Die Titelseite der Neu-Isenburger Neue Presse vom 27.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Kommentar: Eine "Rest-Sperre"
Damit darf der Ausnahme-Fahrer aus Spanien weder bei Tour de France 2012 noch bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London an den Start gehen. Eine positive Dopingprobe ist eine positive Dopingprobe.
Daran gibt es nichts zu rütteln. Und sie sollte nach geltendem Sportrecht auch zwingend eine Sperre zur Folge haben. Auch wenn es sich dabei um einen Nationalhelden wie den Spanier Alberto Contador handelt, bei dem während der Tour de France 2010 das unerlaubte Mittel Clenbuterol nachgewiesen wurde.
Insofern hat der Internationale Sportgerichtshof CAS ein logisches Urteil gefällt. Alles andere hätte die Glaubwürdigkeit der Richter in Lausanne massiv beschädigt.
Und wie sieht es mit der Beschädigung des Radsports aus? Mal ehrlich, was ist da noch kaputt zu machen? Die Institutionen haben ja auch im "Fall Contador" eine eher unrühmliche Rolle gespielt. Der Weltverband UCI hatte erst drei Monate nach der positiven Probe den Fall zähneknirschend eingestanden und eine Sperre verhängt, als der Spanier seine Saison schon beendet hatte. Der spanische Verband sprach den Nationalhelden im Februar 2011 vom Dopingvorwurf frei und hob die Sperre wieder auf, wogegen die UCI immerhin Berufung einlegte.
So kam es erst jetzt zum Urteil. Nach eineinhalb Jahren! In denen Contador, dem man ja auch Verwicklungen in die Fuentes-Affäre nachsagt, überall mitfahren und sich wie beim Giro als Sieger feiern lassen durfte – auch wenn diese Siege im Nachhinein wieder aberkannt wurden. Letztlich hat er aber als "Rest-Sperre" nur noch ein halbes Jahr abzusitzen – freilich ohne Giro, Tour und Olympia.
Eine Paradebeispiel für eine zügige und juristisch einwandfreie Abwicklung eines Doping-Verfahren ist der "Fall Contador" gewiss nicht.


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