Die Titelseite der Neu-Isenburger Neue Presse vom 27.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Zwei Jahre nach der Katastrophe erste Fortschritte in Haiti
Mehr als 220.000 Menschen starben bei dem Erdbeben in Haiti vor zwei Jahren. Hilfsorganisationen sehen zwar erste Fortschritte beim Wiederaufbau. Doch noch immer leben über eine halbe Million Menschen in Notlagern und wissen nicht wohin.
Baonn. Die Organisationen gingen mit ihrer Unterstützung von der Nothilfe zum Wiederaufbau über, teilte das Bündnis Aktion Deutschland Hilft am Montag in Bonn mit. Es seien Fortschritte erzielt worden, nach wie vor sei aber die Armut das größte Hindernis auf dem Weg zu einer dauerhaften Verbesserung der Situation.
Ähnlich lautet die Bilanz anderer Hilfsorganisationen. So sieht auch Unicef trotz enormer Probleme langsame Fortschritte. Schwerpunkte der Hilfsarbeiten waren und sind die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse, die Schaffung von Wohnraum, der Aufbau von Krankenhäusern sowie die Errichtung von Schulen und Ausbildungsstätten. Bei dem Beben vor zwei Jahren waren mehr als 220 000 Menschen gestorben.
"In dem Maße, wie auch die Regierung in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen und kompetentes Regierungshandeln zeigt, hat dieses Land gute Chancen. Es gibt ein Riesen-Potenzial", sagte der Leiter der Humanitären Hilfe bei World Vision Deutschland, Harry Donsbach.
Der Wiederaufbau Haitis nach dem Erdbeben mit einer Stärke von 7,3 hatte sich auch wegen der politischen Instabilität verzögert. Seit die neue Regierung im Oktober ihre Arbeit aufnahm, herrscht nach Angaben des Bündnisses Entwicklung Hilft eine deutliche Aufbruchstimmung im Land. Dennoch beklagen die Hilfsorganisationen die Schwäche der Institutionen, Korruption und Bürokratie.
Knapp drei Viertel der gut 17 Millionen Euro, die das Bündnis Aktion Deutschland Hilft an Spenden für Haiti erhalten hat, seien bislang ausgegeben worden oder seien verplant. 2000 Übergangshäuser wurden errichtet, mehr als 100 Schulen repariert oder neu gebaut und mit Lehrmaterial ausgestattet, heißt es weiter.
Mehr als 1,5 Millionen Menschen sei der Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht worden und fast 850 Latrinen oder Toiletten seien gebaut worden. Das Bündnis habe 14 Gesundheitszentren oder Krankenhäuser instand gesetzt oder neu gebaut und mehr als 300 000 Patienten medizinisch behandelt. 2300 Menschen seien in moderner Landwirtschaft oder für eine Arbeit im Kleingewerbe geschult oder in technischen und handwerklichen Berufen ausgebildet worden.
Die Duisburger Kindernothilfe baut die Schule der Ordensschwestern Petites Soeurs im Armenviertel Carrefour wieder auf. Es ist eine der größten Schulen des Landes, sie solle Platz für 1400 Schüler bieten. Die Organisation ist auch in Sineas, einem der größten Zeltlager in der Hauptstadt Port-au-Prince, tätig. Das Lager wird sich nach Einschätzung der Kindernothilfe zu einem Stadtteil verfestigen. Hier werde Unterricht nicht nur für Kinder, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene angeboten. Die Bewohner brauchten dringend Bildung, heißt es.
Nach einem Unicef-Bericht können heute mehr als 750 000 Kinder in Haiti wieder zur Schule gehen. 80 000 von ihnen besuchten 193 von Unicef gemeinsam mit Partnern neu aufgebaute erdbebensichere Schulen. Mehr als 120 000 Kinder nutzten Spiel- und Lernmöglichkeiten in 530 betreuten Spielzonen.
Aber das Land bleibe ein fragiler Staat, heißt es in dem Bericht weiter. Die Überlebenschancen und Perspektiven von 4,3 Millionen haitianischen Kindern und Jugendlichen seien noch immer unzureichend. Die Zerstörungen infolge des Erdbebens seien weiter in den Institutionen und im Sozialsystem zu sehen. Über eine halbe Million Menschen im Erdbebengebiet leben noch immer in 800 Notlagern. Drei Viertel von ihnen wohnten vor der Katastrophe in einfachen Häusern oder Wohnungen zur Miete.
Misereor hat seit dem Erdbeben 9,2 Millionen Euro für 122 Projekte in Haiti bewilligt. Von Anfang an sei es neben der Soforthilfe um mittel- und langfristige Unterstützung gegangen. Misereor beklagt die Bedingungen für den Wiederaufbau in Port-au-Prince. Es mangele an einer handlungsfähigen und ordnenden Autorität, sagte Misereor-Referent Hans Maier.
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