Die Köpfe hinter dem neuen Museum

Die Architekten Schneider und Schumacher haben den Erweiterungsbau geplant

Frankfurt. Das Architektenbüro schneider + schumacher zeichnet für den unterirdischen Erweiterungsbau des Städel-Museums verantwortlich. Spätestens mit diesem ungewöhnlichen Bau haben dessen Gründer sich weit über Frankfurt hinaus einen Namen gemacht. Der ist bereits so stark, dass das Deutsche Architekturmuseum ein paar Häuser vom Städel entfernt noch bis April eine Ausstellung über das Büro zeigt. Dort ist auch die (nicht realisierte) Idee eines Schwimmbades unter der Erde zu sehen, das von Lichtkuppeln beleuchtet wird. Michael Schumacher, der seit 1989 zusammen mit Till Schneider arbeitet, zeichnete diesen Entwurf in den 1980er Jahren als Student an der Städelschule. Heute ragen im Garten zwischen der Kunsthochschule und dem Museum genau solche Kuppeln aus dem Rasen. Ein Gespräch mit Michael Schumacher über Museen von heute.

Von welchen Gestaltungsleitlinien haben Sie sich bei diesem Bau leiten lassen? Sie mussten ja immerhin 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche unter die Erde bringen.

SCHUMACHER: "Uns war wichtig, dass man den Bau deutlich unserer Zeit zuordnen kann, dass er sich aber trotzdem in das Ensemble einfügt. Ein doppelter Anspruch also: Der Bau soll seine Eigenständigkeit behaupten, aber seine Logik aus dem Kontext beziehen. Wir entwickeln unsere Gestaltungsprinzipien aus den technischen Möglichkeiten der Zeit heraus. Die gewölbte Decke zum Beispiel ist eine technisch sehr kühne Konstruktion, aber sie bietet auch Orientierung. Sie spüren beim Durchlaufen immer, wo das Zentrum des Raums ist. Die runden Oberlichter erfüllen zwei sich widersprechende Anforderungen: das meiste Licht unten und möglichst viel Wiese oben."

Welche technischen Herausforderungen gab es bei diesem Projekt? Die Statik der Altbauten war vermutlich nicht darauf angelegt, dass man ihnen das Fundament weggräbt.

SCHUMACHER: "Es gab zwei große technische Schwierigkeiten. Die Halle – die vollständig unter dem Garten liegt – hat das Problem, dass sie im Grundwasser steht und aufschwimmen will. In der Regel steht da ja ein Haus drauf oder sogar ein Hochhaus, das bewirkt, dass der Keller unten bleibt. Hier müssen Bohranker im Boden die Halle unten halten. Die zweite Schwierigkeit war der Zugang unter dem Metzler-Saal. Wir haben dem Altbau einen Neubau untergeschoben. Das war eine große Herausforderung für die Statik. Auch technologisch sind wir in neue Welten vorgestoßen: Die Schal-Elemente der Decke hat ein Automobilzulieferer für uns in Form gefräst."

Würde Ihr Erweiterungsbau anders aussehen, wenn darin Werke von Cranach oder Dürer gezeigt würden?

SCHUMACHER: "Er hätte mit Sicherheit anders ausgesehen. In einem Erweiterungsbau für Alte Meister wäre die Raumaufteilung vermutlich starrer, die Boxen wären kleiner, weil diese Werke für kleinere Räume gedacht waren. In der aktuellen Kunst haben wir viele großformatige Bilder, da braucht man großzügigere Räume und lange Blickachsen, die die Kunstwerke miteinander in Beziehung bringen. Wir wollten eine frei aufteilbare Halle mit Boxen für die unterschiedlichen Strömungen, die unterschiedlichen Welten dieser Kunst. Die Wände sind variabel, sie können verändert werden, wenn die Sammlung sich ändert. Der Bau soll ja die nächsten Jahrhunderte überdauern."dpa

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