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WM-Nachlese: Boateng wehrt sich

Der Umgang mit Mesut Özil stört Jerome Boateng immer noch. Und er wünscht sich mehr Unterstützung bei den Bayern.
Ein extravaganter Jerome Boateng mit Sonnenbrille auf der Tribüne: Dieser Auftritt beim WM-Aus gegen Südkorea hat nicht jedem gefallen. Foto: Christian Charisius (dpa) Ein extravaganter Jerome Boateng mit Sonnenbrille auf der Tribüne: Dieser Auftritt beim WM-Aus gegen Südkorea hat nicht jedem gefallen.
München. 

Jerome Boateng lagen ganz offensichtlich ein paar Dinge auf der Seele. In einem Zeitungs-Interview bezeichnete der Abwehrspieler sein Laissez-faire-Image in der Öffentlichkeit als „lächerlich“, er beklagte die fehlende Unterstützung seines Vereins Bayern München und kritisierte Kollegen der Nationalmannschaft für ihr Verhalten gegenüber Mesut Özil.

„Wo waren die Mitspieler, die sich bei Mesut bedankt haben? Anscheinend haben viele sich nicht zu äußern getraut, weil sie gedacht haben, dass das bei den deutschen Fans nicht so gut ankommt“, sagte Boateng im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“: „Da geht es um einen tollen Spieler, der mit uns Weltmeister geworden ist, der super Länderspiele gemacht hat, der den deutschen Fußball auch ein Stück weit verändert hat. Eine Nummer 10 mit Migrationshintergrund! Dem muss man Danke sagen. Sich dann zu enthalten, das finde ich schade.“

Boateng war einer der wenigen Nationalspieler, die Özils Rücktritt, der einer Abrechnung auf mehreren Ebenen gleichkam, öffentlich bedauert hatten. Das „Erdogate“ um Özil und Ilkay Gündogan bezeichnete Boateng als „nerviges Thema“, das die Stimmung während der WM belastete. „Erst haben wir das Thema unterschätzt, und dann haben wir es mit zur WM genommen“, sagte der 30-Jährige: „Das war belastend für alle, auch für die beiden Spieler.“

ARCHIV - 24.04.2018, Bayern, München: Fußball Champions League: Bayern München - Real Madrid. Pressekonferenz FC Bayern München in der Allianz Arena. Jerome Boateng von München spricht zu den Medienvertretern. Boateng hat die besondere Bedeutung von Trainer Kovac für seinen Verbleib beim FC Bayern München hervorgehoben. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
Kommentar zu Jerome Boateng: Noch ein Nachtreten

Seit seinem – auf Englisch in Auftrag gegebenen – Rücktrittsschreiben schweigt Mesut Özil. Das ist keine gute Idee. Denn der Ex-Nationalspieler wäre der einzige, der den Wust an Kommentierungen und

clearing

Doch auch Boateng selbst stand nach dem historischen Vorrunden-Aus in der Kritik – nicht nur wegen seiner wenig überzeugenden Leistungen. „Da hieß es, ich sei nicht völlig fokussiert, weil ich beim Südkorea-Spiel auf der Tribüne Ohrringe und Sonnenbrille trage, wenn die Sonne scheint“, sagte Boateng. Die Vorwürfe, er würde zu oft in der Welt herumjetten und sich von anderen Dingen ablenken lassen, nannte der Weltmeister „lächerlich“. Ja, er trage viele Tattoos und kleide sich anders als andere Spieler, „das heißt aber doch nicht, dass ich mich nicht auf den Fußball fokussiere“.

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte Boatengs Image vor knapp zwei Jahren mit seiner „Back-to-earth“-Forderung manifestiert. Damals, aber auch nach der WM habe er sich mehr Rückendeckung aus seinem Club gewünscht, verriet Boateng. Es sei „nicht so schön“, wenn „überall Sachen über mich erzählt werden und man dann keine öffentliche Unterstützung vom Verein bekommt“. Deswegen wolle er mit Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß „demnächst noch mal reden“.

Dann dürfte auch der geplatzte Wechsel im Sommer zu Paris St. Germain nochmal Thema sein. Er habe sich mit einer Trennung beschäftigt, gab Boateng zu. Weil sich beide Vereine aber nicht einigen konnten und der neue Bayern-Trainer Niko Kovac „mich unbedingt halten wollte“, sei er geblieben. „Ein, zwei Tage“ habe ihn das beschäftigt, „aber jetzt geht es mir wirklich gut“.

Die völlig missratene WM-Titelverteidigung wird Boateng aber wohl noch länger verfolgen. Schon „kurz vor der WM“ habe er gemerkt, dass der Teamgeist und die Hierarchie nicht so optimal waren wie beim Titelgewinn vier Jahre zuvor.

„So etwas wird natürlich nicht ausgesprochen, aber genau das ist das Problem“, sagte Boateng: „Man spürt es in der Mannschaft.“ Boateng zumindest hat jetzt öffentlich viele Dinge ausgesprochen, die ihm auf der Seele lagen.

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