Kein Chaos dank Harry?

Volkstümlicher Tottenham-Manager Redknapp könnte bald England coachen

Es war mal wieder einer dieser Bilderbuch-Tage, die den englischen Fußball in schöner Regelmäßigkeit heimsuchen. Alles geht drunter und drüber, garniert mit einer Zufälligkeit, wie sie sich kein Regisseur subtiler hätte ausdenken können.

Von Rainer Jourdan

Frankfurt. Allseits beliebt: Tottenham-Manager Harry Redknapp. Foto: dpa Und in all dem Stimmen-Wirrwarr rund um die Mittwochs-Kapitulation des italienischen Weltmanns Fabio Capello (wir berichteten), seit Ende 2007 Trainer der englischen Nationalmannschaft, trifft jene von Rio Ferdinand vielleicht am ehesten den Kern.

Der Nationalverteidiger von Manchester United, der seit zwei Jahren aufgrund vieler Verletzungen mehr twittert als spielt, ließ die Welt wissen: "Wir brauchen einen englischen Trainer, der nichts übersetzen lassen muss. Meine erste Wahl ist Harry Redknapp, und das mit großem Abstand."

Natürlich, könnte man meinen, ist Ferdinand voreingenommen. Schließlich ist er der Bruder von Anton Ferdinand, und den Profi der Queens Park Rangers soll John Terry, Kapitän von Chelsea und England (und bei den "Three Lions" pikanterweise Rio Ferdinands Abwehrpartner), im Oktober-Ligaspiel rassistisch beleidigt haben. Weil das Urteil im Prozess gegen Terry aber erst im Juli fällt, Capello deswegen Terry bei der EM im Juni weiter als Kapitän im Amt sehen wollte, was wiederum Englands Fußball-Verband (FA) ein Dorn im Auge war, warf der Italiener am späten Mittwoch das Handtuch.

Zwar äußerten Spieler auch Bedauern über die jüngste Entwicklung (Wayne Rooney: "Er war ein guter Trainer und ein guter Mensch"), doch die überwiegende Meinung der englischen Öffentlichkeit bündelte sich im Kommentar des "Daily Mirror": "Capellos Ära war eine Zeit voller Konfusion, Teilnahmslosigkeit, mangelnder Kommunikation und Mittelmäßigkeit. Capello hat sich weder bemüht, die englische Sprache noch etwas über England zu lernen."

Nach glanzvoller Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 geriet die WM selbst zum Desaster (1:4-Aus im Achtelfinale gegen Deutschland nach vielen Vorrunden-Qualen), auch weil die von Capello verordnete strikte Kasernierung in der Einöde die Kader-Atmosphäre vergiftete. Weitere Pikanterie: Hauptkritiker der leidenden Gruppendynamik damals war der stets polarisierende John Terry, dem Capello fünf Monate zuvor wegen einer Affäre mit der Freundin eines Nationalteam-Kollegen die Kapitäns-Binde vorübergehend abgenommen hatte.

Das England-Chaos vier Monate vor EM-Beginn dürfte sich in Grenzen halten, weil ohnehin klar war, dass Capellos Vertrag über den Sommer hinaus nicht verlängert wird und allgemein das Gefühl dominierte, der Italiener, mit über sieben Millionen Euro pro Jahr königlich entlohnt, schleppe sich als "lame duck" über die Runden.

Die Aufbruch-Stimmung wird genährt durch den Freispruch Harry Redknapps, der am gleichen Tag wie Capellos Aufgabe erfolgte. Der Ur-Londoner, derzeit Tabellendritter mit Tottenham Hotspur, stand wochenlang wegen angeblicher Steuerhinterziehung zu seiner Zeit als Portsmouth-Manager vor Gericht. Der volkstümliche und effektive Motivator Redknapp (64), seit Jahrzehnten als Profi und Trainer (Manager) tief in der englischen Fußball-Landschaft und -Seele verwurzelt, gilt bei Spielern, Medien und Fans als großer Favorit für die Capello-Nachfolge, und die "Spurs" haben Bereitschaft signalisiert. Im Testspiel gegen die Niederlande am 29. Februar wird aber erst mal Stuart Pearce, der U 21-Trainer und frühere Nationalspieler, aushelfen.

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1. FC Nürnberg – Bayer Leverkusen
1:4
1. FSV Mainz 05 – Bor. Mönchengladbach
0:3
Borussia Dortmund – SC Freiburg
4:0
FC Augsburg – Hamburger SV
1:0
Hannover 96 – 1. FC Kaiserslautern
2:1
Hertha BSC Berlin – TSG 1899 Hoffenheim
3:1
VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg
3:2
Werder Bremen – FC Schalke 04
2:3
1 1 Borussia Dortmund
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2 2 Bayern München
73
3 3 FC Schalke 04
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