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"Markt für Fachkräfte ist leer gefegt"
In ihrem Konjunkturbericht konstatiert die Handelskammer dennoch eine allgemein gute Geschäftslage
In der Region überwiegen laut IHK immer noch die Standortvorteile. Die Betriebe suchten teils händeringend nach Fachkräften. Ungelernte Kräfte bleiben aber auf der Strecke.
Von Walter Scheele
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IHK-Logo Kreis Groß-Gerau. Die Vorteile überwiegen immer noch die Standortnachteile im Kreis Groß-Gerau. So lässt sich zumindest die Aussage von Gabriela Höll, Geschäftsführerin eines Softwarespezialisten in Rüsselsheim, interpretieren. Händeringend, so Höll, suche das Unternehmen mit 30 Mitarbeitern, viele von ihnen in höherem Lebensalter, nach Nachwuchskräften. Sie sieht in der gegenwärtigen Diskussion um den Frankfurter Flughafen keine Probleme für die Zukunft, glaubt das die Attraktivität des Wirtschaftsraumes nicht leide. Allerdings, so das Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK), machten Wohnraumbeschaffung und mangelnde Attraktivität des Einzelhandels das Anwerben von Mitarbeitern schwierig.
Immer mehr umworben
Bei der Vorstellung des ersten Konjunkturberichts 2012 der IHK Darmstadt wurde ein rundum positives Bild der Geschäftslage in den südhessischen Unternehmen gezeichnet. Allerdings, so IHK-Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein, hätten branchenübergreifend alle Betriebe mit Problemen bei der Werbung neuer Fachkräfte zu kämpfen.
"Das ist eine neue Tendenz: Viele Unternehmen stellen Fachkräfte auf Vorrat ein oder bilden ebenso aus", betonte Vetterlein. Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte sei "praktisch leer gefegt." Diese Tendenz werde sich weiter verstärken. "Fachkräfte werden auch in höherem Alter immer mehr umworben."
Auf der Strecke bleiben in dieser Bilanz allerdings die mehr als 4400 Arbeitslosen im Gerauer Land, die keine Schul- oder Berufsausbildung haben. Für sie bleiben nur Schulungen der Agentur für Arbeit und sehr rare Arbeitsplätze als Hilfskräfte auf wenig attraktiven Posten.
Besonders positiv blicken in Südhessen die Dienstleister in die Zukunft. Von ihnen sehen 87 Prozent mit der Erwartung in die Zukunft, die Lage werde besser oder zumindest nicht schlechter. Allerdings glauben 20 Prozent der Firmen, es werde zunächst eine Delle in der positiven Entwicklung geben, ehe es wieder aufwärts gehen dürfte.
Generell, stellte Uwe Vetterlein fest, werden in zwölf Prozent der Betriebe im Kammerbezirk Arbeitsplätze abgebaut. In 20 Prozent der Unternehmen gebe es konkrete Pläne auf Erhöhung der Mitarbeiterzahlen. In den meisten dieser Betriebe seien die Auftragsbücher gut gefüllt. Was weniger auf die derzeit schwächelnde Inlandsnachfrage zurückzuführen sei, sondern auf einen regelrechten Exportboom, der vor allen Dingen das Geschäft mit Fernost ankurbele. Wobei China dabei sei, seine Spitzenposition zugunsten anderer Länder zu verlieren.
58 Prozent in den Export
Der IHK-Hauptgeschäftsführer ging in diesem Zusammenhang ins Detail: 58 Prozent der Umsätze gingen in den Export. Mit diesen würden nicht nur Dauerkunden bedient, sondern auch viele neue Kunden. Für diese neuen Kunden und neuen Märkte seien 2011 von der IHK 74 000 Herkunftsbescheinigungen ausgestellt worden.
Bei den Auslandsinvestitionen habe ein Umdenken eingesetzt, sagte Philipp Haenle, der im Geschäftsfeld Standortpolitik für die Berichte zuständig ist. Die Motive hätten sich verschoben: "Deutschland ist als Produktionsstandort nicht mehr zu teuer. Die Unternehmen wollen in den Zielländern ihres Exportes eigene Vertriebsstrukturen aufbauen. Um im Markt zu bleiben, müssen sie außerdem der Handelspolitik der Zielländer Rechnung tragen."



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