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Abrechnung mit den Kritikern

Toni Kroos hat das Team mit seinem Treffer in der Nachspielzeit erlöst. Das war aber noch nicht alles.
Sotschi. 

Toni Kroos verließ nach seinem Geniestreich mit einer schwarz-rot-goldenen Blumenkette in der Hand als einer der letzten deutschen Spieler den Ort der großen Emotionen. Immer wieder musste der Weltmeister auch um kurz nach Mitternacht die Momente vor und nach seinem Freistoß-Traumtor beim dramatischen Sieg gegen Schweden schildern.

Kroos nutzte die sich bietende Bühne aber auch zu einer Abrechnung mit den Kritikern in der Heimat.

„Man hatte das Gefühl, relativ viele Leute in Deutschland hätte es gefreut, wenn wir heute rausgegangen wären. Aber so leicht machen wir es ihnen nicht“, sagte der auch lange nach seinem Last-Minute-Treffer von Adrenalin durchströmte Kroos.

Der viermalige Champions-League-Sieger knöpfte sich zu später Stunde im Fischt-Stadion von Sotschi besonders die sogenannten Experten und Medien vor. „Es wird uns keiner zum Titel schreiben, wir müssen das selbst machen, das muss von uns kommen. Wir wissen, dass wir viele Fans haben, aber mehr Hilfe kriegen wir nicht“, sagte der 28-Jährige und legte nach einer kurzen Atempause nach: „Es macht viel mehr Spaß, schlecht über uns zu reden oder zu schreiben oder zu analysieren als andersrum.“

Lange sah es so aus, als ob wie nach dem WM-Fehlstart gegen Mexiko (0:1) erneut schlecht über Ballmagnet Kroos geschrieben werden müsste. Sein schlimmer Fehlpass im Mittelfeld leitete gepaart mit einer halbherzigen Verteidigung die schwedische Führung ein. „Er hat normalerweise eine Passquote von nahezu hundert Prozent. Dass daraus ein Tor entstanden ist, war unglücklich. Dass er es wieder gut macht, hat mich wahnsinnig gefreut“, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Und tatsächlich: Nach so einem Spiel in so einem Moment so ein Tor zu erzielen – das war Weltklasse. „Natürlich geht das erste Tor auf meine Kappe. Aber man muss dann auch die Eier haben, die zweite Halbzeit so zurückzukommen“, sagte Kroos. Sein 13. Tor im 85. Länderspiel war sein wichtigstes und nach 94:42 Minuten das späteste, das eine DFB-Auswahl bei einer WM in der regulären Spielzeit erzielt hat.

Dabei wäre es fast nicht so weit gekommen. „Ich habe laut geschrien, er soll flanken“, gestand der verletzte Innenverteidiger Mats Hummels: „Dafür durfte ich mir einiges anhören in der Kabine.“

Auch von Marco Reus ließ sich Kroos nicht aus dem Konzept bringen. Der Dortmunder wollte den entscheidenden Freistoß an der linken Strafraumgrenze selbst und direkt schießen. „Da habe ich gesagt“, berichtete Kroos: „Hm, bin ich nicht überzeugt von.“ Reus gehorchte dem Mittelfeld-Boss. „Dann haben wir uns für den Weg entschieden, um einen besseren Winkel zu haben für den Schuss“, sagte Kroos. Es wurde ein Schuss ins Glück.

Mitspieler und Gegner zollten Kroos gleichermaßen Respekt. „In diesem Turnier gibt es keine normalen Tore. Entweder sind es Standardtore, Eigentore oder Traumtore. Und heute war es wieder ein Traumtor, das uns geholfen hat, im Turnier zu bleiben“, sagte Timo Werner.

Kroos selbst meinte: „Ich habe versucht, alles reinzulegen, unsere Mannschaft anzutreiben, das hat gut geklappt.“ Einen Seitenhieb musste er sich allerdings gefallen lassen. „Stark! Ein Tor gemacht, eins vorbereitet“, schrieb Bruder Felix augenzwinkernd bei Twitter.

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