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Box-Champion wird 80: Als Karl Mildenberger im Waldstadion gegen Muhammad Ali kämpfte

Von Karl Mildenberger wird an diesem Donnerstag 80 Jahre alt: Für einen Schwergewichts-Champion aus den 60er Jahren ein biblisches Alter. Der einstige Frankfurter Lokalmatador aus Kaiserslautern war von 1964 bis zu seinem Karriereende 1968 Europameister, als der Titel noch hohen Wert und großes Ansehen besaß.
Gezeichnet von einem großen Kampf: Karl Mildenberger bot Muhammad Ali im Waldstadion  elf Runden lang Paroli. Bilder > Foto: Willi Gutberlet (dpa) Gezeichnet von einem großen Kampf: Karl Mildenberger bot Muhammad Ali im Waldstadion elf Runden lang Paroli.
Frankfurt. 

Es war der 10. September 1966, als Karl Mildenberger zur Legende wurde. Im Weltmeisterschaftskampf gegen Muhammad Ali im Frankfurter Waldstadion. Der „Größte“ traf auf ungewohnte Rechtsauslage und auf unerwarteten Widerstand, den „Milde“ elfeinhalb Runden lang dem eleganten Boxgenie leistete. Erst in der zwölften Runde war Schluss.

Obwohl der Pfälzer nach einem harten rechten Konter Alis noch tapfer, wenn auch nicht mehr fest auf beiden Beinen stand, signalisierte der englische Ringrichter Teddy Waltham das Ende. Der deutsche Herausforderer war nur zweimal kurz zu Boden gegangen, in der achten und zehnten Runde. Doch ab der sechsten Runde konnte Mildenberger auf dem fast zugeschwollenen linken Auge kaum noch sehen – was ihn freilich nicht hinderte, den Champion weiterhin unerschrocken und beherzt anzugreifen und mit seinen linken Körperschlägen auf die Leberpartie sogar in Verlegenheit zu bringen. Angelo Dundee, Alis legendärer Trainer, erzählte noch Jahre später von den „Schwierigkeiten“, in die Ali durch Mildenbergers linke Treffer damals geraten war. „Ich weiß, wie weh ihm diese Schläge getan haben und wie sehr sie ihn verwirrten.“

Zehn Jahre nach seinem Frankfurter Auftritt listete Ali im Fachmagazin „The Ring“ seine zehn schwersten Gegner auf. Mildenberger nahm hinter Sonny Liston, Doug Jones, Joe Frazier und Ken Norton einen höchst ehrenvollen fünften Rang ein. „Mildenberger konnte sehr gut boxen und hat mich mit einigen Schlägen schön durchgeschüttelt“, begründete Ali seine Bewertung. „Ich bin erst in der zwölften Runde mit ihm fertig geworden in einem Kampf, von dem jedermann geglaubt hatte, ich würde leichtes Spiel haben.“

Die meisten Gegner leben nicht mehr

Die Gnade des 80. Geburtstags war Karl Mildenbergers Gegnern von Weltklasse und Herausforderern in denkwürdigen Ringschlachten nicht vergönnt.

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Die Niederlage gegen Ali war Mildenbergers größter Sieg. Auf dieses Urteil einigten sich nahezu alle Kritiker am Ring. „Mildenberger lieferte den Kampf seines Lebens“, verhieß die Schlagzeile der Frankfurter Boulevard-Zeitung „Abendpost/Nachtausgabe“. Auch Joe Louis und Max Schmeling waren vom Außenseiter beeindruckt. Schmeling sagte: „Eine gute Leistung von Mildenberger.“ Louis meinte: „Mildenberger war ein würdiger Herausforderer und hätte einen Rückkampf verdient.“

Das Spektakel hatte zwar nicht die kalkulierten 50000 Zuschauer angelockt, sondern nur die Hälfte. Das Ereignis hatte aber die gesellschaftliche Prominenz angezogen. Auf den Ehrenplätzen am Ring saßen neben den Box-Legenden Louis und Schmeling unter anderem das frisch verliebte Filmpaar Ursula Andress und Jean-Paul Belmondo sowie der berühmte französische Filmregisseur Louis Malle. Der enttäuschend niedrige Besuch gemessen am einmaligen Ereignis, der ersten Schwergewichtsweltmeisterschaft in Deutschland mit einem deutschen Boxer, hatte zwei Gründe. Einmal hatte die Öffentlichkeit „Milde“ keine drei Runden zugetraut. Da überlegte sich mancher, ob ein derart kurzer Kampf den Eintrittspreis zwischen 25 und 300 Mark wert war. Zum anderen blieb es bis zum ersten Gongschlag ungewiss, ob der Kampf live übertragen wird. Vor 50 Jahren galt das Fernsehen noch als Feind der Boxveranstaltungen, der die Zuschauer wegnahm, und war nicht der großzügige Zahlmeister wie heute. Die für die weltweiten TV-Rechte zuständige Firma Viewsports Ltd. London forderte eine Million Mark für eine Live-Übertragung von ARD/ZDF. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten passten. Sei’s drum: Das Frankfurter Waldstadion war für eine Nacht im September 1966 der Nabel der (Box-)Welt.

Heute wohnt Karl Mildenberger nach einer Knie-Operation – nicht mehr bei bester Gesundheit – zurückgezogen in seinem Haus in Kaiserslautern-Hohenecken, gepflegt von seiner Frau Miriam.

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