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Super Bowl: Ansteckende Wärme im kalten Norden

Die Menschen in Minnesota sind stolz, am Sonntag Gastgeber des Super Bowl zu sein. Überall begegnen die Gäste aus aller Welt Herzlichkeit und Freundlichkeit.
Tom Brady, Quarterback der New England Patriots. Foto: Charles Krupa (AP) Tom Brady, Quarterback der New England Patriots.
Minneapolis. 

Es ist klirrend kalt draußen. In der Nacht ist erneut Schnee gefallen. Also passe ich beim Verlassen meiner Unterkunft genau auf meine ersten Schritte auf. „Vorsicht, es könnte rutschig sein“, ruft mir Bill zu. Der ältere Mann ist Fan der Minnesota Vikings, das verrät mir seine lilafarbene Jacke mit dem Logo des heimischen Teams. Bill wohnt offenbar drei Häuser weiter. Auf dem Weg zur Bushaltestelle begleitet er mich. Einfach so, obwohl wir uns nie zuvor gesehen haben. Wir reden über Football, über Deutschland und die Weltpolitik. Alles in drei Minuten. Als würden sich jahrelange Nachbarn auf der Straße treffen.

Dass die Menschen aus den „Twin Cities“ Minneapolis und St. Paul stolz darauf sind, Gastgeber des 52. Super Bowl sein zu dürfen, überrascht mich nicht. Mit wie viel Stolz und Freude sie diese Woche, die am Sonntag im großen Finale zwischen den New England Patriots und den Philadelphia Eagles ihren Höhepunkt erreichen wird, begleiten, ist jedoch nicht minder faszinierend. „Es ist schön für unsere Region, auch wirtschaftlich“, sagt Bill. „Aber wir gerne hätten alle die Vikings im Super Bowl gesehen.“

Die Niederlage des eigenen Teams im Halbfinale gegen Philadelphia schmerzt. Auch zwei Wochen später noch. „Die Vikings haben uns trotzdem eine tolle Saison beschert. Und die Fans der Eagles sind hier genauso willkommen“, erklärt mir Maureen Bausch, die Chefin des Super Bowl-Gastgeberkomitees. Das klingt mir fast zu diplomatisch und ich frage Maureen nach dem Ruf, der den Menschen aus Minnesota vorauseilt. „Was sie gehört haben, stimmt. Die Menschen hier sind warm und engagiert. Deshalb empfangen wir auch die Fans aus Philadelphia mit offenen Armen.“

Mein Weg durch die Kälte führt mich mit der Straßenbahn weiter nach Downtown. Im Ballsaal des Hilton Hotels hält Ligaboss Roger Goodell seine alljährliche Pressekonferenz zur Super-Bowl-Woche ab. „Die Menschen in Minnesota fiebern diesem Ereignis seit Monaten entgegen. Und sie werden ihrem Ruf als besonders gastfreundlich wieder gerecht“, sagt Goodell, während die frisch polierte Trophäe für den Sieger zwei Meter neben ihm auf einem Tisch zu bewundern ist. Mir ist bewusst, dass der mächtigste Mann der NFL das so sagen muss. Das gehört zur Politik. Aber es gibt niemanden, der in dieser Woche einen anderen Eindruck bekommt.

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Die Kombination aus dieser Freundlichkeit und der angemessenen Portion Stolz hat in den „Twin Cities“ eine warme und einnehmende Atmosphäre kreiert. Sie hat mich längst mitgerissen. Nach der Fragerunde mit Goodell geht es auf die Fanmeile in Downtown. Auf dem sechs Blocks langen Straßenzug gibt es eine Skipiste, mehrere Fernsehsender strahlen ihre Shows live von hier aus, zwischen Eisskulpturen in Überlebensgröße und Dutzenden von Imbissständen. Ein „Winter Wonderland“ im Zeichen des Footballs.

Auf der großen Bühne eines amerikanischen Mobilfunkanbieters wird Livemusik geboten. Ich komme nur langsam vorwärts, es wird immer voller. Alle watscheln geduldig durch die Menschenmengen. Kein Gedränge, kein Murren. Warum ich wohl jetzt gerade an Deutschland denken muss? Auch auf der Fanmeile sind Hunderte der insgesamt 10 000 Freiwilligen im Einsatz, beantworten Fragen. Bei allen Veranstaltungen in dieser Woche stehen die in blaue Winterjacken gekleideten „Volunteers“ parat und haben selbst bei minus 13 Grad stets ein Lächeln im Gesicht.

„Minnesota nice“

„Es ist eine tolle Zeit, unseren großartigen Staat Minnesota der Welt zu präsentieren. Reporter kommen aus 120 verschiedenen Ländern hierher. So wie du“, sagt Jenny. Sie treffe ich am Abend bei der Party für Medienvertreter. „So etwas wie in dieser Woche habe ich noch nie mitgemacht. Es ist einfach aufregend.“ Dann fragt sie, woher ich genau komme, für wen ich arbeite. Nicht aufdringlich. „Minnesota nice“ eben. Nach diesem langen Tag gönne ich mir ein Taxi zurück. Draußen sind es mittlerweile minus 17 Grad. Aber das macht mir nichts aus, habe selbst ein Lachen im Gesicht. Nur diese schöne blaue Jacke der „Volunteers“, die hab ich nicht bekommen.

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