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Interview mit Jo Schindler: 35. Frankfurter Marathon: „Es wird ein offenes Rennen“

Vor dem 35. Frankfurter Marathon am Sonntag lässt Renndirektor Jo Schindler (57) im Gespräch mit FNP-Mitarbeiterin Katja Sturm die Vergangenheit Revue passieren und blickt voraus auf das Rennen am Sonntag.
Renndirektor Jo Schindler freut sich auf den Frankfurt-Marathon am Sonntag. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Renndirektor Jo Schindler freut sich auf den Frankfurt-Marathon am Sonntag.

35 Jahre Frankfurt-Marathon – das ist eigentlich kein richtiges Jubiläum. Was gibt es am Sonntag dennoch zu feiern?

JO SCHINDLER: Der Frankfurt-Marathon ist der älteste City-Marathon Deutschlands, und wir feiern alle fünf Jahre. Es ist ja nicht normal, dass so eine Veranstaltung dieses Alter erreicht.

Wie oft musste sich der Marathon dafür neu erfinden?

SCHINDLER: Es gab in der Zeit allein zwölf Titelsponsoren, und in der Mainova haben wir dieses Jahr ja auch wieder einen neuen gefunden. Ganz sicher musste er sich aber neu erfinden, als er 1986 ausgefallen war. Damals hatte sich die Hoechst AG als Miterfinder zurückgezogen. Doch in der Stadt gab es eine starke Initiative, den Marathon wieder stattfinden zu lassen.

Auch in diesem Jahr haben sich wieder mehr als 15 500 Teilnehmer angemeldet. Bedeutet das, dass die Bewegung weiterhin boomt?

SCHINDLER: Es gab Jahre mit wesentlich höheren Zuwachsraten insgesamt für Marathons in Deutschland. Das hat sich konsolidiert. Die großen Stadtmarathons sind weiterhin Zugmagnete, da findet eine gewisse Konzentration statt. Kleinere Veranstaltungen verlieren etwas. Nach wie vor streben viele Leute den Marathon neu an. Wir haben in diesem Jahr auch wieder mehr als 2000, die zum ersten Mal mitlaufen. Etwas für seine Gesundheit zu tun, ist ein Dauerthema in unserer Zeit, und deshalb wird der Laufsport immer seinen Platz haben.

30 Prozent der Teilnehmer kommen aus dem Ausland. Was lockt sie nach Frankfurt?

SCHINDLER: Ein toller Marathon mit sehr schneller, weil flacher Strecke und einem spektakulären Zieleinlauf in der Festhalle. Wir bewerben den Marathon seit etwa fünf Jahren intensiv auch im Ausland. Wir haben in diesem Jahr fast 600 Franzosen dabei; im letzten waren die Briten mit mehr als 400 Teilnehmern die stärkste ausländische Nation. Insgesamt haben wir Meldungen aus 103 Nationen.

Das ist die Breite. Aber wie holt man die Topläufer nach Frankfurt?

SCHINDLER: Auch mit der Strecke, der drittschnellsten der Welt. Und damit, dass wir gute Tempoläufer einsetzen, um gerade junge Athleten auf die Bühne Marathon zu bringen. Da haben wir schon tolle Geschichten geschrieben, in denen unbekannte Läufer sich hier einen Namen erlaufen haben und so gut wurden, dass wir sie uns nicht mehr leisten konnten. Wilson Kipsang ist das beste Beispiel. Bis er 2010 mit neuem Streckenrekord bei uns gewonnen hat, kannte man ihn nur in Fachkreisen.

2015 gab es einen geplanten deutschen Rekord durch Arne Gabius. Worauf liegt diesmal der Schwerpunkt?

SCHINDLER: In diesem Jahr steht niemand richtig im Fokus. Wir haben sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern Dreier- oder Vierergruppen, in denen wahrscheinlich der Sieger dabei ist, aber wir haben auch wieder Überraschungspakete. Deshalb wird es ein sehr spannender Marathon, weil es ein offenes Rennen gibt, in das niemand als klarer Favorit geht.

Inwiefern beeinflussen die Olympischen Spiele die Herbstmarathons?

SCHINDLER: Sehr stark. Alle spüren, dass das Feld ausgedünnt ist, weil viele in Rio gelaufen sind oder sich in diesem Jahr auf andere Strecken auf der Bahn festgelegt haben. Um die wenigen noch übrigen Topathleten gibt es ein Hauen und Stechen zwischen den Veranstaltern.

In den vergangenen Monaten ist die Leichtathletikszene von vielen Dopingenthüllungen erschüttert worden, und auch im Weltverband IAAF wurde offenbar nicht immer nur sauber gearbeitet. Wirft das einen Schatten auf den Frankfurt-Marathon?

SCHINDLER: Auf jeden Fall. Im Weltverband gab es einen für Antidoping verantwortlichen Arzt, Gabriel Dollé, mit dem wir auch unsere Maßnahmen abgehandelt haben. Wenn man liest, dass der unter Verdacht steht, dass er Dopingproben auf Anweisung des IAAF-Präsidenten unter den Tisch hat fallen lassen und dafür bezahlt wurde, fällt einem erst mal nichts mehr ein.

Was machen Sie selbst in Sachen Antidopingkampf?

SCHINDLER: Relativ viel, weil wir das für wichtig halten. Seit dem vergangenen Jahr lassen wir sogar Proben einfrieren, um sie zu späteren Zeitpunkten, wenn die Forschung weiter ist, noch mal kontrollieren zu können. Zudem streben wir an, dass die großen Marathonveranstalter eigene Trainingskontrollen auf europäischem Niveau in Afrika finanzieren bei den Athleten, die wir einladen.

Ziehen da alle an einem Strang?

SCHINDLER: Es gibt Veranstalter, die gar keine Dopingkontrollen machen. Bei uns darf niemand starten, der schon mal erwischt wurde. Und wir arbeiten auch mit bestimmten Managements nichts zusammen, um unsere Rennen sauberzuhalten. Wir laden nur Leute ein, von denen wir ausgehen, dass sie nicht betrügen. Aber ganz sicher kann man das nie wissen.

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