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Anna Köhler: Aus dem Odenwald nach Pyeongchang

Von Die 24-jährige Bobfahrerin aus Reichelsheim wollte Junioren-Weltmeisterin werden. Stattdessen löste sie das Ticket nach Korea.
Vorfreude auf die rasante Schlittenfahrt: Anna Köhler. Foto: (imago sportfotodienst) Vorfreude auf die rasante Schlittenfahrt: Anna Köhler.

Im Sommer war Pyeongchang für Anna Köhler noch gar kein Ziel gewesen. Da hatte die Bobpilotin aus dem südhessischen Reichelsheim nur an ihre Trainingskollegin Erline Nolte gedacht. „Ich wollte sie zu den Olympischen Spielen bekommen“, erklärt die 24-Jährige. Denn für die vier Jahre ältere Anschieberin könnte Korea die erste und letzte Gelegenheit für eine Teilnahme an dem Großereignis sein.

Entsprechend legten die beiden sich gemeinsam ins Zeug, tankten Kraft für den Winter – und stehen am heutigen Dienstag (12.50 Uhr MEZ) zusammen im Olympic Sliding Centre am Start. Denn auch Köhler erntete den verdienten Lohn für die tägliche Schweißarbeit. Beim zentralen Leistungstest vor Saisonbeginn landete sie eine Punktlandung, als sie die geforderte Anschubnorm genau traf, und als sie dann die erste von zwei Selektionen für sich entschied, war ihr der Platz im Weltcup sicher.

Dass sie nicht an der Vorherrschaft der stärksten Konkurrentinnen im Zweierbob würde kratzen können, war der Odenwälderin klar. Teamweltmeisterin Mariama Jamanka und Europameisterin Stephanie Schneider hatten ihr Ticket nach Asien bald unter Dach und Fach gebracht. Ein weiterer Platz war möglich, sollte sich die dritte Deutsche in der Nationenwertung gegen die jeweilige Gegnerin aus den USA oder Kanada durchsetzen.

Bundestrainer René Spies, gleichzeitig Köhlers Heimcoach am Stützpunkt in Dortmund, taktierte geschickt: Seiner Athletin wurde beim Heim-Weltcup in Altenberg die beste Anschieberin Annika Drazek in den Schlitten gesetzt, und die beiden fuhren als Dritte Köhlers erste Podestplatzierung ein. In St. Moritz reichte der Olympiadebütantin dann ein 17. Rang, diesmal wieder mit Nolte, um den Sack zuzumachen. „Dabei wollte ich in dieser Saison eigentlich nur Junioren-Weltmeisterin werden“, sagt Köhler. Diesen Titel hatte sie 2017 als Zweite knapp verpasst.

Entsprechend bescheiden klingen die Ziele, die sie bei dem großen Auftritt verfolgt. Vier ordentliche Durchgänge erhofft sich Köhler auf der Bahn, die sie schon einmal unter Wettbewerbsbedingungen testen durfte. Als nicht besonders schwierig schätzt sie die 16 Kurven ein; lediglich Nummer zwei und die mittlerweile berüchtigte neun könnten zur Herausforderung werden. Aber sie habe schon ganz andere Rinnen gemeistert, in Lake Placid etwa, „da muss man immer arbeiten“.

Arbeiten und schuften, das ist das, was Köhler hinreichend getan hat, seit sie 2013 vom Skeleton zum Bobsport wechselte. „Ich habe geschrubbt wie keine andere“, stellt sie fest. Als Pilotin bleibe einem gar nichts anders übrig, will man in der Weltspitze mitrasen.

Dass sie überhaupt den Weg in den Eiskanal fand, daran ist ihre sechs Jahre jüngere Schwester schuld. Die war bei einem Rodelangebot während der Ferienspiele in der Heimatgemeinde auf den Geschmack gekommen. So ging’s am Wochenende nach Winterberg, und die Ältere fuhr mit. Absichten, selbst einzusteigen, hatte die Leichtathletin und Handballspielerin nicht. Irgendwann war es doch so weit, und nach etwa 20 Abfahrten auf dem Rodelschlitten stürzte sie sich kopfüber in der Bauchlage die Bahn hinunter.

Nach drei Jahren Skeleton erfolgte der Wechsel in den Bob. Dem ist die Studentin des Wirtschaftsingenieurwesens, der die Aufnahme in die Polizeisportfördergruppe wegen angeblichen Belastungsasthmas verweigert wurde, treu geblieben. „Man fühlt sich darin mehr zu Hause, und die Geschwindigkeit fasziniert mich“, erklärt die Frau an den Lenkseilen, für die Tempo 150 kein Grund für Ängste ist. Auf der Straße geht sie es im Auto nicht schneller an – „mehr hat mein Wagen gar nicht drauf“.

Nach Pyeongchang war sie frühzeitig angereist. Nur vor Beginn der Spiele konnten noch ausreichend Trainingsfahrten absolviert werden. Danach hieß es, sich im Kraftraum fit zu halten und sich an die Bedingungen vor Ort anzupassen. „Man muss für alles mehr Zeit einplanen“, sagt Köhler. Das beginnt schon mit dem Weg aus dem Athletenhaus, „das hat 14 Etagen und nur einen Aufzug“. Immerhin sei es eines der letzten auf dem Gelände, „da ist es nicht so laut“. Und man hat genügend Ruhe, die neuen Ziele ins Visier zu nehmen.

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