E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Der Radklassiker: Alexander Kristoff feiert in Frankfurt einen historischer Triumph

Von Er schwächelte, war bei den Anstiegen im Taunus fast abgehängt, und düpierte im Finale wieder einmal die Konkurrenz: Der Norweger Alexander Kristoff hat bei seinem „Lieblingsrennen“ Eschborn-Frankfurt Sportgeschichte geschrieben.
Alexander Kristoff mit seinem vierten Siegerpokal Foto: Mario Stiehl (imago sportfotodienst) Alexander Kristoff mit seinem vierten Siegerpokal
Frankfurt. 

Diesmal schien er es nicht zu schaffen. Nicht diesmal. Schon frühzeitig im Rennen hatte Alexander Kristoff Mühe, mitzuhalten. Und auch im Sprintfinale musste er kämpfen, um den Anschluss zu halten. An der Spitze schien der Ire Sam Bennett die stärksten Beine zu haben. Tatsächlich hatte Kristoff wieder einmal alle genarrt und die cleverste Taktik gewählt. 300 Meter vor dem Ziel an der Alten Oper lag der Norweger schon an Position drei. Mit einem fulminanten Antritt im entscheidenden Moment überrumpelte der 30-Jährige dann seine Konkurrenten und sicherte sich den vierten Sieg in Folge nach 2014, 2016 und 2017 – einmalig beim traditionsreichen Rennen Eschborn-Frankfurt, das 1962 erstmals ausgetragen wurde. Im Jahr 2015 war der Radklassiker wegen Terrorgefahr ausgefallen.

„Ich habe mich während des Rennens nicht so stark gefühlt, war ziemlich schlapp“, meinte Kristoff, der sich nach den 212,5 Kilometern erschöpft auf seinem Fahrradlenker abstützte. Der ehemalige Sieger von Mailand-Sanremo (2014), der Flandern-Rundfahrt (2015) und zwei Etappen der Tour de France (2014) stieg damit zum alleinigen Rekordhalter in Frankfurt auf. Zuvor hatte er sich die Bestmarke mit dem dreimaligen Champion Erik Zabel geteilt, dessen Sohn Rick die Erwartungen gestern nicht erfüllen konnte.

Trotz stärkerer Böen legten die Profis in dem World-Tour-Rennen von Beginn an ein hohes Tempo vor. Auf dem neuen Kurs, durch Anstiege wie die Billtalhöhe verschärft, wollten die Teams nicht riskieren, eine Ausreißergruppe zu weit wegfahren zu lassen.

Nach knapp 30 Kilometern, als das Peloton erstmals Frankfurt durchquert hatte und Richtung Taunus fuhr, setzte sich ein kleines Grüppchen aus sieben Fahrern ab. Bis zu 4:45 Minuten kamen die Ausreißer weg. Doch mit den ersten Anstiegen am Feldberg und „Mammolshainer Stich“ mit anschließender Billtalhöhe schrumpfte der Vorsprung schnell zusammen. Als das Feld wieder geschlossen fuhr, gab es weitere Attacken. Meist ohne großen Erfolg. „Ich hätte nie geglaubt, dass es am Ende zu einem Massensprint kommt. Das war super-spannend“, meinte der ehemalige Profi Udo Bölts, der Sportdirektor des Rennens.

Auf den finalen Kilometern besaß dann doch eine achtköpfige Spitzengruppe um den besten Deutschen Emanuel Buchmann (18.) Chancen, bis zum Ziel durchzukommen. Doch unter anderem sorgte ein Fahrfehler eines Profis, der eine Kurve verpasste, dafür, dass die Verfolger um Kristoff wieder aufschließen konnten. „Das war eine gefährliche Attacke“, sagte Kristoff. „Aber wir haben aufgepasst.“

Hilfe durchs Team

Wieder einmal. Diesmal konnte er sich auf sein Team UAE Emirates verlassen. Erst seit diesem Jahr fährt er für den Rennstall, der bis 2016 unter italienischer Flagge antrat und seit 2017 unter der Lizenz der Vereinigten Arabischen Emirate fährt. Der Sitz der Mannschaft ist im schweizerischen Lugano. Seine ersten drei Siege in Frankfurt hatte Kristoff noch für das Team Katusha errungen. „Ich wusste, was hier zu tun ist. Daher habe ich meinem neuen Team gesagt, es soll immer dicht um mich herum bleiben und die Ruhe bewahren. Wir müssen den Ausbruch im richtigen Moment planen.“

Lesen Sie in unserem Ticker nach, wie Frankfurt und die Region das Rennen erlebt haben

Und die Taktik ging voll auf. Als er bei der zweiten Überfahrt der Billtalhöhe schwächelte und zurückfiel, klemmten sich die Teamkollegen vor ihn und pilotierten ihn zurück nach vorne. „Da bin ich etwas gestrauchelt. Mein Team hat einen großartigen Job gemacht“, lobte der Kapitän. Am Ende lag es an ihm selbst, den richtigen Zeitpunkt für die Attacke zu finden. „Im Zielsprint war ich etwas alleine. Aber so erging es auch den anderen“, so Kristoff. „Ich war nicht zu selbstbewusst. Wusste aber: Wenn ich die Runden im Taunus meistere, kann ich es wieder nach ganz vorne schaffen.“

Einmalige Bilanz

Dass er mit seinem Sieg nach 5:13:25 Stunden vor dem zeitgleichen Sprintstar Michael Matthews (Australien) Sportgeschichte schrieb, ist für ihn etwas ganz besonderes. „Ich bin der einzige, der hier viermal gewonnen hat. Das macht mich sehr glücklich“, sagte Kristoff,. Eschborn-Frankfurt sei selbstverständlich sein „Lieblingsrennen“. Bei seiner Bilanz nicht verwunderlich: Fünf Mal trat der Klassikerspezialist an. Nach einem fünften Platz beim Debüt stand er jedes Mal ganz oben auf dem Treppchen. „Diesmal hatte ich am Ende etwas Glück“, sagte Kristoff, der bei der Siegerehrung darauf verzichtete, die norwegische Nationalhymne zu singen.

Vielleicht wollte er sich nicht zu sehr wiederholen. Denn mancher der mehreren Hunderttausend Zuschauer mag sich in diesem Jahr etwas Abwechslung bei der Siegerehrung gewünscht haben. Doch Kristoff war freilich nichts vorzuwerfen. Und immerhin hatte er diesmal ja ein neues Trikot an.

Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen