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Sohn von Tour-Ikone Didi Thurau: Björn Thurau am Tiefpunkt

Von Björn Thurau wohnt in Fulda zur Untermiete bei Ex-Profi Patrick Sinkewitz. In der Rhön trainiert er viel, fährt aber wenige Rennen.
Fährt für das drittklassige Team „Kuweit-Cartucho“: Björn Thurau (vorne). Foto: Hansjürgen Britsch (imago sportfotodienst) Fährt für das drittklassige Team „Kuweit-Cartucho“: Björn Thurau (vorne).
Frankfurt. 

Schon mal von der „Tour de Lombok“ gehört? Lombok ist eine 4725 km² große indonesische Nachbarinsel Balis. Björn Thurau kennt das fernöstliche Ferieneiland bestens. Der Sohn der Frankfurter Tour-Ikone Didi Thurau ist bei dieser Rundfahrt Zehnter geworden. Die 485 Kilometer auf den vier Etappen vom 13. bis 16. April waren seine bisher letzten auf dem Rad unter Wettkampfbedingungen. Trotz dieses Handicaps will der 1,93 Meter lange Lulatsch bei der deutschen Straßenmeisterschaft am Sonntag in Chemnitz signalisieren: „Hallo, ich bin noch da und kann Radfahren.“

Wer nur noch in einem drittklassigen Team mit Namen „Kuweit-Cartucho“ bei exotischen Vier-Etappen-Rennen unterwegs ist, bei der „Tour de Filipinas“ im Februar und der „Tour of Good Hope“ im März in Südafrika (20. Platz), der gerät ganz schnell in Vergessenheit. Auch wenn er Thurau heißt.

Björn wohnt als Untermieter im Haus von Patrick Sinkewitz in Künzell bei Fulda und trainiert in der Rhön. Er weiß: Noch so hartes Training kann Rennpraxis nicht ersetzen. „Ich bin in diesem Jahr an zwölf Tagen Rennen gefahren. Ich hatte viele lange, harte Trainingseinheiten. Aber es ist nicht einfach, in Rennrhythmus zu kommen. Ich werde mich für ein gutes Resultat voll reinhauen“, gibt er sich kämpferisch. Björn hatte gehofft, zum 1.-Mai-Rennen in seiner Geburtsstadt Frankfurt in die deutsche Nationalmannschaft der Einzelfahrer aufgenommen zu werden. Kein Platz für den Lokalmatador, entschied BDR-„Vize“ Udo Sprenger. Vater Thurau empörte sich: „Eine Frechheit.“

Die Profi-Karriere des Juniors ist im zehnten Jahr auf einem Tiefpunkt angelangt. Kuweit hört sich nach „Kohle“ an. Doch das in Spanien lizenzierte Team ist klamm, kann sich Rennen kaum noch leisten und gerät mit der Bezahlung des ohnehin kargen Salärs in Verzug. Auch die Alt-Doper Davide Rebellin (45) und Stefan Schumacher (35) mussten oft auf ihre „Rente“ warten. Der Schwabe hatte den arbeitslosen Hessen in das Continental-Team geholt.

Wegen eines „Grenzwerts“ beim Critérium du Dauphinée 2016 – zu niedriger Cortisol-Wert – war Thurau aus der Rundfahrt genommen und mit einer einwöchigen Schutzsperre belegt worden. Obwohl die Tests freiwillig waren „und kein Vergehen meinerseits vorliegt, wurde ein negatives Bild von mir gezeichnet“, so Björn Thurau. Das schlechte Image führte dazu, dass der belgische Zweit-Divisionär „Wanty-Group Gobert“ den Vertrag nicht verlängerte und Björn Thurau Probleme bekam, ein neues Team zu finden. Enttäuscht ist er von Gasparotto, weil der Italiener ihn nicht zum neuen World-Tour-Team „Bahrain-Merida“ mitnahm. „Ich habe mir den Arsch aufgerissen, damit Enrico das Amstel-Gold-Rennen gewinnt. Da hätte ich schon einen Akt der Dankbarkeit erwartet.“

Aber Björn Thurau eckt mit seiner selbstgerechten Art im Peloton oft an. Dass er 2015 überraschend vom neuen deutschen Team „Bora-Argon 18“ trotz guter Leistungen und ohne plausiblen Grund nicht für die Tour de France nominiert wurde, hatte wohl mit Spannungen zwischen ihm und der sportlichen Leitung zu tun. Den Traum von der Tour hat Björn Thurau aufgegeben. Am 23. Juli wird er 29 Jahre alt. An seinem Geburtstag endet die Tour in Paris. Er fährt stattdessen ab dem 16. Juli bei der „Tour of Qing Lake“ – in China.

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