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Tischtennis: Boll und Ovtcharov lehren die Asiaten derzeit das Fürchten

Am Sonntag gastieren die beiden Mannschafts-Europameister im Rahmen einer kleinen Turnierserie in Rüsselsheim.
Kumpels und Konkurrenten: Timo Boll (rechts) und Dimitrij Ovtcharov. Foto: Kirchner/Marco Steinbrenner (imago sportfotodienst) Kumpels und Konkurrenten: Timo Boll (rechts) und Dimitrij Ovtcharov.
Frankfurt. 

Die chinesische Mauer gilt im Tischtennis als nahezu unbezwingbar. Nur ab und an gelingt es mal einem Spieler einer anderen Nation, das Duell mit einem Vertreter der asiatischen Macht für sich zu entscheiden. Als Mannschaft sind die Ballkünstler bei Weltmeisterschaften seit dem letzten Titelgewinn der Schweden im Jahr 2000 ungeschlagen, im Einzel gelang 2003 dem Österreicher Werner Schlager ein seltener Coup.

Doch zuletzt machten die beiden deutschen Topspieler Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov gleich mit mehreren Triumphen über Gegner aus dem Reich der Mitte von sich reden. Der Odenwälder, immerhin schon 36 Jahre zählend, schaltete beim Weltcup Mitte Oktober in Lüttich neben dem Weltranglistensiebten Lin Gaoyuan auch den scheinbar unschlagbaren Einzel-Olympiasieger und -Weltmeister Ma Long aus. Sein Kumpel Ovtcharov setzte sich am vergangenen Wochenende bei den German Open in Magdeburg unter anderem gegen Asienmeister Fan Zhengdong durch.

Viel Selbstvertrauen

Vor allem Bolls aktuelles Hoch bringt seinen langjährigen Teamkollegen und jetzigen Bundestrainer Jörg Roßkopf ins Schwärmen. Es sei „Wahnsinn“, wie lange der Hesse schon auf so hohem Niveau spiele, erklärte der Coach in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Boll und Ovtcharov hätten momentan „sehr viel Selbstvertrauen“ und steigerten sich trotz der steten Terminhatz und mangelnder Trainingsgelegenheiten jedes Wochenende wieder zur Höchstform.

Doch sowohl der Fachmann als auch seine Spieler betonen, dass ihrem eigenen guten Zustand allein die jüngsten Erfolge nicht geschuldet seien. So verwies der stets bescheiden daherkommende Rekord-Europameister Boll kürzlich darauf, dass die Chinesen Probleme mit dem neuen Plastikball hätten. Zudem rumort es schon seit Längerem im Lager der Asiaten, herrschen Machtkämpfe und dadurch Verunsicherung. Unter anderem wurde im Sommer Cheftrainer Liu Guoliang abgesetzt. Einige Spieler reagierten mit einem Streik, boykottierten Turniere der World Tour und verloren so Punkte in der Weltrangliste.

Dazu kommt, dass die Generation um den 29-jährigen Ma allmählich in die Jahre kommt, Verletzungen sich häufen. Der Weltranglistenerste selbst soll sich zuletzt mit Handgelenksproblemen geplagt haben. Boll, der 2003 und 2011 eine Weile auf der Spitzenposition thronte, traut dem aktuell auf Rang drei und damit direkt vor ihm platzierten Ovtcharov zu, die Gelegenheit nutzen und den Toprang übernehmen zu können. Nach dem Jahresfinale in Astana/Kasachstan Mitte Dezember könnte es so weit sein. „Dima hat in letzter Zeit alles gewonnen“, sagte Boll nach seiner Niederlage im rein deutschen Endspiel von Magdeburg. „Er würde zu recht ganz oben stehen.“

Ein weiterer Frühling

Doch auch er selbst erlebt einen weiteren Frühling in seiner langen Karriere, begleitet den acht Jahre jüngeren Ovtcharov auf der Erfolgswelle. Und nährt damit beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) die Hoffnung darauf, dass der seit September wieder regierende Team-Europameister in naher Zukunft vielleicht doch noch mal die Krone auf Weltebene übernehmen könnte – eine Mission, auf der man sich schon lange befindet, die aber stets vorzeitig scheiterte. Die nächste Chance bietet sich bei der Mannschafts-WM Ende April im schwedischen Halmstad.

Noch in diesem Jahr liefern Boll und Ovtcharov derweil im Rhein-Main-Gebiet eine Kostprobe ihres Könnens ab. Am kommenden Sonntag treffen sie beim Finale des Leipold Super Cup um 20 Uhr in der Rüsselsheimer Großsporthalle auf die schwedischen Altmeister Jan Ove Waldner und Jörgen Persson, den ehemaligen Mannschaftseuropameister Stefan Fegerl aus Österreich sowie den Tschechen Petr Korbel. Chinesen sind bei der kleinen Einladungsturnierserie nicht dabei.

(kaja)

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