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Bandenmäßiger, tierschutzwidriger Hundehandel

Von Der Handel mit jungen Hunden ist ein lukratives Geschäft. Leider bleibt dabei meist das Tierwohl auf der Strecke. Wie sie seriöse von unseriösen Händlern unterscheiden können, lesen Sie hier.
Tausende Geschädigte können von den Schwierigkeiten berichten, etwas gegen die tierverachtenden Machenschaften im Hundehandel zu unternehmen. Die Familie Schleicher aus Eppstein im Taunus gab über Jahre nicht auf und setzte alle Hebel in Bewegung, um einem seit Jahrzehnten bekannten, skrupellosen Hundehändler in Kreuztal in NRW das Handwerk zu legen. Vorausgegangen war der Tod ihres kleinen Golden Retrieverwelpen, den sie nach sorgfältiger Suche und in dem sicheren Glauben gekauft hatten, einen seriösen Züchter vor sich zu haben. Sie hatten sich getäuscht und waren bei einem professionellen Händler gelandet, der im Verkaufsgespräch alle Register zog, um seine "Ware" an den Mann zu bringen. Doch jetzt endlich konnte ihm das Handwerk gelegt werden:


Razzia

Mitte Dezember kam es zu einer spektakulären Razzia und fünf Festnahmen auf dem Grundtück eines seit Jahrzehnten betrügerisch tätigen Hundehändlers, der sich entweder Herr von Fugler oder Herr Jung nennt. Dabei wurde sogar die Tierärztin zwischenzeitlich verhaftet. Der Hundehändler hatte bereits eine gerichtliche Untersagung seines "Gewerbes" erhalten, weshalb das Geschäft offiziell von seiner Frau geführt wurde. Wie aber leider häufig in der Realität, wenn es um Verstöße gegen das Tierschutzgesetz geht, blieb der Hundehändler selbst weiterhin tätig. Das belegen die zahlreichen Beschwerden z. B. im Internet. Das Veterinäramt  selbst  erhielt immer wieder Hinweise oder Anzeigen gegen diesen Händler. Obwohl es zwischenzeitilich Gerichtsentscheide für Privatpersonen gab, die zivilrechtliche Ansprüche von Klägern gegen den Hundehändler bestätigten, sah das Veterinäramt selbst keine relevanten Kritikpunkte und Möglichkeiten zum Einschreiten. Das wirft die Frage auf, wie ist das möglich?

Warum versagen die zuständigen Behörden?

Behördenvertreter sind auch nur Menschen und machen mal einen besseren und mal einen schlechteren Job. Das kann z. B.an Überlastung, am persönlichen Desinteresse, mangelnder Sachkenntnis oder Behinderung durch übergeordneten Strukturen liegen. Heutzutage sind die Veterinäramter den Landräten unterstellt, woraus viele Konflikte entstehen können, was sich an den zahllosen Vergehen gegen das Tierschutzgesetz in der Landwirtschaft immer wieder ablesen lässt.

Warum die Tierärzte des Veterinäramtes Siegen-Wittgenstein bei ihren Kontrollen nichts Relevantes finden konnten, während die Polizei genug Beweismaterial für die Annahme einer organisierten Bandenkriminalität zusammen trug, müsste die Verantwortlichen im Landratsamt derzeit mehr als nur zum Grübeln anregen.

Es stellt sich die Frage, warum man nicht mit dem einfachsten Hebel ansetzt; die Welpen haben keinen Impfschutz gegen Tollwut, damit ist eine Gefährdung der Menschen durch diese gefährliche Zoonose nicht auszuschließen. Ein Argument, was gerne mal missbräuchlich zur Gewinnerzielung bei unsinnigen Impfungen in der BRD in den Raum geworfen wird, hier aber gute Dienste leisten könnte!

Wonach kann man als Laie vermuten oder erkennen, dass der angebotene Welpe aus einer Massenvermehrung, vielleicht sogar aus dem Ausland, stammt?
Ein Hundefreund will seine Welpen nur in gute Hände abgeben und ist selbst sehr bemüht, dass die Tiere gesund sind und es auch bleiben. Auch nach dem Verkauf steht er als Ansprechpartner zur Verfügung, VOR dem Kauf prüft ER die potientiellen Welpenkäufer und fragt sie aus!
 

10 Tipps, woran man unseriöse Hundeverkäufer erkennen kann:



1.     „Papiere“. Immer, wenn ein Verkäufer Papiere gegen Aufpreis anbietet oder den Hund günstiger macht mit dem Argument, „dann aber ohne Papiere“ – ist er ein Betrüger! Das ist eine 100-Prozent-Regel. Niemals würde ein echter Züchter seine Tiere ohne Papiere abgeben. Die Papiere werden immer ausgestellt, wenn man sich als Züchter einem Verband angeschlossen hat. Sie werden häufig erst vom Verband verschickt, wenn die Welpen 12-15 Wochen alt sind: Dann wird ein Züchter sie aber immer nachreichen.

Papiere, die ein vermeintlicher Züchter mal eben so dazu anbietet, gibt es von keinem seriösen Verband. Es gibt einige wenige Verbände, die Papiere ausstellen, aber so gut wie keine Kontrollen ausführen. Einige geschickte Betrüger, die auch mit der Zeit gehen, haben sich dann solchen „Billigverbänden“ angeschlossen.

Wenn der Verband NICHT Mitglied im VDH (Verband für das deutsche Hundewesen in Dortmund) oder mindestens dem FCI (Federation Cynologique Internationale) (Anhang 2) ist, sollte man die Finger davon lassen, um solch ein, nur auf Profit ausgerichtetes Gebaren, nicht noch zu unterstützen. Zumindest sollte man sich vorab ausführlich über der Verein informieren.

Wichtig: es geht dabei nicht darum, ob jemand mit dem kleinen Welpen einmal selbst züchten möchte! Es geht darum, dass echte Züchter im Verband vom Verband in ihrer Art der Hundehaltung kontrolliert werden. Auch dabei gibt es schwarze Schafe, aber normaler Weise wird das dauerhaft nicht geduldet. Außerdem fordern die Verbände für häufig auftretende Krankheiten den Nachweis gesunder Elterntiere, z. B. durch HD-Röntgen.

2.     Wettbewerbe und Ausstellungen; ein echter Züchter will das Erscheinungsbild oder Charakteranlagen seiner Rasse verbessern. Dazu geht er entweder auf Schönheits- oder auf Leistungs-wettbewerbe. Er wird „Erfolge“ im Sinne von Preisen und Pokalen  (Anhang 1)vorweisen können und diese i. d- R. potentiellen Welpenkäufern auch gerne zeigen oder erklären.

3.     Homepage Meist präsentieren Züchter mit berechtigtem Stolz ihre Elterntiere und die Würfe auf ihrer Homepage (z. B.http://www.collies-vom-tor-zum-taunus.de/)   und geben dort weitere Informationen über die Rasse.

4.     Anzahl der Rassen; Normalerweise hat man sich ein oder 2 Rassen verschrieben. Wenn jemand mehr Rassen anbietet, sollte man genau hinschauen. Wer nahezu jede Rasse „besorgen“ kann, dem geht es ums Geschäft und nicht um die Freude an Hunden.

5.     Aus dem Auto: Wenn Hunde mit dem Auto gebracht werden, ohne dass man sie vorher als Käufer besucht hat, ist es fast immer unseriös.
6.     Preis: Einen liebevoll aufgezogenen Rassenhund bekommt man kaum unter 800,00€, Preise um die 300,00 – 600,00€ sind fast immer unseriös. Seltenere Rassen oder besonders beliebte, wie Golden Retriever bekommt man erst ab 1200,00 bis 2000,00 €.

7.     Transponder oder Chip: auch unseriöse Händler bieten ihre Tiere in der Regel gechippt an. Der Transponder gehört nach internationaler Absprache auf die LINKE HALSSEITE. Gerade Tiere aus dem Ausland haben den Chip häufig zwischen den Schulterblättern sitzen, das erschwert das Auffinden. 

Interessant sind die ersten drei Ziffern des Nummerncodes: sie sind die sogenannte Länderkennung: Deutschland hat die Nummer 276. Wenn eine andere Nummer am Anfang (Anhang 3) steht, sind es Transponder aus dem Ausland; das ist ein dringender Hinweis darauf, dass die Hunde im Ausland gechippt wurden. Es ist zwar auch möglich, diese Auslandstransponder in Deutschland zu beziehen. Das ist aber aufwändig und wird einem als Tierarzt von den Firmen, die sich durchaus zahlreich am Markt Konkurrenz machen, nicht  so einfach angeboten.

8.     Impfpass. Impfpässe sind mittlerweile sehr aufwändig auszufüllen. Dabei wird zwischen EU-Heimtierausweis und anderen Ausweisen, die i. d. R. gelb sind, unterschieden. Schon leichte Fehler beim Ausfüllen der EU-Ausweise können zu Forderungen von Strafzahlungen an die ausstellenden Tierärzte in Höhe von ca. 500,00 € führen, wenn es den Landestierärztekammern bekannt wird. Wichtig ist, dass der Name des Züchters/Händlers im Ausweis notiert wird.

Dazu kommt, dass die Beschreibung des Tieres vollständig nach den Vorgaben im Pass erfolgt, bis auf den Namen. Wenn die Tiere gechippt sind, ist die Zuordnung sowieso eindeutig. Bei Hunden ohne Papieren überlassen die Verkäufer häufig den Käufern die Namensgebung, das kann durchaus in Ordnung sein – ein leeres Feld  aber, ohne Chip und v. a. D. ohne Namen des Verkäufers, kann schon ein sehr deutliches Indiz für mangelnde Seriösität sein.

Das Wichtigste sind die Impfungen. Unter acht Wochen alte Welpen kann man nur gegen Parvovirose sinnvoll impfen. Erst ab der achten Woche werden die Krankheiten Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Zwingerhusten und Leptospirose  geimpft. Wenn der Hund schon zwei Impfungen hat, sollten die Abstände zwischen den Impfungen 3-4 Wochen betragen. Wenn beide Eintragungen mit demselben Stift und derselben Schrift erfolgt sind, besteht der Verdacht, dass hier eine falsche Bescheinigung erfolgt ist.

Besonders verdächtig ist es, wenn es keine Aufkleber gibt, sondern die sogenannte Chargennummer  nur handschriftlich eingetragen wurde. Es gibt für Hunde nur Einzelimpfdosen; somit gibt es auch keinen Grund, die dafür vorgesehen Aufkleber mit der Chargennunmner, die extra zun Einkleben mitgeliefert werden, nicht zu benutzen! Schreibt man die Nummern ab, besteht der Verdacht, dass die Impfdosis auf mehrere Tiere aufgeteilt oder gleich gar nicht verabreicht wurde.

9.     Tollwut: die Impfung gegen Tollwut kann erst aber der 12ten Wochen gegeben werden, da sie erst dann die gewünschte4 Wirkung, nämlich die Bildung von Antikörpern, erzeugen kann, Frühestens 21 Tage nach der Impfung dürfen die Hunde nach Deutschland importiert werden. Wie schon erwähnt, ist die Tollwut besonders bedeutungsvoll, weil sie eine 100%ig tödliche Erkrankung nicht nur für die Tiere, sondern auch für das Säugetier Mensch ist. Es ist also nach Gesetzesvorgabe grundsätzlich nicht möglich, einen Welpen in einem Alter von unter 15 Wochen überhaupt zu importieren.

10. Ratenzahlung: wer für ein Tier, wenn es nicht gerade ein Elefant oder ein wertvolles Pferd ist, nicht die volle Kaufsumme auf einmal zahlen kann, erscheint ebenfalls unseriös. Wer auf eine Ratenzahlung eingeht, sie vielleicht sogar als Verkaufsargument anführt, muss sich später nicht beklagen, wenn er sein Geld nicht bekommt: da erscheinen beide Vertragspartner in einem sehr zwielichtigen Licht.

Es bleibt zu hoffen, dass der Täter eine angemessene Haftstrafe zugesprochen bekommt, auch wenn das Leid der Tiere und der Menschen damit nicht ausgeglichen werden kann. Nach § 263 StGB kann für diese Art von Betrug nach z. B. Abs 3  Nr. 1 als  besonders schwerer Fall eine Freiheitsstrafe zwischen 6 Mon. bis 10 Jahren ausgesprochen werden. Ein besonders schwerer Fall liegt vor, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung von Urkundenfäschung oder Betrug verbunden hat.
 
 
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