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Training für Hund und Mensch: Beim Mantrailing sagt der Hund, wo es lang geht

Längst arbeiten nicht mehr nur Hundesuchstaffeln mit dem hervorragenden Geruchssinn der Hunde, sondern auch Hundeschulen und –vereine. Unsere Autorin hat mit ihrem Großpudel an einem Mantrailing-Schnuppertag teilgenommen.
Gefunden! Als Belohnung gibt es ein Leckerli. Foto: Stefanie Simon Gefunden! Als Belohnung gibt es ein Leckerli.
Hattersheim.  Die Hundeschule am Schwanheimer Wald bietet etwas ganz Besonderes an: Mantrailing. Interessierte, die diese Hundesportart kennenlernen wollten, waren am Sonntag zum „Probeschnuppern“ eingeladen.
Beim Mantrailing lernen Hunde, wie sie einen Vermissten mittels ihres Geruchssinnes auffinden. Der Vierbeiner bekommt zunächst einen Gegenstand zum Schnüffeln vorgelegt, mit dem der Gesuchte zuvor Kontakt hatte. Das kann ein Schal, ein Autoschlüssel oder sogar ein Bonbon sein, das die Person kurz im Mund hatte. Dann sucht der Hund den Beginn der Geruchsspur und verfolgt diese so lange, bis er bei dem Gesuchten angelangt ist. Zur Ausrüstung gehören für den Hund eine 5-Meter-Leine und ein spezielles Suchgeschirr und für den Besitzer eine Warnweste. Die Wetterbedingungen spielen eine große Rolle. Ist es zu heiß und zu trocken, halten die Spuren deutlich kürzer, als wenn es kühl und feucht ist. Wind verweht die Geruchsspuren.

Auch die Teilnehmerhunde Frieda, Nicki, Talitha, Tönnes und Bedo verfügten allesamt über einen großartigen Geruchssinn, was ihnen jedoch noch fehlte, waren die Spielregeln und die Übung. Zu Beginn des Schnuppertages stand für die gespannten Besitzer daher erstmal ein wenig Theorie an. Die Hundetrainerin Conny Harms erklärte die Grundlagen des Mantrailings: „Mantrailen kann jeder Hund – egal ob klein, groß, alt oder jung. Die meisten Vierbeiner verstehen sehr schnell, worum es beim Mantrailen geht. Oft sind es die Menschen, die lernen müssen ihrem Hund zu vertrauen und seine Signale richtig zu deuten. Dafür habt Ihr mich als Trainerin an Eurer Seite.“

Zum ersten Mal dabei: Unsere Autorin mit ihrer Pudeldame. Bild-Zoom Foto: Stefanie Simon
Zum ersten Mal dabei: Unsere Autorin mit ihrer Pudeldame.


Nach dem Theorieteil ging es endlich auch für die Hunde los. Die kleine Mischlingshündin Frieda war als erste an der Reihe. Sie durfte beobachten, wie eine Teilnehmerin Futter in eine Plastikdose packte und damit dann wegging. Nach ein paar Schritten ließ sie ein Halstuch fallen und versteckte sich hinter einem Baum. Jetzt ging Ralf mit Frieda los. Am Halstuch hielt er an, ließ die Hündin daran schnuppern und sagte das Kommando „Go! Trail!“. Frieda lief zielstrebig bis zur versteckten Teilnehmerin und machte sich über das mitgenommene Futter her. Auf diese Weise machten alle Hunde nacheinander ihre erste Mantrailing-Erfahrung.

Susanne und ihr English Springer Spaniel Phönix mantrailen schon seit drei Jahren. Hundetrainerin Conny hat sich für die beiden eine ganz besondere Aufgabe ausgedacht, um den Kursteilnehmern zu zeigen, was ein geübter Hund kann. Als „Opfer“ muss Connys Mann herhalten. 24 Stunden zuvor war er eine Strecke von etwa 700 m abgelaufen und hatte sich nun wieder an deren Endpunkt auf eine Bank gesetzt. Die Geruchsspur war aber bereits einen Tag alt – seitdem waren durch die Straßen Autos gefahren, Menschen gelaufen und es hatte kräftig gewindet. Susanne weiß weder wer versteckt ist, noch wie alt die Spuren sind. Nachdem sie Phönix sein spezielles Suchgeschirr umgeschnallt hatte, war er kaum noch zu bremsen. Trainerin Conny hat als Geruchsprobe eine Zigarettenkippe in einem verschlossenen Beutel mitgebracht. Daran schnupperte Phönix kurz um sich den Geruch einzuprägen und machte sich dann konzentriert auf die Suche nach dem Beginn der Fährte. Susanne musste sich ganz schön sputen, damit sie am anderen Ende der Leine hinter ihrem Spaniel herkam. Schnell hatte er die richtige Fährte entdeckt und lief zielstrebig durch die Straßen. Mal lief Phönix mit tiefer, mal mit hoher Nase, mal langsam und mal schnell. Jede Einfahrt kontrollierte er kurz und prüfte an jeder Kreuzung, in welche Richtung die Geruchsspur verlief. Nach etwa 20 Minuten hatte er den Versteckten gefunden und wurde mit tollem Futter belohnt.

Die Kurteilnehmer waren beeindruckt von der Leistung des English Springer Spaniels. „Man konnte richtig das Vertrauen zwischen Mensch und Hund sehen. Susanne hat sich komplett auf Phönix und seinen Geruchssinn verlassen. Das war toll!“, sagte Manuela. Voller Elan machten sich die Teilnehmer an die nächste Mantrailing-Runde. Jetzt wurde Teilnehmer Ralf versteckt. Auch ihn sahen die Hunde beim Weggehen mit dem tollen Futter. An seiner Mütze nahmen sie seinen Geruch auf und fanden ihn schnell in seinem Versteck. Labrador Bedo war sogar so motiviert, dass er die Mütze vom Boden aufsammelte, mitnahm und direkt vor Ralfs Füße legte.

Für Hunde ganz ungewohnt: Beim Mantrailing sagen Sie an, wo es lang geht. Bild-Zoom Foto: Stefanie Simon
Für Hunde ganz ungewohnt: Beim Mantrailing sagen Sie an, wo es lang geht.


Für die Hunde war es ein völlig neues Gefühl, dass sie vorne an der Leine ansagen, wo es lang geht. Als sich zur letzten Mantrailing-Runde des Tages Hundetrainierin Stefanie Simon versteckte, konnten es die Hunde kaum noch abwarten, denn mittlerweile hatten sie alle verstanden, wie das „Spiel“ funktioniert. Auch Großpudeldame Talitha lief zielstrebig auf das Gebüsch zu hinter dem die Trainerin saß, obwohl um sie herum fremde Hunde und Kinder spielten. Bedo und Frieda brauchten Stefanie nicht mal mehr beim Weggehen zu beobachten. Ihnen reichte das Schnuppern am Schal aus und sie machten sich auf die Suche.

Am Ende des Tages sind Herrchen, Frauchen und die Hunde müde und glücklich. Alle Teilnehmer hatten eine Menge Spaß und waren begeistert über die versteckten Fähigkeiten des eigenen Vierbeiners. Wer weiß, vielleicht hat das ein oder andere Hund-Mensch-Team ja sogar ein neues Hobby für sich gefunden.

Interessierte können auf www.hundeschule-am-schwanheimer-wald.de mehr über den Hundesport und das Kursangebot erfahren. Bettina Funk
 
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