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Löw ist voller Wut: Bundestrainer fordert nach den Fan-Skandalen von Prag harte Sanktionen für Chaoten

Von Joachim Löw sieht sich nach dem Nazi-Eklat von Prag zu einer Brandrede genötigt. Das Spiel gegen Norwegen und das mögliche WM-Ticket geraten völlig in den Hintergrund.
Mit erhobenem Zeigefinger: Joachim Löw bei seiner gestrigen Brandrede. Foto: Sebastian Gollnow (dpa) Mit erhobenem Zeigefinger: Joachim Löw bei seiner gestrigen Brandrede.
Stuttgart. 

Nicht die Veränderung der Mannschaft – ein verändertes Verhalten der Fans war das Thema zwischen den beiden WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Freitag in Prag gegen Tschechien (2:1) und am heutigen Montag in Stuttgart gegen Norwegen.

Joachim Löw wollte gestern nicht „einfach zur Tagesordnung übergehen“. Dazu war der Bundestrainer zu entsetzt, nachdem sein Fokus in der Eden Arena zu sehr auf das Spiel gerichtet war, so dass er das „Ausmaß“ des Skandals nicht richtig mitbekommen hatte. Auch akustisch nicht. Daher war es ihm ein Bedürfnis, nicht „unkommentiert zu lassen“, was in Prag passiert ist. Seine Empörung drückte er so aus: „Ich bin jetzt weder bestürzt noch traurig. Ich bin voller Wut. Vielleicht trifft das meine Gefühle besser.“

Der Bundestrainer hielt ein patriotisches Plädoyer und richtete eindringliche Appelle, die auch für einer Rede im Bundestag angemessen gewesen wären. „Ich bin sehr, sehr angefressen, dass einige sogenannte Fans die Bühne des Fußballs und eines Länderspiels benutzen, um mit ihrem oberpeinlichen Auftreten Schande über unser Land zu bringen. Jeder, der von diesen Leuten nicht ins Stadion kann und darf, ist ein absoluter Gewinn.“ Die Mannschaft habe instinktiv richtig reagiert, nicht dorthin zu gehen.

Pfiffe während der Schweigeminute, nationalistische Gesänge, persönliche Beleidigungen gegen Timo Werner – der hässliche Deutsche grölte und pöbelte in dem Trakt, der deutsche Fan-Kurve hieß. Ein schreckliches Szenario. „Wenn wir von der Nationalmannschaft uns treffen und das deutsche Trikot anziehen, vor allem wenn wir ins Ausland gehen, stehen wir für unsere Werte ein, für ein respektvolles, tolerantes, weltoffenes Deutschland. Diese Chaoten wollen dieses Bild zerstören und unser Land beschädigen.“ Löw betonte, er stehe ganz klar auf der Seite derer, die alle Härte und Sanktionen fordern. „Das Stadion soll normalerweise ein Ort sein, wo man gerne und mit Freude hingeht. Diese Chaoten wollen wir nicht. Wir sind nicht deren Nationalmannschaft und die sind auch nicht unsere Fans. Deren Verhalten ist unterste Schublade, zutiefst verabscheuungswürdig.“

Zutiefst berühren den Bundestrainer die nicht enden wollenden Beleidigungen gegen Timo Werner, nur weil er „einmal einen Fehler (Anmerkung der Red.: Schwalbe) gemacht und den auch eingestanden hat“. Löws besonderer Appell gilt den Stuttgarter Zuschauern, fair mit Werner und auch mit Antonio Rüdiger, umzugehen, die einmal beim VfB spielten.

Zu den Vorfällen von Prag kam es auch, weil es die Krawallmacher leicht hatten, an Eintrittskarten zu kommen. Eine tschechische Internetadresse genügte offenbar. Über den Fanclub Nationalmannschaft waren die 1200 offiziellen Tickets für deutsche Anhänger verkauft worden. „Leider hat der tschechische Verband völlig frei Tickets verkauft“, kritisierte DFB-Präsident Grindel und kündigte Schritte innerhalb des europäischen Verbandes Uefa an.

Grindel lobte das Verhalten der Mannschaft, die als Reaktion auf die Entgleisungen auf den üblichen Gang zu den eigenen Fans nach dem Schlusspfiff verzichtet hatte. „Wir werden niemals faschistische, rassistische, beleidigende oder homophobe Schlachtrufe dulden. Gemeinsam – als Mannschaft, Fans und DFB – müssen wir uns diesen Krawallmachern entgegenstellen“, so Grindel.

Der sportliche Teil der Pressekonferenz des Bundestrainers wurde fast schon zur Nebensache. Fazit: Besser spielen, gewinnen, die WM-Qualifikation perfekt machen. Das Positionsspiel gegen Tschechien sei schlecht gewesen. „Daher haben wir viele Bälle verloren“, so Löw. Norwegen stehe wie Tschechien in der Tabelle unter seinen Möglichkeiten und werde sich unter dem neuen Trainer Lars Lagerbäck positiv entwickeln.

Im Tor wird wieder ter Stegen stehen wie auch Draxler in der Startelf. Zwei, drei Veränderungen kündigte der Bundestrainer an. Mario Gomez? Der mache einen guten Eindruck und sei körperlich in guter Verfassung. Aber dann müsste der Bundestrainer ja Timo Werner zunächst auf der Bank lassen...

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