt aber wird das Angebot erst lukrativ.

Im Schlepptau des renommierten Wegezeichens geht es nach rechts, wieder in den Wald hinein und zu Füßen von Florentine voran. „Zu Füßen von Florentine“? Was nach einer reichlich devoten Körperhaltung klingt, erklärt sich durch die Maße von „Florentine“. Ähnlich wie ihre Kolleginnen „Martha“, „Gloria“ oder die vielen anderen im Wald um Braunfels verteilten Gruben, die von der großen Zeit des Bergbaus in der Region zeugen, verfügte die hoch über dem Wanderweg angesiedelte Eisenerzgrube über einen beachtlichen Tiefgang.

1858 in Betrieb genommen, ging in der Hochphase der Förderung ein Maschinenschacht bis zu 100 Meter in die Tiefe. Zwar zogen die stolzen Bergmänner 1949 endgültig ab. Heute ist auf dem alten Grubengelände eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen untergebracht.

Stumme Zeugen der Jahre, in denen Florentine gelöchert wurde, finden sich noch immer überall im Berg: Hier ist eine Felsnase, an deren Entstehung der Mensch seinen Anteil hatte, da ein zugemauerter Schacht und gleich daneben ein bemoostes Stück Beton. So dreht der Wanderer an der Kreisgrenze von Lahn-Dill und Limburg-Weilburg seine Runde um die alte Dame, entscheidet sich an der nächsten Kreuzung auf Empfehlung des Lahnwanderweges dafür, nach links abzubiegen und in der Folge hin wieder zur L3451 aufzusteigen.

Die Landesstraße ist das nächste Ziel, sie ist die Leitlinie. Und um die zu erreichen, heißt es dann auch irgendwann dem nach rechts abknickenden LW die Gefolgschaft aufzukündigen, sich nach halblinks zu wenden und dem eigenen Spürsinn zu folgen. Der ist deshalb erforderlich, weil der zunächst noch gut erkennbare Waldweg, nach einer weiteren Linkskehre sich zunehmend unter Laub versteckt und dann kurz vor Erreichen der Straße sich ganz wegduckt. Den Straßenrand quasi zum Greifen nah, ist mit einem Mal Schluss, stellen sich teils mit Dornen gespickte Wächter in den Weg. Jetzt ist sie also doch gefragt: die Tatkraft des Prinzen. Es gilt, an der Straße einen möglichst wenig bewachten Übergang zu finden und dann mutig den gewachsenen Vorhang zu durchdringen.

Ist das geschafft, kann der Wanderer seine pfadfinderischen Fähigkeiten für diesen Tag auch wieder vergessen. Ist die Landesstraße nämlich überquert, geht es auf einem Pfad übers freie Feld, an einem linker Hand gelegenen Dickicht vorbei und hangabwärts in Richtung der Bermbacher Straße. Ist auch die passiert, spaziert man ein kleines Stück an ihr entlang und weiter zu Tal, um mit Erreichen einer Wiese ein wenig abzukürzen. Es geht nach rechts, querfeldein in Richtung eines asphaltierten Wirtschaftsweges, der schon deutlich zu erkennen ist.

 

Kleiner Ort, große Geschichte

 

An einer imposanten Baumgruppe vorbei nach rechts und dann im Bogen an Feldern und Wiesen vorbei, öffnet sich bald schon der schöne Blick auf den Ort Philippstein und seinen ganzen Stolz: die Burgruine hoch über dem Dorf.

In das Dorf kann der Wanderer vom Ortsrand kommend schlicht wie zielführend geradeaus eintreten und dann nach rechts auf die Hauptstraße zusteuern oder er fügt vor Erreichen des Dorfes - wie in der Karte vermerkt - noch einen kurzen Rechtsschwenk ein. Der nämlich führt zu einem Ort, den man ob der überschaubaren Größe von Philippstein hier gar nicht vermutet hätte: einen alten jüdischen Friedhof. Er wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt und bis 1927 genutzt. Heute ist der Zugang geschlossen.

Das gilt zum Glück auch für die Türen, an denen man auf dem Weg ins Dorf vorbeikommt. Hinter denen nämlich haben sich offensichtlich die Söhne und Töchter des Zerberus aufgereiht, um den Spaziergänger mit Nachdruck daran zu erinnern, auf dem rechten Weg zu bleiben. Der führt in Philippstein angelangt, an der evangelischen Kirche vorbei, dann über die Braunfelser Straße hinüber und auf der anderen Seite angekommen zur Burg hinauf, die bereits ausgeschildert ist. Müßig dazu zu sagen, dass der Aufstieg über die Straße am Burgberg ein steiler ist. Was sonst? Das war ja der strategische Sinn eines Festungsbaus. Bis auf den Turm und einen Teil der Mauer ist nicht mehr viel übrig geblieben von der Burg, die Graf Philipp I. von Nassau-Weilburg gegen Ende des 14. Jahrhunderts hochziehen ließ, um seine Eisengruben zu sichern und die gräfliche Konkurrenz aus Braunfels genau im Blick zu haben.

 

Konkurrenz im Blick

 

Wie genau - das kann der Besucher der Burgruine noch heute nachempfinden. Von der Brüstung der Mauer aus ist die Fernsicht imposant und reicht bis hinüber zum Stammsitz der Braunfelser, die nach Jahrhunderten der Gegnerschaft seit 1974 mit den eingemeindeten Philippsteinern friedlich vereint sind.

Der Blick von Burg zu Burg weist dem Wanderer zugleich den Weg zurück zum Ausgangspunkt, der jetzt angetreten wird. Dazu geht es auf dem Pfad, auf dem er zur Burg hinaufgestiegen ist, auch wieder herunter, dann nach rechts und bergan aus Philippstein heraus.

Vorbei an Streuobstwiesen zur Linken, wartet an der nächsten Weggabelung mal wieder ein Wanderzeichen, das jetzt allerdings auch für geraume Zeit an der Seite des Spaziergängers bleibt. Das schwarze Andreaskreuz weist geradeaus und auf perfektem, leicht ansteigendem Weg hinein in dichten Mischwald. Streckenführung, Untergrund, Ausschilderung - hier passt einfach alles. Wer sich im Zeichen des Kreuzes bewegt, kommt problemlos voran und merkt, wie die Zeit - wenn auch nicht im Flug, so doch im Sauseschritt vergeht.

 

Tiergarten

 

Mit einem Mal ist der Wald auch schon durchschritten, der Blick frei und das Braunfelser Schloss in Sicht. Also nichts wie im Sturm drauf zu? Kann man machen, muss man aber nicht.

Zwar hätte der „Direktangriff“ den Charme, dass der Wanderer schnell und ohne große Kraftanstrengung in die Braunfelser Altstadt gelangt. Dafür bringt er sich jedoch um ein tierisches Erlebnis. Vom eingeschlagenen Weg nämlich nach links, bietet sich nicht nur die Einkehr im „Forsthaus Tiergarten“, sondern auch die Chance, ein wenig Schwein zu haben.

Hat man das Tor zum Reich der gar nicht so wilden Tiere durchschritten und sich bergab auf den Rundweg durch den herrlichen Waldpark gemacht, steht man nach ein paar Minuten auch schon vor einem Futterhaus und mitten drin in der „Sauerei“. Während das etwas scheuere Dammwild nämlich sofort die Biege macht, sind die Wildschweine hier alles andere als schüchtern.

Doch egal wie flehend die kleinen Schweinchen auch schauen, so gilt hier: Bitte nicht füttern! Angst, dass die Schwarzkittel nicht nur Kontakt, sondern auch Ärger suchen, muss übrigens niemand haben. Der Zaun, der ihr Gehege umgibt, siebt nur die jüngeren Tiere aus, hält die alten Keiler auf Abstand.

 

Schwein gehabt

 

Den Weg nach dem Rendezvous mit der Rotte fortsetzend, zieht es den Wanderer zunächst weiter bergab, wo er bereits talwärts die Kreisstraße 379 sieht und hört. Noch um eine Kurve herum und weiter, zweigt schon bald ein Weg nach links ab, der mit einem U-Turn letztlich den Abstieg einleitet. Im Tal und am großen Stauweiher rechts vorbei, geht es durch ein weiteres Holztor wieder aus dem Tierpark heraus, am Rande der K 379 nach rechts in Richtung Braunfels und hin zur abschließenden Herausforderung der Tour. Der Aufstieg zum Schloss steht noch aus. Und der hat es in sich. Mächtig steil zieht sich ein Pfad links und parallel zur Schlesierstraße dem Zentrum entgegen. Das geht noch mal richtig in die Beine und lässt den einen oder anderen sicherlich grübeln, ob er sich den Abstecher in den Tierpark nicht doch hätte sparen sollen. Doch dafür ist es jetzt zu spät.

Wie der Prinz im Märchen muss der Wanderer hier Durchhaltevermögen beweisen. Zwar wird er dafür nicht mit einem Kuss der schönen Prinzessin belohnt. Die Fachwerk-Kulisse von Braunfels, die vielen Einkehrmöglichkeiten und natürlich das Schloss sind aber doch ein mehr als romantischer Ersatz.

Höhenprofil Braunfels
Schöner Wohnen für Rapunzel und Co.

In Braunfels scheint die Zeit auf ansprechende Weise vor 200 Jahren stehen geblieben zu sein. Das Schloss wie auch die Fachwerkkulisse der Altstadt sind auf dieser Tour ebenso sehenswert wie der Blick von der Ruine Philippstein.

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Schloss Braunfels hat schon einige Architekten kommen und gehen gesehen.
Verlosung: Familienführung durch den Adelssitz

Gibt es hier auch ein Schlossgespenst?“ Mit ein wenig Glück können interessierte Kinder diese Frage zusammen mit ihrer Familie den Schlossherren direkt stellen.

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