Pannenserie in französischem Atommeiler


Die Möglichkeit eines Atomunfalls im Kernkraftwerk Cattenom ängstigt die Menschen im benachbarten Deutschland und in Luxemburg. Neue Pannen im französischen Meiler schüren die Furcht. Die Anrainerländer dringen auf Abschaltung.

Von Jörg Fischer

Ein Atomkraftwerk. (Symbolfoto) Cattenom/Paris. Erneute Panne im französischen Atomkraftwerk Cattenom: Wegen Problemen mit einem Wechselstromgenerator schaltete sich in der Nacht zum Freitag einer der vier Reaktoren des Kernkraftwerks nahe der Grenze zu Deutschland und Luxemburg ab, wie der Betreiber EDF mitteilte. Erst Anfang der Woche hatte die französische Atomaufsicht ASN einen seit Jahrzehnten bestehenden Sicherheitsmangel als Störfall eingestuft. Angesichts der Pannenserie dringen alle saarländischen Landtagsparteien und die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) auf eine Abschaltung. Lemke sprach außerdem von einem weiteren Zwischenfall.

Laut Betreiber hatte die jüngste Panne in der Nacht zum Freitag keine Folgen für die Sicherheit der Anlage oder des Betriebspersonals. Der Generator des 1300 Megawatt-Reaktors liege außerhalb des Nuklearbereichs, hieß es. In der Folge habe sich der Reaktor automatisch abgeschaltet. Die Reparatur soll nach EDF-Angaben mehrere Tage dauern. Die übrigen drei 1300-Megawatt-Reaktoren des lothringischen Kraftwerks arbeiteten normal.

Seit der Atomkatastrophe von Fukushima vor knapp einem Jahr werden alle Kernkraftwerk in der EU einem Stresstest unterzogen. Bei einer Überprüfung in Cattenom war laut EDF jetzt festgestellt worden, dass in einem Abklingbecken vorgeschriebene Sicherheitsventile fehlten, die bei einer Störung das Leerlaufen des Külbeckens verhindern sollen. Die Atomaufsicht ASN hatte den inzwischen behobenen Mangel erst vor wenigen Tagen als Störfall (Stufe 2 auf der Ines-Skala) eingestuft. Insgesamt wurden in Cattenom seit der Inbetriebnahme des ersten Reaktorblocks 1986 rund 750 sicherheitsrelevante Ereignisse registriert.

Der amtierende saarländische Umweltminister Andreas Storm (CDU) zeigte sich erneut besorgt: "Wir erwarten weitere Aufklärung über die Zwischenfälle und fordern vom Betreiber eine umfassende Sicherheitsüberprüfung aller vier Blöcke. Die Bevölkerung im Dreiländereck ist zu Recht beunruhigt." Die Landesregierung werde sich in Gesprächen mit der französischen Politik weiter dafür stark machen, dass die Sicherheits-Standards im AKW Cattenom erhöht würden.

Die Mainzer Ministerin Lemke sprach gleich von zwei Zwischenfällen. Rauch in einer Kühlwasser-Pumpstation habe einen Feuerwehreinsatz nach sich gezogen, teilte sie mit. "Die Vorfälle dort häufen sich."

Die SPD-Fraktion an der Saar forderte die Landesregierung auf, schriftlich bei der französischen Regierung und den Betreibern zu protestieren. Nach einer Sondersitzung des Umweltausschusses in Saarbrücken verlangte sie wie die anderen vier im Landtag vertretenen Parteien - CDU, Linke, FDP und Grüne - EDF die Betriebserlaubnis zu entziehen und monierte ein mangelndes Sicherheitsbewusstsein in Frankreich. "Bei einem Auto zum Beispiel, an dem die Bremsen nicht funktionieren, wird auch die Weiternutzung untersagt", erklärte der FDP-Abgeordnete Karl-Josef Jochem.

Derweil begrüßten die Atomkraftgegner in der CDU/CSU für Samstag in Japan geplante Protestaktionen anlässlich der Reaktorkatastrophe von Fukushima vor elf Monaten. Der Bundesverstand Christliche Demokraten gegen Atomkraft (CDAK) unterstütze die parallel in Deutschland geplanten Mahnwachen, hieß es in einer Erklärung.

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