Kommentar: Unrühmliches Gezeter

Der Fall Contador macht klar, warum der Radsport sein negatives Image einfach nicht mehr los wird. Alle Bemühungen, den Dopingsumpf auszutrocknen, werden immer wieder dadurch torpediert, dass in den Sportverbänden die verantwortlichen Herren oft Verfahren verschleppen, sich gar auf die Seite der Sünder schlagen und sich offensichtlich einen Teufel darum scheren, welchen Schaden die Sportart dabei nimmt.

Eine besonders unrühmliche Rolle spielt dabei zweifellos Spanien, wo im Fall Contadors sogar die Regierung in den Chor der Empörten einstimmt. Bei den Iberern war schon die Affäre um den Sportarzt Fuentes mehr oder weniger im Sande verlaufen, weil sich der Mediziner zwar geständig zeigte, wegen der zu diesem Zeitpunkt aber noch fehlenden Anti-Doping-Gesetze in Spanien das Verfahren – immerhin die umfassendste Dopingaffäre in der Radsport-Geschichte – eingestellt werden musste. Und die spanischen Behörden verzögerten dann lange die Herausgabe der Ermittlungsakten. "Die Operación Puerto ist zu einem Synonym geworden für Unfähigkeit, Chaos, Verschleppungstaktiken und juristisches Geplänkel", urteilte damals die spanische Zeitung "El Pais" zurecht.

Im "Fall Contador" zeigt das jetzige Gezeter gegen den Sportgerichtshof in Lausanne, dass es auf der iberischen Halbinsel an Ernsthaftigkeit und Konsequenz im Anti-Dopingkampf nach wie vor mangelt. Immer weiter sorglos nach dem Motto handeln, "ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s frei und ungeniert", ist keine gute Zukunftperspektive für den Radsport generell.

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