Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Sportartikel: Adolf und Rudolf Dassler: Zwei Brüder spalten eine Stadt

Ein Fluss trennte Herzogenaurach jahrzehntelang in zwei Teile. In zwei Lager, in Adidas und Puma. Und die Gründer der heutigen Weltkonzerne, die Brüder Adolf und Rudolf Dassler, bekriegten sich. Heute vor 120 Jahren erblickte er das Licht der Welt, 50 Jahre später gründete Rudolf Dassler sein eigenes Unternehmen. Und überwarf sich mit seinem jüngeren Bruder.
Aus Adidas wurde Puma: Vereinslegende Karl-Heinz Körbel rettete die Eintracht im Frühjahr 1989 in die Relegation – in Puma-Schuhen, die keine waren. Foto: Christian Klein (FotoKlein) Aus Adidas wurde Puma: Vereinslegende Karl-Heinz Körbel rettete die Eintracht im Frühjahr 1989 in die Relegation – in Puma-Schuhen, die keine waren.
Frankfurt. 

Als die Brüder Adolf und Rudolf Dassler im Jahr 1924 in der fränkischen Provinz eine Schuhfabrik eröffneten, deutete alles auf eine harmonische Zusammenarbeit hin. Sie waren sehr unterschiedlich, aber ergänzten sich prima. Adolf war ruhig und akribisch – der geborene Schuhmacher. Rudolf war laut und extrovertiert – der geborene Verkäufer. Das Unternehmen feierte schnell Erfolge, spezialisierte sich früh auf die Herstellung von Sportschuhen – und stattete prominente Athleten aus. So gewann Leichtathlet Jesse Owens 1936 in Berlin in Dassler-Schuhen viermal Olympia-Gold. Die drei Jahre zuvor an die Macht gekommenen Nationalsozialisten waren erzürnt, Adolf Hitler stürmte wutentbrannt aus dem Stadion.

In diesem Schuh erzielte Christoph Preuß im März 2007 gegen Bayern München das Tor des Monats. Bild-Zoom Foto: Christian Klein (FotoKlein)
In diesem Schuh erzielte Christoph Preuß im März 2007 gegen Bayern München das Tor des Monats.

Dass ein Afroamerikaner in deutschen Schuhen die große Bühne betrat, führte aber nicht zum Zerwürfnis mit den Dassler-Brüdern. Sie waren schließlich beide Mitglied der NSDAP. Und vor allem waren sie viel zu wichtig für die Machthaber. Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges arbeiteten sie eng mit den Dasslers zusammen, deren Schuhe (mit den Namen „Blitz“ und „Kampf“) Teil ihrer Propaganda waren. Das Geschäft lief hervorragend, aber die Beziehung der Brüder litt. Als Rudolf zum Kriegsdienst eingezogen wurde, kam es zum Bruch.

Bitterböser Brief

Er fürchtete um seine Stellung in der Firma und auf dem Markt, die der rund zweieinhalb Jahre jüngere Adolf nun ausbauen konnte. Denn er war von den Behörden für unabkömmlich erklärt worden, zu wichtig sei er für die Entwicklung des Unternehmens gewesen. Während Adolf, damals bekennender Nazi, nur kurz in der Wehrmacht war, kämpfte Rudolf an der Front. Und er schrieb seinem Bruder einen bitterbösen Brief: „Ich werde nicht davor zurückschrecken, eine Betriebsstilllegung zu beantragen, damit auch Du einer Tätigkeit zugeführt wirst, bei der Du den Vorgesetzten spielen kannst und als erstklassiger Sportler Gewährträger wirst.“ Im Januar 1945 büchste Rudolf aus, doch seine Flucht dauerte nur kurz. Er wurde verhaftet und in Nürnberg gefangen gehalten – nur 25 Kilometer von Herzogenaurach entfernt. Dort, wo sein Bruder erfolgreich werkelte. Dort, wohin er zurückwollte – und nach dem Krieg zurückging.

In diesem Puma-Modell schoss Jan Åge Fjørtoft die Eintracht 1999 gegen den 1. FC Kaiserslautern (5:1) zum Klassenerhalt. Die Treter wurden zwei Jahre später anlässlich seines Abschieds vergoldet. Bild-Zoom Foto: Christian Klein (FotoKlein)
In diesem Puma-Modell schoss Jan Åge Fjørtoft die Eintracht 1999 gegen den 1. FC Kaiserslautern (5:1) zum Klassenerhalt. Die Treter wurden zwei Jahre später anlässlich seines Abschieds vergoldet.

Im Jahr 1948 zog Rudolf aus dem Familienhaus aus. Er hasste mittlerweile seinen Bruder, der ihn während seiner Flucht verraten haben soll. Im selben Jahr gründete er Puma, nachdem die Schuhfabrik der Dasslers aufgelöst worden war. Adolf zog rund ein Jahr später nach, hob Adidas aus der Taufe.

Bis zum Tod verfeindet

Danach begann ein unerbittlicher Konkurrenzkampf, ein Wettrüsten um die Vorherrschaft auf dem Markt der Sportartikelhersteller. Bis zu ihrem Tod sollen die Brüder kein Wort mehr miteinander gesprochen haben. Über Mittelsmänner verständigten sie sich darauf, wer welchen Sportler unter Vertrag nahm. Beide waren Vorreiter im strategischen Marketing – und weltweit hoch angesehen. An das Ansehen seines Bruders kam Rudolf aber nicht heran. Vergeblich kämpfte er jahrzehntelang darum, dass deutsche Nationalspieler in Puma-Schuhen aufliefen. Nach dem Tod der Dassler-Brüder in den 1970er-Jahren blieb Herzogenaurach eine gespaltene Stadt. Sie galt als „Ort des gesenkten Blicks“ – die Füße eines Menschen sagten demnach mehr aus als seine Augen. Es dauerte fast 60 Jahre, ehe die Chefs beider Unternehmen erstmals zusammen auftraten.

Info: „Schuhe haben hohen historischen Wert“

Branimir Hrgota war für die Frankfurter Eintracht in der vergangenen Saison ein wichtiger Mann. Er schoss das Team von Trainer Niko Kovac ins Pokalfinale – im Elfmeter-Krimi bei Borussia

clearing

Die einstigen unangefochtenen Platzhirsche haben schwere Zeiten hinter sich, da ihnen Nike den Rang abgelaufen hat. Mittlerweile pflegen Adidas und Puma wieder ein gutes Verhältnis, die jahrzehntelange Feindschaft ist beigelegt. Und ein Fluss trennt die beiden Unternehmen heute auch nicht mehr voneinander.

Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse