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Silvesternacht mit Tieren: Mit Bachblüten gegen die Knallerei

Von Die Liederbacher Veterinärin lässt ihre eigenen Katzen an Silvester nicht raus und bereitet ihre Hunde rechtzeitig auf das Spektakel vor.
Mischlingshündin Freni (links) und ihrem knopfäugigen Freund Brutus geht es wie allen Hunden: Sie leiden unter der Silvester-Knallerei. Zum Glück ist ihr „Frauchen“ Dr. Ruth Riechert Tierärztin und weiß, wie sie ihren beiden Hunden die Zeit erträglicher macht. 	Foto: Maik Reuß Mischlingshündin Freni (links) und ihrem knopfäugigen Freund Brutus geht es wie allen Hunden: Sie leiden unter der Silvester-Knallerei. Zum Glück ist ihr „Frauchen“ Dr. Ruth Riechert Tierärztin und weiß, wie sie ihren beiden Hunden die Zeit erträglicher macht. Foto: Maik Reuß
Liederbach. 

Fast jeder, der einen Hund hat, kennt das: Die Weihnachtsfeiertage sind vorüber, das Wetter prächtig und man möchte mit dem vierbeinigen Kumpel raus in die Natur. Eigentlich das Schönste, was sich ein Hund wünschen kann. Eigentlich – wäre da nicht dieser Höllenlärm, der die Tage „zwischen den Jahren“ begleitet und der dafür sorgt, dass Hunde in diesen Tagen nur widerwillig nach draußen gehen. Seit gestern dürfen Silvesterkracher, Raketen und Feuerwerkskörper verkauft werden und davon machen etliche schon vor der Silvesternacht Gebrauch (siehe auch Seite 10). Für viele Haustiere der pure Horror – besonders für Hunde und Katzen, die ein viel feineres Gehör als Menschen haben und wesentlich empfindlicher auf laute Geräusche reagieren.

 

Schon im Januar anfangen

 

„Wenn man es ganz richtig machen und die Tiere optimal auf die Silvesterknallerei vorbereiten wollte, müsste man bereits am 1. Januar des Jahres damit anfangen, sie zu sensibilisieren“, sagt die Liederbacher Tierärztin Dr. Ruth Riechert. Sie weiß, wovon sie spricht, nicht nur ihres Berufs wegen, sondern die Veterinärin hat selbst zwei drollige Hunde sowie Katzen.

Freni und Brutus – so heißen ihre beiden Hunde – mögen die Knallerei zwar auch nicht, werden aber von Frauchen gut vorbereitet. Ohne Leine geht das putzige Duo in den Tagen vor Silvester nicht aus dem Haus, denn viele Tiere geraten in Panik, wenn ein Böller in ihrer Nähe losgeht, und reißen sich dann los. Glück hat, wer gefunden wird und einen Anhänger am Halsband trägt hat, auf dem Name, Adresse und Telefonnummer des Halters notiert sind. Zum Jahreswechsel herrscht in den Tierheimen des MTK Hochbetrieb, denn viele Hunde, die wegen der Kracher in Panik weglaufen, landen dort. Hat das Tier einen kleinen Adressanhänger oder ist gechipt, können die Besitzer ganz fix benachrichtigt werden.

 

Sanfte Mittel

 

Schon einige Zeit vor dem Jahreswechsel kann man den Tieren sanfte Mittel wie Bachblüten zur Entspannung geben. „Bewährt haben sich auch Pheromone“, weiß die Tierärztin. Pheromone sind Botenstoffe, die Hunde und Katzen verwenden, um sich mit chemischen Signalen zu verständigen. Diese werden synthetisch nachgebildet und kommen in Form von Spray oder Duftsteckern zum Einsatz, um den Tieren eine entspannte Atmosphäre zu vermitteln. „Mit dieser Behandlung sollte man etwa vier Wochen vorher anfangen.“ Nur in ganz extremen Fällen würde die Veterinärin Tabletten zur Beruhigung verordnen – „diese Medikamente machen in aller Regel sehr müde“.

Am Silvestertag „selbst sollte man dann früh einen ausgiebigen Spaziergang mit dem Hund unternehmen, damit er abends zu Hause bleiben kann“, lautet ihr Tipp. Ähnliches gilt auch für Katzen: „Ich habe selbst Freigänger, die ich an Silvester nicht nach draußen lasse. In ländlichen Gegenden finden die Katzen zwar meist ein Versteck, in das sie sich zurückziehen, bis alles vorbei ist – doch nicht jede Katze ist so wesensstark und kann in Panik geraten. Wer sicher gehen will, lässt die Tiere drinnen.“

 

Gewohnte Geräusche

 

Doch auch in den eigenen vier Wänden versetzt die Knallerei Bello und Mieze in Schrecken. „Rollläden runterlassen und die Räume abdunkeln“, lautet der Tipp von Ruth Riechert für die Silvesternacht. Auch eine gewohnte Geräuschkulisse – beispielsweise leise Musik, die das Tier kennt, kann beruhigend wirken.“ Außerdem sollte man sich selbst ganz normal verhalten und mit dem Tier kommunizieren.

Panisch reagieren übrigens auch Pferde, die an diesem Tag nicht auf der Koppel stehen sollten, sondern im sicheren Stall – so wie dies auf dem „Heidehof“ geschieht. Dort sind die Betreiber des Pferdehofs rund um die Uhr da und kontrollieren regelmäßig. Denn es ist nicht allein der Lärm: Wenn ein fehlgeleiteter Böller in den Stall gerät, kann ganz schnell Feuer ausbrechen: Deshalb sind gründliche Stallkontrollen sowohl in der Silvesternacht als auch in den nächsten Tagen ganz wichtig. Da es Tiere gibt, die beim leisesten Geräusch in Panik geraten und die durchgehen könnten, sollte man an den „kritischen Tagen“ auch nicht im Freien reiten.

Dagegen reagieren Meerschweinchen und Kaninchen nicht so extrem auf die Knallerei. „Sie sollten aber auf jeden Fall an Silvester reingeholt werden, wenn sie draußen gehalten werden“, rät Dr. Riechert. „Den Käfig sollte man an einer sicheren Stelle platzieren und in der Nacht gut abdecken“, schildert die Tierärztin. Ähnliches gilt auch für kleinere Vögel wie Wellensittiche. Es gibt sogar gefiederte Gesellen, denen das Spektakel nichts ausmacht – wie Papageien, die selbst Lärm machen. „Ich kenne sogar ein Exemplar, das richtig Spaß am Feuerwerk hat und an Silvester möglichst nah am Fenster sein möchte, damit es nichts verpasst“, erzählt die Veterinärin.

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