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"Wir haben ein Herz für Sie"
Kerckhoff-Klinik: Patient und Operateur erzählen die Geschichte einer Transplantation
Im März 2010 unterzog sich Niko Gözüpekli einem schweren chirurgischen Eingriff: Er bekam ein neues Herz. Operiert wurde er in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik. Operateure und Patient erzählen der FNP die Geschichte des Eingriffs. Verbunden sind die OPs mit hohem logistischen Aufwand, ausgetüfteltem Timing und Nervenstärke.
Von Petra Ihm-Fahle
Bad Nauheim. ![]()
Blick in den OP: 13 Herzen wurden 2010 und 2011 in der Kerckhoff-Klinik transplantiert. Foto: PrivatSteigt Dr. Manfred Richter nachts ins Auto, ist er hochkonzentriert. Unterwegs ist der Leiter des Transplantationsprogramms der Kerckhoff-Klinik in solchen Fällen, um ein Herz zu holen. Kurz zuvor erhielt er die Nachricht: Eurotransplant, Vermittlungsstelle für Organspenden mit Sitz in Holland, hat der Klinik ein Herz zugeteilt. In der Regel passiert das nicht tagsüber.
Richter prüft darauf in einer Datenbank, ob Organ und Patient zusammenpassen. Wenn ja, macht er sich schnell auf den Weg. Nicht immer, aber meist führt die Fahrt zum Flughafen Reichelsheim.
Dort wartet eine Turboprop-Maschine auf ihn, einen weiteren Arzt und einen Kardiotechniker. Organisiert hat das die Deutsche Stiftung für Organtransplantation.
Auch in der Nacht auf Sonntag, 7. März 2010, weckt Richter das Telefon: "Hier Intensivstation. Man hat uns ein Herz angeboten." Nachdem der Mediziner die Datenbank gecheckt hat, weiß er: Für Niko Gözüpekli geht es jetzt um alles.
25 war der Rosbacher, als er auf dem Fußballplatz zusammenbrach. Die Ärzte diagnostizierten schwere Herzrhythmusstörungen. Fortan lebte Gözüpekli mit Tabletten, bekam später zweimal einen Defibrillator. 2008 verschlechterte sich sein Zustand, immer öfter litt er unter Luftnot. "Das Herz pumpte nicht mehr stark genug. Es kam zu Wassereinlagerungen", erzählt er.
Dreimal wurde er punktiert, 2009 schlug ihm Veselin Mitrovic, Medizinischer Direktor der Kerckhoff-Forschungsgesellschaft, eine Herztransplantation vor. Ein Schock, der sich erst legte, als ihm ein körperlich fitter, transplantierter Patient vorgestellt wurde.
Am 7. März 2010, um fünf Uhr morgens, klingelt auch bei Gözüpekli das Telefon: "Hier Kerckhoff-Klinik, wir haben ein Herz für Sie." Richter ist zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs.
Im OP-Saal wartet Oberarzt Dr. Markus Schönburg auf Gözüpekli: Auch er ist aus dem Bett gesprungen und dann gleich rasch in die Klinik gefahren.
Hirntoter spendet Herz
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Lebensretter: Dr. Manfred Richter (links) und Dr. Markus Schönburg. Foto: Petra Ihm-FahleDie OP, bei der eine Herz-Lungen-Maschine eingesetzt wird, muss vorbereitet werden. In trockenen Tüchern ist die Sache aber noch nicht – obwohl der Patient nun eintrifft. Richter muss in dem auswärtigen Krankenhaus den Brustkorb des hirntoten Spenders erst öffnen und nachsehen: "Ist mit dem Herzen alles in Ordnung?"
Wenn nicht, müsste die Aktion abgeblasen werden. Der Arzt atmet durch: Das Spenderherz ist gesund. Er ruft in Bad Nauheim an und entnimmt das Organ. Es wird nun mit konservierender Flüssigkeit behandelt.
"Wir operieren", sagt Schönburg, Minuten später steht Gözüpekli unter Vollnarkose. Schönburg beginnt, den Brustkorb zu öffnen, bald darauf trifft Richter ein. Das Timing ist wichtig. Die Zeit, in der das Spenderorgan von der Blutversorgung abgeschnitten ist, muss möglichst kurz sein.
Richter entnimmt Gözüpeklis krankes Herz, näht unter Assistenz Schönburgs das gesunde Organ ein. "Es ist wichtig, einen erfahrenen Kollegen dabei zu haben. Das ist keine Sache eines einsamen Wolfes", sagt er. Transplantationsmedizin sei Teamarbeit mit zahlreichen Beteiligten.
Betroffenen Mut machen
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Niko Gözüpekli: 21 Monate nach der Herztransplantation geht es ihm unverändert gut. Foto: Petra Ihm-Fahle22 Monate später geht es Gözüpekli gut – nach wie vor. "Ich bin froh, dass ich das alles hinter mir habe. Ich lebe ganz normal, mache meinen Sport", sagt er. Morgens Fitnessrad, nachmittags Spaziergang. Weh tat ihm bloß, seine Kanarienvögel abzugeben – wegen der Infektionsgefahr. 100 Stück besaß er.
Seine Transplantations-Erfahrung gibt er an Patienten weiter, die auf ein Herz warten. Auch auf Herzinsuffizienz-Seminaren der Kerckhoff-Klinik tritt er auf. Ein Anliegen ist ihm, Menschen zur Organspende zu animieren. Operateur Richter: "Es ist eine Freude, zu sehen, wie gut er jetzt lebt und wie er anderen Menschen Mut macht."



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