Opernball: Gekaufter Jubel am Roten Teppich?

Roter Teppich, Promis und ihre Fans: Am Samstag ist in Frankfurt wieder Opernball. Doch die Begeisterung für Stars und Sternchen war wohl nicht immer echt. Über Jahre hinweg sollen bezahlte Statisten eifrig mitgejubelt haben. Der Veranstalter will davon nichts wissen.

Von Christian Rupp

Frankfurt. Grell durchschneiden die Blitzlichter die Nacht. Fotografen schreien durcheinander, auf der Jagd nach dem besten Bild. Fans reißen die Autogrammbücher in die Höhe. Die Stars auf dem Roten Teppich posieren. Doch der Jubel ist nicht immer so echt wie er scheint: Für den Deutschen Opernball in Frankfurt hat die "Agentur für Atemberaubende Akzente" aus Reichelsheim in der Wetterau mehrere Jahre lang Statisten am Roten Teppich platziert, die die VIPs mit großem Getöse empfangen sollten.

Die angeblichen Fans "waren Schauspieler oder auch Tänzer", sagt jetzt Agentur-Chefin Petra Sanchez. "Das heißt, sie haben die Gäste begrüßt - mit Autogrammbüchern, haben Fotos gemacht und so weiter - und haben dann dafür eine Gage bekommen."

Denn seit langem leidet der Opernball an Promi-Schwund. Internationale Stars sind auch in diesem Jahr wieder die Ausnahme. Lediglich der britische Schlagersänger Tony Christie ("Is this the way to Amarillo") und die italienische Schauspielerin Naike Rivelli - Tochter von Ornella Muti - werden erwartet. "Die großen Weltstars kosten viel Geld", meint Manfred Pasenau. Er veranstaltet das wegen seines Durchschnittsalters auch gerne als "Opa-Ball" verspottete Event seit 15 Jahren.

Auch Demonstranten machen sich rar

Zu den absoluten Top-Promis 2012 zählen stattdessen die Regisseure Joseph Vilsmaier und Dieter Wedel, Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick, Schauspielerin Diana Körner, Musical-Darsteller Uwe Kröger und Modedesigner Otto Kern. Engagiert ist zudem Marianne Rosenberg ("Er gehört zu mir").

Doch nicht nur die Stars, auch die Demonstranten machen sich inzwischen rar. Die Krawallmacher beschertem dem Opernball noch vor wenigen Jahren dicke Schlagzeilen - und damit letztlich auch die Jubel-Komparsen. Denn: "Es war ganz einfach die Idee von Herrn Pasenau, irgendwann einmal zu sagen, es wäre doch schön, wenn wir die Demonstranten übertönen würden", erinnert sich Sanchez.

Wie lange? "Mehrere Jahre en suite." Wie viele Statisten? "Ich sage jetzt einmal 200 Personen oder so - aus der Erinnerung heraus." Pasenau sieht das ganz anders. Von gekauften Claqueuren will seine Agentur nichts gewusst haben. "Wir zahlen niemanden dafür, dass er klatscht", heißt es aus seinem Büro.

Idee ist weder alt noch originell

Dabei ist die Idee, bezahlte Fans an den Roten Teppich zu stellen, weder alt noch tatsächlich originell. Die Agentur "rent-a-fan" aus dem fränkischen Schwabach hat sich gar auf die Vermittlung solcher Statisten spezialisiert. 8000 bis 10 000 Fans sind nach Angaben ihres Eventmanagers Klaus Bernhard inzwischen in der Kartei. Auch ein Unternehmen aus Osthessen gehört zu den Kunden. Welches genau - darüber schweigt Bernhard. Denn Diskretion ist gleichermaßen Ehrensache wie Geschäftsgrundlage.

"Mieten Sie sich Ihre Fans, Ihre Gäste, Ihr Publikum, um mit absoluter Sicherheit den gewünschten Effekt zu erzielen", wirbt das Unternehmen dennoch offenherzig. Denn gemietete Fans seien "nichts anderes als Marketing - letztlich einfach nur Werbung", meint Bernhard.

"Auch der Opernball funktioniert wie eine Marke. Und bei vielen Marken ist die Inszenierung das A und O", erklärt der Marketing-Professor Jörn Redler, der an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg lehrt. "Aber es ist gefährlich, sobald die Inszenierung nicht zum Konzept passt und die Authentizität der Marke untergräbt", warnt der Experte. Konkret: Gemietete Fans würde der Wissenschaftler bestenfalls mit einem Augenzwinkern einsetzen.

Doch damit tut sich der Opernball offenbar schwer: Eintrittskarten sind nur über eine persönliche Einladung erhältlich. "Nur Smoking. Heiter, beschwingt leicht und dennoch elegant", will er sein. "Aus dem In- und Ausland strömen die Gäste nun, um dieses besondere Flair zu erleben", wirbt der Veranstalter auf der Internetseite. Von Augenzwinkern ist da keine Spur.

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