Rockig unterwegs auf der Route 66

Die Limes-Krätscher geben Vollgas und holen das Publikum auch nach vielen Stunden noch auf die Stühle

Bei der Sitzung der Limes-Krätscher blieb kein Auge trocken. Präsident Manfred Seng kamen die Tränen der Rührung und des Abschieds und den Narren die des Lachens.

Von Gerrit Mai

Wehrheim. Der Schautanz der Maxi-Garde brachte den Saal zum Kochen. Fotos: MaiEin rockiger Narrhalla-Marsch – bei der Fremdensitzung der Limes-Krätscher war er zu hören. Überhaupt gaben sich sowohl die Weiltaler als Musiker, die "Rocker" Markus Brötz und Thomas Wallisch sowie die Jecken auf der Bühne und im Saal als wilde Sechziger-Jahre-Rocker. Gepaart mit viel Neuzeit kam das gut an. Draußen fast arktische Kälte, im Bürgerhaus dagegen herrschte am Samstag kochend heiße Stimmung.

Wie das geht? Mit hervorragendem Gardetanz, toller Show und viel Action. Wer dachte, dass nach einem fast fünfstündigen Programm selbst die Jecken müde sind, täuschte sich. Sexy gestylte Maxi-Gardistinnen holten – verstärkt durch Cat- und Spacemen – noch kurz vor Mitternacht die Narren auf die Stühle. Sitzungspräsident Manfred "Möppi" Seng kamen die Tränen der Rührung. "So etwas habe ich noch nicht gesehen." Dass viele Tänzer in den eigenen Garden groß geworden sind, mache ihn stolz. Erste Sahne waren nämlich alle Garden.

Seng hatte auch an anderer Stelle Tränen in den Augen – diesmal die des Abschieds. Das Showballett, das eine kokette Schau bot, sagte Adieu. An Abschied denkt Tanzmariechen Madita Seel hoffentlich noch nicht. Die 16-Jährige begeisterte mit toller tänzerisch-akrobatischer Leistung. Die tanzenden – und singenden – Männer stehen den Frauen jedoch kaum nach. Das bewies der Bauausschuss, der auf der Route 66 gefahren war, um die Bühne zu bauen. Aber auch die Äppelboys mit einer tollen Tanzshow in weißen Nadelstreifenanzügen waren Spitze. Und wer meinte, das Männerballett sei behäbig geworden, weil die Herren seriös in schwarzen Anzügen daherkamen, irrte. Sie mischten als Blues Brothers den Saal mit Rock, Twist und Südstaaten-Sound auf.

"Reiß‘ die Hütte ab": Bei diesem Stimmungshit hatte Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) alias Mickie Krause zwar die Narren auf seiner Seite, aber mit der Politik könnte das Ärger geben. Dass im historischen Rathaus Rechtsanwalt Dirk Sitzmann seine Kanzlei und die Grünen-Parteizentrale einrichten wird, ist auch nur der närrischen Fantasie von Protokoller Horst "Hoppe" Hopfengärtner entsprungen. Er betrachtete das Ergebnis der Kommunalwahl, sprach über falsch parkende Rathausangestellte und fragte angesichts der Proteste gegen erhöhte Kindergartengebühren ironisch, ob die Eltern jetzt auch für ihre Hobbys zahlen müssten.

Gute Ideen, Geld in die Rathauskassen zu bringen, hatte auch die Gruppe "Hernfasching" – Stefan Velte als Bürgermeister Gregor Sommer, René Vollmer als Vorzimmerfrau Ellen, Patricia Harff als krätschende Bürgerin und Nico Sakschekwsi als Finanzberater. Der Rathauschef musste erkennen, dass das Apfeldorf selbst mit ihm im internationalen Finanzrating das "Triple A" nicht erreichen kann.

Die Unruhe im Saal störte jedoch immens die guten Büttenreden. Ob sie von Äppolonia alias Franziska Wagner kamen, von Michaela und Saskia Tuch, die Julian Schaal in Arbeit vermitteln wollten, von Frank Hammen als Wellness-Urlauber oder den beiden Grävenwiesbachern Olaf Best und Christian Roth. Dass die Narren den Auftritt der Pissebach-Spatzen für einen Gang zur Toilette nutzen, wissen Horst Hopfengärtner, Günter Rohrmann und Roland Schmidt. Sie wissen, dass auch Narren mal eine Pause brauchen und die Musik auch einen Stock tiefer zu hören ist.

Weitere Fotos von den Sitzungen in Wehrheim und Hausen-Arnsbach im Internet unter

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