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Tischtennis: Boll hat noch lange nicht genug

Von 2500 Zuschauer in der Ballsporthalle sehen ein Finale, bei dem der Herausforderer aus Fulda mit 0:3 den Kürzeren zieht.
So schön jubelt der deutsche Tischtennis-Meister Borussia Düsseldorf: Sharath Kamal Achanta, Stefan Fegerl, Kristian Karlsson, Trainer Danny Heister, Timo Boll und Anton Källberg (von links). Foto: pressehaus/heinen (www.bild-pressehaus.de) So schön jubelt der deutsche Tischtennis-Meister Borussia Düsseldorf: Sharath Kamal Achanta, Stefan Fegerl, Kristian Karlsson, Trainer Danny Heister, Timo Boll und Anton Källberg (von links).
Frankfurt. 

Timo Boll gehört zu den Menschen, die sich in eine Aufgabe oft erst reinfriemeln müssen. Beim Finale der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) am Samstag in der Frankfurter Ballsporthalle wurde das gleich mehrfach deutlich. Erst tat sich der 36-Jährige im Auftaktmatch gegen den für Fulda aufschlagenden Dänen Jonathan Groth eine ganze Weile schwer, bis er mit einem 3:1 den Grundstein für den 29. nationalen Meistertitel der Borussia aus Düsseldorf gelegt hatte. Dann, etwa eineinhalb Stunden später, hantierte er lange vergeblich auf der in die Höhe gehievten Siegerplattform an der Magnumsektflasche herum, deren Inhalt eigentlich gemeinsam mit dem metallisch glänzenden Flitter auf ihn und seine Teamkollegen herabregnen sollte.

„Es fehlt an Erfahrung“, erklärte der Rekord-Europameister mit dezentem Lächeln. Doch es mangelte dem Routinier wohl eher an Kraft. Denn seit seinem Viertelfinalaus eine Woche zuvor bei den Heim-Weltmeisterschaften in Düsseldorf hatte Boll kaum mehr zum Schläger greifen können. Eine leichte Grippe und Durchfall hatten ihn mattgesetzt. „Aber für so ein Finale kann man noch mal auf die Zähne beißen.“

Filus nicht im Rhythmus

Vor 2500 Zuschauern, darunter in seiner hessischen Heimat viele Fans von Boll persönlich, dominierte der Titelverteidiger mit 3:0 auch das siebte nationale Endspielduell gegen den TTC Fulda-Maberzell. Nach der Nummer eins setzten sich ebenso die Teamkollegen Kristian Karlsson mit 3:0 gegen Wang Xi und Anton Källberg mit 3:1 gegen Ruwen Filus durch. „Nach dem Dämpfer am Anfang sind wir ein bisschen eingebrochen“, erklärte WM-Achtelfinalist Filus, den sein Trainer Qing Yu Meng etwas überraschend nur an Nummer drei gesetzt hatte. Doch auch dieser taktische Kniff verfehlte seine Wirkung, da der erst 19-jährige Schwede Källberg seinen Gegenüber von Beginn an so sehr unter Druck setzte, dass der Allrounder nie in seinen Rhythmus fand. So blieb auch Boll ein möglicher zweiter Auftritt erspart.

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Dem Lokalmatador war das nur recht, war er sich doch sowieso schon vor Beginn der fünften Auflage des Finals in Frankfurt, der laut TTBL-Geschäftsführer Nico Stehle weitere folgen sollen, nicht sicher gewesen, ob seine Kräfte reichen würden. Eine Pause gönnt er sich dennoch nicht: Schlag auf Schlag geht es für den ehemaligen Weltranglistenersten weiter, warten die nächsten Stationen der World Tour mit den Mitte der Woche beginnenden Japan Open und den China Open eine Woche später. Zudem schlägt der Hesse als erster Deutscher in der T2 Asia-Pacific auf, einer mit einem Preisgeld von insgesamt 1,5 Millionen Dollar lockenden neuen Liga, in der von Juli an bis Dezember einmal im Monat zwölf der besten Tischtennisspieler der Welt in Hongkong sowohl in Einzel- wie auch Teamwettbewerben aufeinandertreffen.

Wöchentlich zum Arzt

Damit der Körper, der Boll in der Vergangenheit oft bremste, dies alles mitmacht, geht der Weltranglistenachte einmal in der Woche zum Arzt. „Ich bin einer der Sportler, die am häufigsten beim Doktor sind“, sagt er, „und ich weiß nicht, wie oft ich schon im Kernspin war.“ Aber durch die regelmäßigen Checks könne er den nötigen und möglichen Trainingsumfang am besten bestimmen und ein paar Jahre länger auf höchster Ebene mitspielen. Seit seiner Knieoperation 2015 fühlt Boll sich wieder richtig fit, und auch der Rücken, der ihn in jüngeren Jahren oft zwickte, gibt höchstens noch mal Laut, wenn er mit den stetig wechselnden Hotelbetten nicht einverstanden ist.

Aufgrund der langen Asien-Tour bleibt dem gebürtigen Erbacher auch kaum Zeit zur Entspannung. Selbst den einwöchigen Urlaub mit Frau und Kind wird er auf dem anderen Kontinent verbringen und die Team-Europameisterschaften im September in Luxemburg wohl eher den jüngeren Nationalspielern überlassen. Auch Düsseldorf, wo Boll noch einen Vertrag bis 2018 besitzt und sich auch darüber hinaus ein Engagement vorstellen kann, wird bei einigen Ligaspielen auf ihn verzichten müssen.

Tochter Zoey teilt im Übrigen die Leidenschaft des Vaters nicht. „Sie besitzt zwar einen Schläger“, sagt Boll über die Dreijährige, „aber sie will lieber Fußball spielen.“ Doch auch da kann der Papa ja noch ein bisschen rumfriemeln.

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