Bewohner fürchten steigende Mieten

Erika Auer (88) hat bis jetzt noch nichts davon gehört, dass die Nassauische Heimstätte verkauft werden soll. "Ein neuer Eigentümer? Dann werden die Mieten wohl teurer", vermutet sie.

Frankfurt. Mieterin Erika Auer Fotos: Schmidt"Ich wohne hier, seit der Block gebaut ist, bestimmt schon 40 Jahre", so die Rentnerin. "Ich möchte nicht weg. Und woanders sind die Mieten ja noch höher." Man müsse sehen, wo man bleibt, seufzt sie.

Fritz-Kissel-Siedlung, Sachsenhausen. In der Nachkriegszeit wurden die dreistöckigen Blocks hochgezogen. Zwischen den Häusern viel Rasen. Es ist friedlich. Die meisten Häuser sehen von außen wie neu aus, frisch mit Farbe gestrichen. An einer Häuserzeile werkeln die Handwerker noch. Sie haben Wärmedämmplatten angeschraubt, neue Türen eingebaut. Viele Rentner wohnen hier, aber auch junge Familien, gut etabliert oder arbeitslos: Soziale Durchmischung nennt man dieses Ziel der Frankfurt Wohnpolitik.

Ein Großteil der Häuser der Fritz-Kissel-Siedlung gehören der Nassauischen Heimstätte. Deren Bewohner zahlen bislang eine relativ niedrigen Zins. 450 Euro für 60 Quadratmeter, wie ein Mieter spontan angibt – da kann man in Frankfurt nicht meckern.

Noch ist die Diskussion um den möglichen Verkauf der Nassauischen Heimstätte nicht bei allen angekommen. "Verkauf? Das glaube ich nicht", sagt Mieter Stefan Schreiber. Er wohnt im Erdgeschoss eines der vier "Türme" – so werden die fünfstöckigen Häuser am Ziegelhüttenweg direkt neben den Schrebergärten genannt. "Wir sind seit 15 Jahren hier und haben mit dem Vermieter bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Ich vertraue, dass die alles in unserem Sinne unternehmen", sagt Schreiber. Die Fritz-Kissel-Siedlung an der Mörfelder Landstraße

Wolfgang Kohl (60) ist Kaufmann. Er wohnt in der Breslauer Straße in einem der frisch sanierten Häuser und könnte sich vorstellen, seine Wohnung zu kaufen. "Das müsste man überlegen, das wäre gar nicht schlecht. Wenn die Nassauische verkauft, könnte das möglich werden." Allerdings, räumt er ein, wohnten in der Siedlung auch viele Leute, die auf günstige Mieten angewiesen seien. Er selbst will nicht weg. "Gute Nachbarschaft ist sehr viel wert."

Das denkt auch Timm Lippert. Er ist 19 und einer der ersten Freiwilligen der Bundeswehr, derzeit auf Urlaub bei den Eltern. "Ich bin in dieser Siedlung aufgewachsen. Wir hatten nie irgendwelche Probleme. Es ist super und das bleibt hoffentlich so", sagt er in Hinblick auf den möglichen Verkauf.

Egon Wiese aus dem Erdgeschoss eines Turms fände die Option des Verkaufs "furchtbar". Auch er hat Angst vor steigenden Mieten. Drei Rentner, die auf einer Bank in der Sonne sitzen, fachsimpeln über die Zukunft ihrer Siedlung. Sie wüssten gerne, wie es weitergeht. tjs

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